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Künstler veranstaltet geheimnisvolle Wanderungen durch die Hinterhöfe: Auf der Suche nach den Elfen Berlins

SCHÖNEBERG Elfen gibt es überall auf der Welt, auch in Berlin. Das sagen drei Elfenkundige, die eine Schöneberger Elfenkarte erstellt haben und auf Wanderungen ihr Wissen preisgeben."Wachsender Mond, der unser langes Warten belohnt. Unterm Efeu erwarten wir dein Leuchten." Die Elfen, die hier im Efeu der Friedhofsmauer des Matthäus-Kirchhofes an der Monumentenstraße hausen, haben Ogar Grafe dieses Lied zugeflüstert - sagt er. Jetzt gibt er es seiner zwanzigköpfigen Zuschauerschar zum besten. Eine Zeitlang vergißt man die Kälte und die steifgewordenen Finger an diesem Sonnabend. Es ist ein sehr schönes Lied.Der Künstler hat zusammen mit dem "Elfenspezialisten" Wolfgang Müller und dem Skandinavistikstudenten Matthias Mergl an diesem Wochenende zum ersten Mal zur "Elfenwanderung" eingeladen. Die eigens dafür angefertigte "Elfenkarte" vermerkt ganz fachmännisch: "Wallinen - treten häufig an alten Burgwällen und efeubewachsenen Friedhofsmauern in Erscheinung. Machen sich gelegentlich durch leises Zischen den Elfenkundigen bemerkbar. Gehören zur Gattung der Säuselelfen."Zuvor führte die Tour bereits an Nektarzungenelfen vorbei. Die weißen und hellgrünen Wesen wohnen angeblich auch am Bahndamm an der Langenscheidtbrücke. Sie seien "etwas gefährlich", sagt Ogar Grafe. Wegen dem "Elfenring". Wer hineintrete, erliege dem Elfenwahn. Erhebliche Verwirrung und Ohnmacht könnten die Folge sein. Doch auch die Duftelfen, die angeblich den zweiten Hinterhof der Monumentenstraße 37 bevölkern, machen sich heute rar. Vom "Tanzwahn" werde derjenige befallen, der zu lange ihrem Duft ausgesetzt sei. "Mein erstes Erlebnis mit einer Elfe hatte ich in meiner Kindheit in Spandau", erzählt Elfenkenner Grafe, während jemand mißtrauisch aus dem Fenster lugt, als er sich schnell um seine Achse drehend die Auswirkungen des Tanzwahns demonstriert. In der kleinen Einzimmerwohnung von Matthias Mergl, der gleich um die Ecke wohnt, gibt es Kaffee und selbstgebackenen Kuchen. Hier zeigen die "Elfenführer" Dias. Auf den Bildern ist die karge, hügelige, nahezu baumlose isländische Landschaft zu sehen. Heiße Quellen, Gletscher, fast keine Menschen. Seine ersten Elfen habe er hier gesehen, zwischen Orchideen, sagt Müller. Die Elfenbeauftragte der Stadt Reykjavik habe beispielsweise erreicht, daß wegen einer von ihr ausgemachten Ansammlung von Elfen und Feen der Verlauf einer geplanten Straße verändert wird. Ihre Elfenkarten waren das Vorbild für die Schöneberger Elfenkarte. Von der Islandreise hat sich Matthias Mergl ein Stück Lavagestein mitgebracht. Daß in dem "Rabenstein" eine Elfe wohnt, hat der Student erst nach seiner Rückkehr bemerkt: "Und da sieht er ein Köpfchen mit langen, bleichen Haaren, als ob es aus dem Stein schauen würde." Matthias Mergl hat seit dem Erlebnis viel gesungen. Denn Elfen sprechen nicht. Sie singen. Die Elfe hat jetzt keine Angst mehr, und Mergl hat sein Isländisch verbessert. Wie praktisch.Die Zeit drängt, denn um 16 Uhr wird der Matthäus-Kirchhof geschlossen. Schließlich möchte man den Zwergen, die am Grab der Gebrüder Grimm leben, einen Besuch abstatten. Die Zwerge "lachen manchmal komisch und sind selten zu beobachten", sagt Ogar Grafe. Wie die Elfen lassen sich auch die Zwerge heute nicht sehen. Aber das ist mittlerweile allen egal. Es war ein schöner Nachmittag. +++


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