Neuer Inhalt
Berliner Zeitung | Heavy-Metal-Legende: Motörhead-Frontmann Lemmy Kilmister ist tot
29. December 2015
http://www.berliner-zeitung.de/23346222
©

Heavy-Metal-Legende: Motörhead-Frontmann Lemmy Kilmister ist tot

In der Woche seines Todes feierte Lemmy Kilmister noch seinen 70. Geburtstag.

In der Woche seines Todes feierte Lemmy Kilmister noch seinen 70. Geburtstag.

Foto:

AP

London -

Kurz nach einer Krebs-Diagnose ist der Frontmann der britischen Heavy-Metal-Band Motörhead, Lemmy Kilmister, im Alter von 70 Jahren gestorben. Es sei ein „kurzer Kampf mit einem äußerst aggressiven Krebs“ gewesen, teilte die Gruppe in der Nacht auf Dienstag auf ihrer Facebook-Seite mit. Der Musiker erfuhr demnach am 26. Dezember von der Erkrankung - zwei Tage nach seinem 70. Geburtstag.

Der Sänger und Bassist, der mit richtigem Namen Ian Fraser Kilmister hieß, galt im Rock'n'Roll-Zirkus als Legende. Er war unter anderem für seinen exzessiven Alkoholkonsum bekannt. Kilmister erfreute sich jedoch im Vergleich zu vielen Rockmusikerkollegen lange einer guten Gesundheit, was er auf seinen Verzicht auf Heroin zurückführte. In den vergangenen Jahren verschlechterte sich sein Zustand etwas, doch die Band ging weiter auf Tournee. Anfang 2014 sagte Motörhead allerdings wegen gesundheitlicher Beschwerden Kilmisters im Zusammenhang mit einer Diabetes-Erkrankung eine Europa-Tournee ab. Im November wirkte Kilmister bei der Verleihung der Classic Rock Awards in London angeschlagen und benötigte Hilfe beim Treppensteigen.

„Wir können nicht beginnen, unseren Schock und unsere Traurigkeit auszudrücken, es gibt keine Worte“, schrieb die Band auf Facebook. Sie kündigte an, sich in den kommenden Tagen ausführlicher äußern zu wollen. „Aber für den Moment: Spielt Motörhead laut, spielt Hawkwind laut, spielt Lemmys Musik laut. Habt einen Drink oder mehrere.“ „Er wusste von seiner Krankheit seit dem 26. Dezember und er war mit seiner Familie zu Hause, saß vor seinem Lieblings-Videospiel“, erklärte die Band weiter.

Erst im November war der frühere Motörhead-Schlagzeuger Phil Taylor im Alter von 61 Jahren gestorben. Er hatte von 1975 bis 1982 und von 1987 bis 1992 zusammen mit Kilmister in der Band gespielt.

Ozzy Osbourne und Kiss huldigen dem „Krieger“

Kilmister war 24. Dezember 1945 im englischen Stoke-on-Trent geboren worden. Als Roadie begleitete er den US-Rockgitarristen Jimi Hendrix auf Konzerten. Nachdem Kilmister aus der Band Hawkwind geworfen wurde, gründete er Motörhead. Mit der Gruppe feierte er in diesem Jahr 40-jähriges Jubiläum, sie veröffentlichte mehr als 20 Platten. Zu den bekanntesten Alben zählen „Ace of Spades“ (1980) und „No Sleep 'til Hammersmith“ (1981).

There is no easy way to say this…our mighty, noble friend Lemmy passed away today after a short battle with an extremely...

Posted by Official Motörhead on Montag, 28. Dezember 2015

Freunde, Wegbegleiter und Kollegen nahmen in sozialen Netzwerken Abschied. „Habe einen meiner besten Freunde verloren“, schrieb Black-Sabbath-Sänger Ozzy Osbourne bei Twitter. „Er war ein Krieger und eine Legende. Ich werde Dich auf der anderen Seite sehen.“ Der Mitbegründer der Rockband Kiss, Gene Simmons, schrieb bei dem Kurznachrichtendienst: „Lemmy: Ruhe in Frieden, mein Freund.“ In Deutschland verabschiedete sich als einer der ersten Künstler Thees Uhlmann von Kilmister: „Nachbar: „hier Platte!“ ich: „motörhead-HAMMERSMITH?“ er: „ja!“ danach war alles für immer anders“, schrieb der Musiker bei Twitter.

Auf der Homepage der Band waren in der Nacht auf Dienstag noch zahlreiche Auftritte angekündigt. Am 23. Januar 2016 sollten Motörhead im englischen Newcastle spielen, Ende Februar in Chemnitz und Offenbach.

Die Band wollte im Januar eine Tournee durch Großbritannien und andere Länder in Europa starten. Der Heavy-Metal-Veteran lebte in Los Angeles in Kalifornien, wo er häufig beim Spielen an einem Glücksspielautomaten in einer Bar am Sunset Strip anzutreffen war. Unverkennbar war sein Äußeres mit dem charakteristischen Backen- und Schnauzbart, seinen Geschwulsten im Gesicht sowie seiner Kleidung aus schwarzem Hut, schwarzem Hemd und schwarzer Hose. Auf der Bühne stellte Kilmister sein Mikrofon ungewöhnlich hoch vor seinem Gesicht ein - eine langjährige Angewohnheit, die ihn nach eigenen Angaben in den Anfangszeiten der Band übersehen ließ, wie wenig Zuschauer im Saal waren. (dpa, afp)