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„Gregs Tagebuch 3 – Ich war's nicht“: Abenteuer im Country-Club

Sie sind nicht mehr niedlich und noch nicht charmant.

Sie sind nicht mehr niedlich und noch nicht charmant.

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dpa

Auch die wagemutigsten Graffiti-Sprayer haben mit kleinen Kritzeleien an den Rändern ihrer Schulbücher angefangen. Aus diesem Stil schöpft Jeff Kinneys Buchreihe „Greg’s Tagebuch“ ihren besonderen Stil. Das Beste an diesen Büchern ist, dass selbst Grundschüler sie freiwillig lesen. Wozu also noch ins Kino gehen, um die Verfilmungen zu sehen?

Der von Thor Freudenthal inszenierte erste Teil zeigte, warum: Er kam dem Geist seiner Vorlage nahe, weil es schon immer eine durchlässige Grenze gab zwischen dem Underground-Comicstil eines Robert Crumb und dem Independent-Kino. Man musste nur mal auf jenes Buch schauen, das Angie – in die sich Greg verliebt hatte – da las: „Howl“ von Allen Ginsberg. Für eine Zwölfjährige eine interessante Wahl. Dagegen schaffte es schon der zweite Teil (Regie: David Bowers) kaum noch, die amüsanten Geschichten zu einer Einheit zu verweben.

In Bowers’ drittem Teil findet der sehr spezielle, rohe Charme der Vorlage kaum noch eine Entsprechung. Er wirkt herausgeputzt. Spielort ist ein vornehmer Country-Club, in den sich Greg mit Hilfe seines Freundes Rowley schmuggelt, um seiner aktuellen Angebeteten Holly möglichst nahe zu sein. Seinem stolzen Vater macht er weis, er hätte dort einen Job bekommen. Aber wie liebende Väter nun mal sind, ist dieser hier nicht allzu sauer, als die Sache auffliegt. Schließlich ist ein Kind, das mit subversiver Energie zum Ziel kommt, immer noch besser als ein allzu angepasstes.

Zu Beginn der Buchserie war Greg im schwierigsten Alter des Lebens: Er wollte Klassenliebling werden und machte dabei alles falsch. Es war jene Phase, in der man die Grundschule hinter sich hat, aber die Ausrede „Pubertät“ noch nicht für sich in Anspruch nehmen kann. Die Anforderungen werden härter, die Niedlichkeit schwindet dahin. Im Falle von Greg hieß das: rotzfrech und wenig drum herum. Nun ist der Greg-Darsteller Zachary Gordon im Stimmbruch und reif für die herrlichsten Blamagen beim Buhlen um Anerkennung, das in der Pubertät erst richtig losgeht. Doch irgendwas hindert die Filmemacher, ihrem Helden jene identifikationsstiftenden Niederlagen zu gönnen, die ihn bei seinen Lesern so beliebt gemacht haben. Plötzlich liebäugelt die Filmserie mit glattem Einerlei. Der anarchische Geist muss leider draußen bleiben.

Gregs Tagebuch – Ich war’s nicht USA 2012. Regie: David Bowers; 94 Minuten, Farbe. FSK o. A.