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„The Look“: Liebe, Tod und geteilte Zigaretten

Charlotte Rampling

Charlotte Rampling

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dpa

Die wenigsten Menschen, die sich die Schauspielerin Charlotte Rampling für Angelina Maccarones Dokumentation als Begleiter und Gesprächspartner wählte, sind Regisseure. Das schadet dem Film überhaupt nicht, im Gegenteil: Indem er auf diejenigen verzichtet, deren Hauptgeschäft es ist, Schauspieler zum Medium ihrer eigenen Vorstellungen zu machen, wird Charlotte Rampling selbst zur Akteurin im eigentlichen Sinn.

Angelina Maccarone, bekannt geworden mit Spielfilmen („Fremde Haut“), vermeidet in ihrem ersten Dokumentarfilm die übliche retrospektivische Erzählweise von Künstlerporträts, und die bei Schauspielern überstrapazierte Frage, wie viel Privatperson in einer Rolle steckt.

Anhand der Filme, der Zusammenarbeit mit Fotografen, also der sichtbaren Spur, die Charlotte Rampling in ihrer fast fünfzigjährigen Karriere hinterließ, destillierte Maccarone stattdessen Konstanten und Lebens-Themen heraus. „Tabu“, „Liebe“, „Tod“, „Begehren“. „Dämonen“, „Schönheit“. Dennoch ist es kein blutleerer Essay geworden, sondern ein Reigen aufregender Begegnungen zwischen Menschen, die sich gegenseitig nichts vormachen.

Tee mit Auster und Lindberg vor der Linse

Rampling trifft den Fotografen Peter Lindbergh und nimmt ihn selbst vor die Linse. Mit Paul Auster trinkt sie Tee und parliert über das Alter. Fast immer entsteht in diesen Begegnungen Leichtigkeit, Humor und eine Verspieltheit, in der die Aufnahmesituation offenbar immer wieder vergessen wurde – obwohl Maccarone die Anwesenheit der Kamera zwischendurch zeigt. Der Blick der Kamerafrau Judith Kaufmann gibt Charlotte Rampling Raum. Er lässt ihr jene Aura der Einsamkeit, die sie auch im Zwiegespräch umgibt.

In gewisser Weise ist diese Einsamkeit symptomatisch für die ältere, schöne, intellektuelle Frau. Wenn Paul Auster dann am Teetisch verkündet, das Kino sei nun mal fürs männliche Begehren gemacht, und das hätte mit den über 40- und gar über 50-jährigen Schauspielerinnen nichts mehr im Sinn, bangt man ein wenig, ob sie angesichts dieser Produzenten- und Zuhälter-Logik souverän bleiben würde. Sie schweigt, und dann unterscheidet sie ein wenig boshaft zwischen „Boy-Männern“, die nicht erwachsenen werden können und deshalb nach jüngeren Frauen gieren und Mann-Männern – von denen es nicht so viele gibt. Wo in dieser Kategorisierung nun der Fotograf Juergen Teller einzuordnen ist, bleibt unklar. Er hat Charlotte Rampling nackt vor der Mona Lisa fotografiert, – mit ihm teilt sie sich im Film die Zigarette, eine Geste, die mehr sagt über die intime Verbundenheit der beiden, als das Reden über die Suizide in ihren Familien.

Maccarone bereitet die Bühne für eine Frau, die reich an Erfahrung und Lebensklugkeit ist -– und deshalb sicher keine einfache Schauspielerin war. Rampling hat Teile des Films vor der Fertigstellung gesehen – und doch ist er keine bestellte Hymne auf sie, sondern etwas sehr Kostbares und Seltenes: ein Geschenk, das sich die Regisseurin Angelina Maccarone und Charlotte Rampling gegenseitig machen. Eine Gabe, die auf dem Austausch beruht und der Fähigkeit, zu erkennen, was für das Gegenüber von Bedeutung ist. Kurz: ein Werk als Resultat einer limitierten geistigen Liebesbeziehung, wie sie allen gelungenen Dokumentationen zu Grunde liegt.

Charlotte Rampling The Look Dtl./Fkr. 2011. Buch & Regie: Angelina Maccarone, 97 min.


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