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Berliner Zeitung | Kommentar zu Betreuungszeiten: Berlin braucht keine Kita-Stechuhr
12. November 2014
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Kommentar zu Betreuungszeiten: Berlin braucht keine Kita-Stechuhr

Alle müssen bleiben: Ulrich Nußbaum will, das Eltern die volle Betreuungszeit der Kita ausschöpfen.

Alle müssen bleiben: Ulrich Nußbaum will, das Eltern die volle Betreuungszeit der Kita ausschöpfen.

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dpa

Berlin bietet im bundesweiten Vergleich ein gut ausgebautes Kita-Angebot und hat sich mit seinem Bildungsprogramm für Kinder unter sechs Jahren auch pädagogisch ambitionierte Ziele gesetzt. Verbunden mit der Gebührenfreiheit für die letzten drei Kita-Jahre ist das ein echter Standortvorteil. Angesichts des erwarteten Bevölkerungszuwachses und steigender Kinderzahlen stellt Finanzsenator Ulrich Nußbaum nun das schon Erreichte in Frage. Er möchte bestehende Kitas noch stärker auslasten und es in der Folge in Kauf nehmen, dass Kita-Gruppen wieder größer werden.

Notwendige Sicherheit

Ihm ist es vor allem nicht recht, dass knapp 14 Prozent der Eltern einen Betreuungsbedarf von täglich über neun Stunden für ihre Kind bewilligt bekamen, aber statistisch nur 8 Stunden und 22 Minuten wahrnehmen. Dabei verkennt er offenbar, dass berufstätige Eltern hier vor allem die zeitliche Flexibilität suchen, um Beruf und Familie vereinbaren zu können. Denn auch die Arbeitszeiten von Beschäftigten oder Selbstständigen variieren in zunehmendem Maße. Zudem gibt es in Berlin viele Alleinerziehende. Ein Kita-Gutschein für eine relativ lange Betreuungszeit gibt Eltern da die notwendige Sicherheit. Und gerade für das Kind ist es gut, wenn die gewährte Betreuungszeit nicht immer voll ausgenutzt wird. Mit einer Kita-Stechuhr jedenfalls, die die tägliche Anwesenheit kontrolliert, würden die Einrichtungen Schaden nehmen.