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Kommentar zum Medienumgang mit AfD & Co: Tipps zum Umgang mit schwierigen Parteien im Fernsehen

Manchmal, wenn AfD-Anführer in Talkshows sind, frage ich mich: Warum setzen die sich da überhaupt hin? Ausschimpfen lassen kann man sich doch auch von Mutti. Und Mutti hat einen wenigstens trotzdem lieb.

Dazu gab es mal ein Experiment: Die Teilnehmer sollten sich ein Basketballspiel ansehen. Moskau gegen Tel Aviv. Den einen wurde vorher erzählt, die Russen wären stinkreich und hätten deshalb die besseren Spieler. Den anderen verkaufte man die Israelis als Krösusse und Moskau als Underdog. Hinterher bescheinigten die weitaus meisten Probanden den vermeintlichen Favoriten zwar größere Fähigkeiten. Den angeblich Schwächeren aber sprachen sie Herz, Charakter und Engagement zu. „Gerissene politische Führer“, sagen Psychologen, „könnten versuchen, mehr Unterstützung zu bekommen, indem sie ihre Seite als benachteiligten Außenseiter darstellen.“

Wenn hundert Rotkäppchen den Wolf überfallen, barmen also die Menschen: Uuuuh, der arme Isegrimm! Warum stoppt denn niemand die bezopften Bestien? Wenn der 1. FC Union unter seiner Alten Försterei Diamanten findet und sich dafür Messi, Ronaldo und Kevin Großkreutz kauft, dann ist es nicht mehr Eisern Union, sondern Bayern Berlin. Wenn Verlierer gewinnen, dann Sympathien.

Es sind ständig AfD-Leute in Talkshows. Das Fernsehen will diese Partei, wie es heißt, stellen. Ich begrüße das. Allerdings wäre es durchaus zu erwägen, nicht nur die in einer bestimmten Frage einzig bundesweit relevante Opposition stellen zu wollen, sondern auch die nicht minder umstrittene Regierung. Nur mal als Idee.

Logisch, der Watschenmensch geht ins Fernsehen, weil er gestellt werden will, und zwar ins Schaufenster. Hallo, ihr könnt mich wählen! Aber vielleicht ist da noch etwas. Vielleicht sagt er sich auch: In dieser Konstellation kannst du gar nicht verlieren. Wenn du der arme Wolf gegen hundert Rotkäppchen bist, dann machst du Punkte. Nicht bei allen, aber tendenziell. Außer, du fängst an zu schreien, zu schlagen oder mit benutzten Kondomen zu werfen. Erzähl’ irgendwas. Du musst dich ja nicht stellen lassen. Mach’ Blubberblasen. Du bist der Underdog. Hauptsache, du behältst die Fassung oder verlierst sie zumindest etwas weniger als dein Gegner Ralf Stegner.

Dem Fernsehen wird unterstellt, die Deutschalternativen zu mobben. Das Gegenteil ist der Fall. Ich habe den Verdacht, dass ins Massenmedium längst gerissene Partei-Agenten eingesickert sind, um ihre Seite als benachteiligten Außenseiter darzustellen. Aber wie kriegt man die Opfer aus ihrer Rolle? Absolut unvorstellbar erscheint mir, es zur Abwechslung mal nicht mit Gezeter und Tribunalismus, sondern mit einer kultivierten Kontroverse zu probieren. Völlig unmöglich. Das wäre wirklichkeitsfremd und übergeschnappt.

Nein, mir schwebt da schon eher vor, dass ein paar fies schäumende AfD-Funktionäre eine Stunde lang den armen SPD-Vize Stegner ins Kreuzverhör nehmen. Sie sollen ihn bei seinen Antwortversuchen frischauf unterbrechen und nachgerade zu Boden tottern. Frau Maischberger macht munter mit. Bis er weint. Noch gilt der Mann vielen, selbst manchen Genossen, als – pardon, nicht mein Wort – Kotzbrocken. Das, ich möchte nicht zu viel versprechen, könnte sich dann ändern.