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„Star Trek into Darkness“: Bis dann einer heult!

Auch die Männer sind gut frisiert und anständig angezogen: Spock (Zachary Quinto), John Harrison (Benedict Cumberbatch) und Kirk (Chris Pine. v. l.).

Auch die Männer sind gut frisiert und anständig angezogen: Spock (Zachary Quinto), John Harrison (Benedict Cumberbatch) und Kirk (Chris Pine. v. l.).

Foto:

Paramount

Falls es nach „Into Darkness“, dem am 9. Mai in die Kinos kommenden neuen „Star Trek“-Film von J.J. Abrams, eines Tages noch einmal eine weitere Fortsetzung der Raumschiff-Enterprise-Abenteuer mit Captain Kirk und Mr. Spock geben sollte, hätte ich eine bescheidene Bitte. Könnte man das Raumschiff nicht einfach einmal wieder in einen entlegenen Winkel des Weltalls fliegen lassen? Up, up and away? Nach ganz weit weg? Irgendwohin, wo man viele Lichtjahre von der Erde entfernt ist? In Galaxien, die kein Mensch zuvor gesehen hat?

Dort könnten die Raumfahrer und Raumfahrerinnen vielleicht auf bizarre extraterrestrische Lebensformen stoßen, die in wundersamen bunten oder meinetwegen auch kargen Planetenlandschaften leben und mit rätselhaften Verhaltensformen für Verwirrung sorgen. Das böte all den talentierten Set-Designern da draußen gute Gelegenheit für prächtig ausgepinselte Fantasiepanoramen mit glitzernden Asteroidengürteln am Firmament und noch niemals gesehenen Pflanzen, Tieren und Zwitterwesen auf der Oberfläche des Himmelskörpers. Und es gäbe den Drehbuchautoren den Anlass für Science-Fiction-Geschichten, in denen die menschlichen Pioniere in der Konfrontation mit dem ganz Anderen ihr eigenes Weltbild auf den Prüfstand zu stellen haben.

Gekocht im Saft des allzu Irdischen

Genau darum ging es ja einmal in der intelligenten SF-Literatur: Wie man in der Konfrontation mit dem Anderen das Andere in einem selbst entdeckt. Und darum ging es auch in den „Star Trek“-Fernsehfilmen von Gene Roddenberry aus den 1960er-Jahren und in den besten Geschichten, die seine Nachfolger in den „Next Generation“- und „Deep Space Nine“-Serien der 1980er- und 1990er-Jahre erschufen.

Bei „Star Trek into Darkness“– das darf man an dieser Stelle schon verraten, ohne den verbliebenen leidenschaftlichen Star-Trek-Anhängern zu viel vorwegzunehmen – ist davon nichts zu spüren. Es handelt sich, abgesehen von den Dekors und der gelegentlichen Fortbewegung mit Raumschiffhilfe, um keinen Science-Fiction-Film, sondern um einen Männerbeziehungs- und Selbstfindungsfilm. Es geht darum, warum Männer keine Gefühle zeigen können oder sich dann eben doch wieder im unpassendsten Moment von ihnen überwältigen lassen. Es geht um Freundschaft, Loyalität und Verrat unter militärisch ausgebildeten Typen. Sonst geht es um nichts. Oder anders gesagt: So öde im Saft des allzu Irdischen hat schon lange kein „Star Trek“-Film mehr gekocht wie dieser.

Spock verpetzt Kirk

Ganz kurz, in der Eröffnungssequenz, kann man noch hoffen, dass es anders kommt: Da befindet man sich ein paar Minuten auf einer fremden, ganz in rot ausgemalten, von sonderbaren Schlingpflanzen und lehmbedeckten Steinzeitmenschen besiedelten Welt. Selbige versucht die Enterprise-Crew vor einem alles zerstörenden Vulkanausbruch zu bewahren. Der kühle Spock will im Innern des Kraters die Lava zum Gefrieren bringen. Weil er damit nicht schnell genug fertig wird, schiebt der stets spontane Kirk den Start der Enterprise auf, bis die Mission erfüllt und Spock wieder wohlbehalten an Bord ist.

Doch bekommen die Steinzeitmenschen dabei das Schiff zu Gesicht, was das Gesetzbuch der Sternenflotte für den Kontakt mit solchen Völkern streng untersagt. Und was tut Spock? Er verpetzt Kirk daheim bei der Flottenführung, worauf diesem der Befehl über die Enterprise entzogen wird – eine sonderbare Dankesbezeugung von jemandem, dem gerade das Leben gerettet wurde. Klar, dass Kirk sauer ist. Aber Spock kann keine Dankbarkeit oder sonst welche Gefühle empfinden; als Angehörigem der vulkanischen Rasse liegt das nicht in seiner Natur.

Terroristenjagd auf Klingonen-Mond

Ja, du meine Güte, so ist das eben mit Spock. Dass er keine Gefühle empfindet – dieser Umstand wurde in den Star-Trek-Filmen seit 1966 hundert- und tausendfach thematisiert und führte im besseren Fall zu drolligen Dialogen zwischen Kirk und ihm. An einigen Stellen blitzt dieser Witz auch in „Into Darkness“ noch auf, aber es sind viel zu wenige. Hauptsächlich versucht J.J. Abrams hingegen, die Männerbeziehung zwischen Spock und Kirk nach dem eingangs geschilderten Verrat psychologisch-realistisch zu verkomplizieren und dabei derart auf die Probe zu stellen, dass einer von beiden am Ende weint! Und zwar derjenige, bei dem das für den Betrachter die größere Überraschung ist.

Damit es dazu kommen kann, muss erstmal ein Bösewicht einen Anschlag auf das irdische Hauptquartier der Sternenflotte verüben (9/11-Bezug!). Die Enterprise verfolgt den Terroristen bis in sein Versteck auf einem Mond der Klingonen, wo militärische Einsätze von Menschen natürlich galaxisvölkerrechtlich verboten sind.

Ein paar Frauen kommen auch vor

Aber bei terroristischer Gefahr im Verzug darf man sich über das Völkerrecht mal hinwegsetzen, oder? (Afghanistan- und Guantanamo-Bezug!) Der Terrorist entpuppt sich als empörend schlecht behandeltes und darum abtrünnig gewordenes Sternenflottenmitglied, was sein Verhalten moralisch verwerflich, aber männlich auch wieder verständlich erscheinen lässt … Und so weiter, und so fort.

Falls man sich für die Frage interessiert, ob ein Mann tun muss, was ein Mann tun muss oder das manchmal nicht lieber bleiben lassen sollte, ist dies eventuell eine interessante Geschichte. Ich persönlich habe mich zu Tode gelangweilt. Ach ja, ein paar Frauen kommen auch vor. Sie sind durchweg sehr gut frisiert, und eine von ihnen ist ein paar Sekunden in Unterwäsche zu sehen, was natürlich in keinem der Trailer zu diesem Film fehlen darf:

Star Trek Into Darkness USA 2013.

Regie: J.J. Abrams, Darsteller: Chris Pine, Zachary Quinto, Zoë Saldaña, Karl Urban, Simon Pegg, Benedict Cumberbatch u. a.; 129 Min., Farbe. FSK o. A.