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Kommentar zu Plänen in Kreuzberg: Begegnungszone nimmt der Bergmannstraße Vitalität und Charme

Die Bergmannstraße ist eine der beliebtesten Einkaufs- und Ausgehstraßen Kreuzbergs - noch.

Die Bergmannstraße ist eine der beliebtesten Einkaufs- und Ausgehstraßen Kreuzbergs - noch.

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BLZ/Markus Wächter

Wer unter der Woche in der Bergmannstraße in Kreuzberg unterwegs ist, braucht gute Nerven. Autos parken in zweiter Reihe, Radfahrer rasen über rote Ampeln, Fußgänger rempeln aneinander an, es ist voll und anstrengend. Stadt und Bezirk wollen die Straße beruhigen und in eine sogenannte Begegnungszone umwandeln. Weniger Verkehr, weniger Lärm, mehr Platz für Fußgänger versprechen die Stadtplaner. Klingt gut, doch funktioniert es auch? Oder ist es eine stadtplanerische, überdimensionierte Kopfgeburt?

Die Erfahrungen aus der Schöneberger Maaßenstraße, wo bereits eine Begegnungszone für 700.000 Euro eingerichtet wurde, wirken eher abschreckend, Wirte und Händler klagen über Umsatzeinbußen. Nun haben auch die Gastronomen und Ladenbesitzer in der Bergmannstraße Angst, dass ihnen dasselbe widerfährt. Und es gibt noch ein anderes Problem: Wenn die Bergmannstraße für Autoverkehr stark eingeschränkt wird, wird der Verkehr nicht verschwinden, sondern sich Ausweichstraßen suchen. War es bisher nur auf der Bergmannstraße voll, dürfte es künftig auch in den idyllischen Wohnstraßen drumherum unruhiger werden.

Etwas mehr Gelassenheit

Man würde sich von den offenbar sozialpädagogisch veranlagten Stadtplanern in der Senatsverwaltung etwas mehr Gelassenheit wünschen. Kreuzberg ist nicht Karow, und ein bisschen Lärm und Chaos darf man dem Großstädter schon zumuten. Eine Begegnungszone würde der Bergmannstraße ihre Vitalität und ihren Charme nehmen.

Die Probleme, die es unbestritten gibt, hätte man vielleicht auch kostengünstiger und eine Nummer kleiner lösen können. Wenn Autofahrer sich nicht an das Tempo 30 halten, könnte man mehr Geschwindigkeitskontrollen durchführen. Wenn der Radverkehr zunimmt, könnte man eine eigene Radspur und mehr Parkplätze für Räder schaffen.



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