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Berliner Zeitung | Kommentar zum Spielhallenverbot: Kein Glück mehr fürs Glücksspiel
10. February 2016
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Kommentar zum Spielhallenverbot: Kein Glück mehr fürs Glücksspiel

Archiv: Spielautomaten in einer Spielothek.

Archiv: Spielautomaten in einer Spielothek.

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dpa

Das Land Berlin hat getan, was es konnte. Die Spielhallenbranche – deren halbseidene Ästhetik nicht nur in der Hauptstadt manche Straßenzüge dominiert und offenbar genug abwirft, um steigenden Gewerbemieten zu trotzen – muss sich künftig einiges gefallen lassen. Wenn die Pläne der rot-schwarzen Koalitionsfraktionen im Abgeordnetenhaus durchkommen, schließen im Sommer womöglich sieben von zehn Spielhallen, weil sie nicht mehr in direkter Nachbarschaft liegen dürfen und auch Abstand von Schulen zu halten haben. Hinzu kommt eine Reihe weiterer Regelverschärfungen, vom Werbeverbot bis zur Verzehnfachung der bisherigen Bußgelder. Das wird die Zahl der Betriebe auf den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten bringen.

50.000 Spielsüchtige

Aber das Land kann nicht alles tun, was zu tun wäre. Denn wem ist geholfen, wenn zwar die Spielhallen weniger werden, die Spielsüchtigen aber nicht? Schätzungen zufolge gibt es allein in Berlin rund 50.000 Menschen mit problematischem Glücksspielverhalten, davon gut die Hälfte mit regelrechter Sucht – sehr oft übrigens junge Männern aus Migrantenmilieus, wie die Forschung zeigt. Sie werden sich weder von weniger legalen Spielhallen noch von den nach wie vor eher zaghaften Präventionsbemühungen des Landes beeindrucken lassen. Sondern sie werden nach anderen Möglichkeiten für ihre Sucht suchen.

Es ist kein Zufall, dass Online-Glücksspiele wie Poker boomen, die zu Hause am Computer, also völlig unkontrolliert stattfinden. Dass dort, wo Spielhallen geschlossen werden, nicht selten Sportwettbüros einziehen, die genau dieselbe Geschäftsidee verfolgen, aber nicht den gleichen Beschränkungen unterliegen. Dass manche Imbissbude oder ein sogenanntes Cafécasino nicht viel mehr ist als ein Geldspielautomat mit Catering. Und dass die Polizei regelmäßig illegale Zockereien in Hinterzimmern auffliegen lässt.

All diese Angebote reagieren auf eine Nachfrage: Sehr viele Menschen, meist Männer, suchen einen Kick im Glücksspiel um Geld. Auch der Staat selbst mischt hier mit, wenn er etwa Spielbanken betreibt und Vergnügungssteuern kassiert. Es wäre richtig, wenn nicht nur wie bisher ein Bruchteil dieser Einnahmen in die Vorbeugung, Aufklärung und Therapie von Spielsucht flösse.