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Kommentar zu Leonarda Dibrani: Dilettantismus im Elysée-Palast

Francois Hollande

Francois Hollande

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AFP

Dank Francois Hollande gibt es demnächst wohl ein bisschen Bewegung auf dem französischen Arbeitsmarkt. Im Elysée werden bestimmt ein paar Posten frei. Fähige Berater gesucht, so müsste die Stellenausschreibung lauten. Denn wer immer den Präsidenten im Fall Leonarda assistiert hat, er hat den Laufpass verdient. Schlimmer geht es nimmer.

Da schaut der als zögerlich verschriene Präsident zunächst tagelang zu, wie die Dinge aus dem Lot geraten: Die Polizei vollstreckt den rechtmäßigen Abschiebungsbescheid gegen eine siebenköpfige Familie im Fall der Schülerin Leonarda auf äußerst brutale Art, zerrt sie vor den Augen ihrer Klassenkameraden aus dem Schulbus.

Im ganzen Land schlägt die Erregung hohe Wogen, besonders aber im Regierungslager. Linke und rechte Genossen gehen einander an die Gurgel. Und als der Staatschef dann doch einschreitet, schlägt er vor, was nur schief gehen kann: die Rückkehr der 15 Jährigen ohne Eltern, ohne Familie. Ein neuerlicher Aufschrei der Empörung ist die Folge.

Die Linke zeiht Hollande der Unmenschlichkeit, die Rechte der Verhöhnung des Rechtsstaats. Beides ist nachvollziehbar. Wo Hollande schlichten wollte, hat er mit einem halbherzigen Kompromiss den Streit noch angefacht. Führungsstärke sieht anders aus. Die Rechtspopulisten des Ruhe und Ordnung verheißenden Front National können sich die Hände reiben.