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Kommentar zum 25. Todestag von Amadeu Antonio: Eberswalde zeigt, wie man mit Rassismus umgehen kann

Der Sohn von Amadeu Antonio neben der Gedenktafel für seinen Vater.

Der Sohn von Amadeu Antonio neben der Gedenktafel für seinen Vater.

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dpa

Am Nikolaustag vor 25 Jahren starb in einer ostdeutschen Provinzstadt ein junger Angolaner an den Folgen furchtbarer Misshandlungen durch Schläge und Tritte. Eine Horde Nazis hatte ihn durch die Dunkelheit gejagt und war dann über ihn hergefallen. Danach lag er tagelang im Koma. Er wachte nie wieder auf. Sein Name war Amadeu Antonio. Auf seine Hilfeschreie reagierte niemand, nicht einmal die Polizei, die dem Mob zusah.

Der Name dieser Stadt wurde zum Synonym für den braunen Osten: Eberswalde. Und Amadeu Antonio war das erste bekannte Todesopfer des Naziterrors nach der Vereinigung. Seither sind fast 200 Menschen rassistischer und rechtsextremer Gewalt zum Opfer gefallen.

Bürger setzen sich bis heute mit Amadeus Tod auseinander

In einigen Regionen dominiert der Hass das Klima in den Kommunen. Brandsätze gegen Flüchtlingsheime, Angriffe auf der Straße und eine scheinbar ohnmächtige Polizei gibt es noch immer. Heißt das aber, es hätte sich seit Amadeus Tod nichts verändert?

Doch. Eberswalde hat sich verändert. Zum Guten. Vor der Gedenktafel, die an jener Stelle an ihn erinnert, wo er einst bis zur Unkenntlichkeit geschlagen wurde, versammelten sich auch dieses Jahr viele Menschen aus Eberswalde und dem ganzen Land. Reden, Kränze und Kerzen können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Amadeu Antonios Tod sinnlos war. So wie der aller anderen Naziopfer auch. Das wird auch so bleiben.

Eberswalde, das mit dieser Tat bekanntwurde, hat lange gebraucht, die richtigen Folgen daraus zu ziehen. Doch sie hat es getan. Schritt für Schritt. In Schulen, Polizeiwachen, Jugendprojekten, Kindergärten, Elterngruppen, an der Hochschule, im Rathaus, bei den Stadtfesten – überall setzen sich die Bürger bis heute mit Amadeus Tod auseinander, direkt oder indirekt, in Projekten und Diskussionen. Oder eben mit einer Kerze in der Hand vor der Gedenktafel.

Stadtgemeinschaft lehnt Rassismus ab

Die Bürger von Eberswalde, vor allem die Engagierten in Stadtverwaltung und Vereinen, haben sich darauf eingelassen, jenes Verbrechen, das aus ihrer Mitte heraus geschehen war, nicht zu verleugnen, nicht zu verdrängen und nicht zu relativieren. Die Stadtgesellschaft mitsamt allen, die etwas zu sagen haben, lehnen inzwischen Rassismus ab und denken nicht daran, Rechtsextremismus zu verharmlosen. Das klingt selbstverständlich? Das ist es aber nicht. Und es kam auch nicht von allein. Der Weg dahin war mühsam.

Eberswalde zeigt, dass es gehen kann und beschämt zugleich all jene Gemeinden, die darauf bestehen, dass das, was schlecht ist, auch schlecht bleiben muss. Es gehört zum Zeitgeist einer sich verändernden Welt, sich selbst nicht ändern zu wollen. Menschen, die statt Nägel mit Köpfen zu machen, lieber die Köpfe voller Nägel haben, glauben fest an den Rückschritt, ja sie beten den Pessimismus an.

Auf Fortschritt und Optimismus als Wort oder Tat reagieren sie wie Vampire auf Kreuze und Knoblauch. Denn wenn sich etwas verändert, dann ausschließlich zum Schlechten, sagen sie. Alles andere sei sowieso nur Lüge. Was ist nur los mit diesen vernagelten Leuten, die so übrigens nicht nur von rechts argumentieren? Sie sollten unbedingt heute mal nach Eberswalde fahren!

Amadeu Antonio, Bruder, Freund und Nachbar, auf dem Eberswalder Weihnachtsmarkt würde Dir heute niemand mehr etwas tun. Versprochen.


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