blz_logo12,9

Kommentar zu Olympia in Berlin: Olympia braucht Transparenz

Olympia-Bewerbung: Ja. Ob der deutsche Sport mit Berlin oder Hamburg ins Rennen geht, soll aber erst in einigen Monaten entschieden werden.

Olympia-Bewerbung: Ja. Ob der deutsche Sport mit Berlin oder Hamburg ins Rennen geht, soll aber erst in einigen Monaten entschieden werden.

Foto:

dpa

In einem Punkt hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) diese Woche für Klarheit gesorgt, immerhin. Ein Zurück gibt es nicht mehr. Deutschland wird sich um die Olympischen und Paralympischen Spiele des Jahres 2024 bewerben, alles andere wäre peinlich. Peinlich für den DOSB, peinlich für die Bundesregierung, peinlich für Berlin und Hamburg. Alle Beteiligten hatten Monate Zeit, miteinander zu reden und die Sache abzuwägen. Wer jetzt noch sagt, „ach nö, lieber doch erst 2028“, der blamiert sich.

Umso erstaunlicher ist, dass der oberste deutsche Sportverband sich noch in einem weiteren Punkt festgelegt hat. „In Abstimmung mit der Bewerberstadt ist zu geeigneter Zeit ein Bürgerentscheid abzuhalten“, heißt es im DOSB-Beschluss vom Dienstag. Zu geeigneter Zeit klingt vage. Nimmt man das Versprechen aber ernst, kann es nur eines bedeuten: Die Bevölkerung wird gefragt, bevor die Bewerbung verbindlich beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) angemeldet wird. Spätestens also im Herbst 2015.

Demnach werden es nicht die Sportfunktionäre sein, die über eine Bewerbung befinden. Auch nicht die Regierungen, und nicht einmal die gewählten Parlamente. Die Olympia-Fans haben die Bewerbungsfrage ein Stück weit aus der Hand gegeben. Entscheiden werden die Bürger, jeder mit seiner eigenen Stimme. Am Ende könnten nur einige wenige mit ihrem „Ja“ oder „Nein“ zu Olympia den Ausschlag geben. Denn nach aktuellen Umfragen ist mehr als eine knappe Mehrheit kaum zu erwarten. Weder in Berlin noch in Hamburg.

Man könnte den DOSB für seinen Beschluss loben, ohne Beteiligung der Bürger geht es schließlich nicht. Man kann es aber auch anders sehen. Vielleicht glauben die Beteiligten ja selber nicht an ihre Olympia-Mission. Vielleicht ahnen sie, dass Europa 2024 einfach nicht an der Reihe ist und eine Bewerbung aus den USA die viel größere Chance hätte. Vielleicht wissen sie es sogar, wollen es aber nicht zugeben und überlassen die Entscheidung nur deshalb den Bürgern. Aus taktischen Gründen. Oder weil sie Schwarze-Peter-Spiele lustig finden. Oder aus der Sorge heraus, ein frühzeitiges Funktionärs-„Nein“ zu Olympia 2024 hätte dem Ansehen des deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach geschadet.

Sollte es anders sein und der DOSB auch nur die leiseste Hoffnung haben, dass das IOC Deutschland im Juni 2017 den Zuschlag erteilen könnte, muss er es deutlich sagen. Die gesamte deutsche Sportszene ist von nun an in der Pflicht, für ihr Projekt zu werben. Für die olympische Idee, für sinnvolle Investitionen in Sportstätten und Wohnungen, für eine zwar teure, aber noch immer faszinierende, weltumspannende Sportparty. Es wäre jedenfalls zu bequem, es der Politik zu überlassen, die Bürger zu überzeugen. Und vermutlich zum Scheitern verurteilt.

Und noch etwas muss geschehen. Die Bewerbungskonzepte von Berlin und Hamburg liegen seit Ende August vor. Beide Städte haben klar gemacht, wie sie sich die Austragung der Spiele vorstellen. Dass der Verband seine Auswahl der Bewerberstadt nun um drei Monate vertagt hat, ist allein taktisch begründet. Die Führung ist unentschieden, die einen sind eher für Berlin, die anderen für Hamburg.

Der DOSB hat Transparenz versprochen. Die Öffentlichkeit weiter darüber rätseln zu lassen, für welche Stadt das Sportlerherz schlägt, wäre das schlichte Gegenteil. Die Berliner und die Hamburger haben einen Anspruch zu erfahren, was da diskutiert wird. Was sind die Kriterien, nach denen die Funktionäre entscheiden werden? Welche Argumente haben sie? Diese nur hinter verschlossenen Türen auszutauschen wie bisher, wird die große Skepsis in beiden Städten jedenfalls nicht verringern können. Im Gegenteil. Je länger alle zögern, in einen nachvollziehbaren Wettkampf einzutreten, desto mehr Bürger werden sich entnervt oder gelangweilt abwenden. Die Sport-Verantwortlichen sollten sich positionieren. Ab sofort und öffentlich.

Die Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes hat es am Dienstag vorgemacht. Auf die Frage, für wen sie sei, sagte Christa Thiel: Unstreitig für Berlin. Das Konzept sei nachhaltiger, das Investitionsvolumen geringer und in Berlin seien deutlich mehr Sportstätten olympiatauglich als in Hamburg. Ihr Verband sei außerdem immer gut unterstützt worden von Berlin, zuletzt bei der Schwimm-Europameisterschaft.

Als überzeugte Hauptstädter stimmen wir dem natürlich zu. Olympia 2024 in Berlin wäre toll. Als gute Sportler würden wir aber natürlich gratulieren, wenn am 21. März Hamburg gewinnt.