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Kommentar zu Olympischen Spielen in Berlin: Warum der Aufwand für Olympia in Berlin kleingeredet wird

Die Verantwortlichen wollen den Aufwand für Olympia lieber kleiner machen als er womöglich sein würde. Bis zu den Spielen läge aber tatsächlich viel Arbeit vor Berlin, findet unser Autor.

Die Verantwortlichen wollen den Aufwand für Olympia lieber kleiner machen als er womöglich sein würde. Bis zu den Spielen läge aber tatsächlich viel Arbeit vor Berlin, findet unser Autor.

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imago/Christian Ditsch

Ein seltsamer Widerspruch umgibt die Bemühungen, die Olympischen Spiele 2024 nach Berlin zu holen. Eigentlich ist dieses Weltfest des Sports ja ein rauschendes Ereignis. Eigentlich müsste es darum für Berlin angenehme Pflicht und Ehre zugleich sein, im Namen des ganzen Landes die Welt willkommen zu heißen – immerhin ist Berlin ja seine Hauptstadt. Eigentlich müsste der olympische Gedanke auch diese frühe Phase der Bewerbung prägen – und der olympische Gedanke kennt nun einmal kein Maß, er kennt nur das Streben nach dem Besten, was sich irgendwie erreichen lässt.

Aber darum geht es nicht, wenn Berlin über Olympia redet. Stattdessen bestimmt ein einziges Wort die Debatte um die mögliche Bewerbung, und es könnte nicht unolympischer sein: Bescheidenheit. Die Hauptstadt, so scheint es, wird von den Spielen gar nichts merken. Sie werden nichts kosten, oder jedenfalls fast nichts. Zwei Milliarden Euro lautet die bislang offiziell verbreitete Summe, längst nicht alles wäre aus der Landeskasse zu zahlen.

Große Bauprojekte soll es nicht geben, vom Olympischen Dorf abgesehen. Es ist ja alles da, so scheint es, nur hier und da muss eine neue Tribüne errichtet werden, oder eine – ganz bescheidene – Halle, die hinterher natürlich für den Schulsport genutzt wird. Weil es keine Bauprojekte gibt, werden auch die Mieten nicht steigen. Und von den Zehntausenden Besuchern wird Berlin sowieso nichts merken, denn während der Olympischen Spiele bleiben ja die anderen Besucher aus. Olympia 2024 in Berlin, das sollen offenbar die Sommerspiele werden, von denen hinterher niemand mehr sagen kann, ob sie überhaupt stattgefunden haben.

Personalmangel in Bezirken bremst Projekte

Drei Gründe gibt es für die rhetorische Abrüstung der Olympia-Befürworter. Sie wissen genau, dass sich in Berlin wegen des missglückten Flughafenbaus mit Großprojekten keine Begeisterung entfachen lässt – und versuchen darum, das Großprojekt Olympia so klein erscheinen zu lassen wie nur möglich. Sie wissen auch, dass eine der am schlechtesten beleumundeten Institutionen der Welt über die Vergabe und über zahlreiche Details der Ausrichtung entscheidet: das Internationale Olympische Komitee. Und schließlich weisen sie völlig zu Recht darauf hin, dass Berlin bereits über eine hervorragende Infrastruktur für den Sport verfügt. Anders als in vielen anderen Ausrichterstädten der letzten Jahre sollen die Spiele für Berlin keinen Entwicklungsschub bedeuten. Und weil in der Stadt ja derzeit alles so gut läuft, die Einwohnerzahl wächst, die Verschuldung sinkt, scheint sie gerade ohnehin genügend Schub zu haben.

Aber stimmt das wirklich? Schauen wir mal in die Meldungen der letzten Wochen. Mehrere Bezirke lassen Sondermittel für die Renovierung von Schulen verfallen, weil ihren Bauämtern die personellen Kapazitäten fehlen, die jeweiligen Projekte zu betreuen. Straßenbauunternehmen stehen am Rand zur Pleite, weil sie zwar Aufträge vom Land erhalten haben, die Arbeiten aber nicht beginnen können. Grund: Die zuständige Behörde kommt wegen Personalmangels nicht mit der Genehmigung der Baustellen hinterher. Flüchtlingskinder dürfen nicht in die Schule gehen – der zuständige Amtsarzt ist überlastet und findet keine Zeit für die notwendige Untersuchung.

Herausforderung ist die Modernisierung der Verwaltung

Dieser Verwaltung, die alltägliche Aufgaben nicht mehr bewältigen kann, will der Senat auch noch einen großen Teil der Olympia-Organisation überhelfen. Man kann das fahrlässig und realitätsfremd finden. Man kann darin aber auch eine Chance entdecken.

Sollte Berlin den Zuschlag für Olympia 2024 erhalten, dann liegt hier die wahre Herausforderung: Berlin muss eine schlagkräftige Verwaltung bekommen, der man die Verantwortung, die mit Olympia einhergeht, auch tatsächlich anvertrauen kann. Mit Geld allein ist das nicht getan. Schließlich steht den Behörden eine riesige Pensionierungswelle bevor. Fast 30.000 der rund 100.000 Mitarbeiter in Diensten des Landes und der Bezirke gehen in den nächsten fünf Jahren in Rente. Es wird nicht nur schwer, sie in Anbetracht der zunehmenden Konkurrenz um Fachkräfte überhaupt zu ersetzen. Den Behörden droht auch ein gewaltiger Verlust an Wissen.

Nimmt der Senat die Herausforderung an, gelingt es ihm, den öffentlichen Dienst zu modernisieren und wieder handlungsfähig zu machen, dann käme Olympia 2024 – wenn Berlin denn tatsächlich den Zuschlag erhält – tatsächlich der ganzen Stadt zugute. Versucht die Hauptstadt dagegen, das Projekt mit einer überforderten und überarbeiteten Verwaltung zu stemmen, wäre das nicht nur fahrlässig. Es wäre auch falsche Bescheidenheit.



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