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„Knight of Cups“ auf der Berlinale: Ein Star unter Sternen

Wo ist nur die Liebe: Christian Bale und Natalie Portman in „Knight of Cups“.

Wo ist nur die Liebe: Christian Bale und Natalie Portman in „Knight of Cups“.

Foto:

Dogwood Pictures/Melinda Sue Gordon

Filmvorführungen für Kritiker und andere Branchenarbeiter sind oft lustig; bekanntlich ist dieses eigenartige Volk immer zu Späßen aufgelegt. Und so kam es, dass vor dem ersten Berlinale-Screening von Terrence Malicks neuer Regiearbeit diverse heitere Vorschläge durch den Saal flogen. Etwa dieser: Wann immer in „Knight of Cups“ das Wort „Gott“ fällt oder ein Grashalm, eine Wolke, eine Meereswelle, ein Körperteil ins Bild rückt, machen wir alle eine La-Ola-Welle. Ein anderer Vorschlag lautete, bei diesen Gelegenheiten jeweils Bullshit-Bingo zu spielen.

Am Ende wurden aber alle Einfälle verworfen, nicht nur, weil etliche Kollegen lautstark Empörung geäußert hatten ob dieser Respektlosigkeit, sondern auch weil einfach zu viel zu tun gewesen wäre für die Respektlosen und damit zu viel Unruhe geherrscht hätte im Berlinale-Palast. Eine Filmvorführung ist schließlich kein Fußballspiel!

Diese kleine Begebenheit verdeutlicht allein schon, wie sehr die Werke des US-Regisseurs Terrence Malick das Publikum spalten. Der Mann dreht keine Filme im konventionellen Sinn; klar zugängliche Geschichten oder Figuren findet man hier nicht. Nein, die jüngeren Arbeiten von Malick sind vielmehr visuelle Essays mit komplexem theosophischen Ansatz; in ihnen werden größte Banalitäten und tiefste eschatologische Diskurse eng zusammengeführt, wobei gleichzeitig ein permanent hochgestimmter Erzählton herrscht. Das kann einem schon mal auf die Nerven gehen, keine Frage. Und dennoch: Kaum ein Filmemacher der Gegenwart verhandelt die Entfremdungserfahrungen, Sinnmüdigkeit und Kreatürlichkeit des Menschen so berückend und hypnotisch, wie Terrence Malick das tut.

Melancholie der Endlichkeitserkenntnis

Mit Realismus hat das nichts zu tun, erst recht nicht wenn Malick wie in „Knight of Cups“ in den Super-Scheinwelten von Los Angeles und Las Vegas unterwegs ist. Ein Star (Christian Bale) ist hier immer wieder Objekt wie Mittelpunkt visueller und gedanklicher Assoziationen, die ihn in seinem noblen Apartment, auf Glamour-Partys oder unterwegs auf den Straßen verorten. Irgendwie scheint es um langjährige Konflikte mit dem alten Vater und dem Bruder des Manns zu gehen, aber auch um dessen Liebesbeziehungen zu Frauen – tatsächlich aber geht es nur um eines: Wo fange ich als Mensch an? Wo ende ich? Wo bin ich dazwischen, als Individuum? Anders gefragt: Wie gestaltet sich meine Lebenserzählung?

Wie Malick diese Fragen angeht, wie er Fragmente von Bildern und Geschichten fusioniert und dabei weder das Pathos der Allexistenz scheut noch die Melancholie der Endlichkeitserkenntnis – das ist bezwingend. Auch wenn der Regisseur nun mit „Knight of Cups“ nach „Tree of Life“ und „To the Wonder“ eigentlich schon zum dritten Mal den gleichen Film dreht. Malick gibt dem Kino indes zurück, was ihm mitunter verloren geht in all seinem Engagement: die großen Bilder, die reine Schönheit des Augenblicks und der Ewigkeit.

Der Blick ruht auf den in ihrer Attraktivität durchgenormten Hollywood-Frauen, aber auch auf Kindern bei der Schwimmstunde, Obdachlosen auf der Straße und auf einem Hund, der unter Wasser seinen Ball mit dem Maul zu greifen sucht. Ja, es kommen auch auch Grashalme und Wolken ins Bild. Und einmal sitzt der Tod als Maske auf dem elektrischen Stuhl.

Knight of Cups: 9. 2.: 12 Uhr, Friedrichstadt-Palast; 11. 2.: 9.30 Uhr, Friedrichstadt-Palast; 13. 2.: 15 Uhr, Friedrichstadt-Palast; 15. 2. 13 Uhr, Friedrichstadt-Palast