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Korruption im Journalismus: Darf’s ein bisschen weniger sein

Korruption im Journalismus ist immer ein Thema

Korruption im Journalismus ist immer ein Thema

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Berliner Zeitung

Spanien: Schwarze Kassen – der spanische Premier Mariano Rajoy soll illegale Parteispenden angenommen haben. Seine konservative Volkspartei steckt mit im Korruptionssumpf.

China: Bakschisch-Wirtschaft – der neue Parteichef Xi Jinping will gegen die Schmiergeld-Praxis bei den „Fliegen“ und „Tigern“ vorgehen, den kleinen und großen Funktionären in der Volksrepublik.

Vatikan: Geldwäsche – Monsignore Nunzio Scarano wird inhaftiert. Er wollte 20 Millionen Euro Bargeld aus der Schweiz nach Italien transportieren lassen.

Formel 1: Bestechung – Rennmilliardär Bernie Ecclestone soll 44 Millionen Dollar an einen Vorstand der Bayern LB gezahlt haben und steht nun vor Gericht.

Korruption der Spitzenklasse. Meldungen aus wenigen Wochen. Ob Politik, Sport, Beamtenschaft oder Klerus – der Pilz der persönlichen Bereicherung wuchert allerorten. Und weltweit wächst das Misstrauen gegenüber den Institutionen.

Als Transparency International, die globale Antikorruptions-Organisation, kürzlich ihren Jahresbericht vorstellte, kam für Deutschland etwas Übles heraus. Wirtschaft und Politik müssen schon lange mit dem Makel leben, ihre Macht zu missbrauchen. Jetzt sind auch Journalisten dran. Inzwischen hält die Bevölkerung diese Berufsgruppe für ähnlich korrupt wie Politiker. Beide Branchen sind besonders verdächtig, sich hinterrücks Vorteile zu verschaffen. Die Kontrolleure sitzen mit den Kontrollierten in einem Boot und zeigen allen anderen eine schmierige Nase – so die öffentliche Wahrnehmung.

Alles nur gefühlt? Wohl deshalb legte Transparency zusammen mit der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche an diesem Punkt nach. „Gefallen an Gefälligkeiten“ ist der Name der Studie, die Bestechlichkeit im Journalismus aufzeigt und brandmarkt. Einladungen, Reisen, Geschenke, Rabatte – der gemeine Medienvertreter ist da nicht wählerisch.

Hast du es dir nicht verdient? Arbeitest du nicht hart im Interesse der Öffentlichkeit? Nimm doch mit, was du kriegen kannst! Das billigere Auto, die Einladung zum Ball, die Luxusreise nach Afrika, das Abendessen samt Puffbesuch. Schau’n wir doch mal, was die Unternehmen für gefällige Berichterstattung noch alles ausspucken. Es muss ja nicht immer die große Nummer sein. Der kleine Preisvorteil oder -nachlass tut’s auch, um uns gewogen zu machen.

Wie hundsgotterbärmlich. Seit vielen Jahren wird über korrupten Journalismus debattiert. Dass es der Demokratie gefährlich werden kann, wenn unabhängige Berichterstattung zur Lachnummer verkommt. Dass es der Tod im Topf ist, wenn sich Journalismus mit PR vermählt. Und was hat sich geändert? An den laxen Richtlinien der Medienunternehmen, an der Mitnahme-Chuzpe der Branche?

Berufsethos – da war doch mal was? Oder sind Journalisten hier ähnlich unterkomplex ausgestattet wie ein gewisser Ecclestone? Anders gefragt: Wie blöd können wir Medienleute eigentlich sein, dass wir unser Berufskapital in die Tonne treten?
Vielleicht ist Unbestechlichkeit ja zu viel verlangt. Da müssten wir in einer korruptionsanfälligen Welt glatt die Helden spielen. Der Einfachheit halber reicht wahrscheinlich schon ein gesunder Überlebenswillen.



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