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Aktivisten wollten Filmvorführung im Moviemento-Kino verhindern

Flagge Israel

Demonstrant mit Israel-Flagge (Archivbild).

Foto:

 imago/Joachim Sielski

Es passiert nicht besonders oft in Deutschland, dass jemand eine Filmvorführung zu verhindern versucht. Eben dies ist in Berlin geschehen. Deutsche Aktivisten übten in den vergangenen Wochen Druck auf das Kino Moviemento in Kreuzberg aus. Es solle die Premiere von „Even though my land is burning – Auch wenn mein Land brennt“ des aus Israel stammenden, seit zehn Jahren in Berlin lebenden Regisseurs Dror Dayan absagen. Die Mitarbeiter hätten entsprechende Anrufe, E-Mails, Facebook-Nachrichten bekommen, ja sogar persönliche Besuche, ließ das Kino wissen. Man drohte, das Moviemento als „antisemtischer Ort“ zu brandmarken.

„Even though my land is burning“ ist ein Dokumentarfilm, in dessen Mittelpunkt der israelisch-jüdische Friedensaktivist Ben steht. Er beteiligt sich im Dorf Nabi Saleh seit Jahren an Protestaktionen der Palästinenser gegen die israelischen Sperranlagen im Westjordanland, die die Israelis als Bollwerk gegen palästinensische Terrorismus begreifen. Allerdings haben sie den rund 760 Kilometer langen, elektrischen Zaun auf palästinensischem Gebiet errichtet und damit teilweise den Zugang zu Feldern, Quellen, Schulen abgeschnitten.

Die Filmvorführung im Moviemento war ein Beitrag zu der seit zehn Jahren weltweit stattfindenden Israeli Apartheid Woche. Sie wird vor allem von der von palästinensischen NGOs ins Leben gerufenen radikal Israel-kritischen Organisation BDS – Boykott Divestment and Sanctions – Boykott Kapitalabzug und Sanktionen veranstaltet, die das Ende der „Besatzung arabischen Landes einschließlich Ost-Jerusalems seit Juni 1967 fordert, die Aufgabe der israelischen Siedlungen und der Sperranlage im Westjordanland sowie eine Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge und ihrer Nachkommen“. Das Kino teilt mit, dass es mit diesen Gruppen nicht einer Meinung sei, sich aber nicht berufen fühle, einem israelischen Juden vorzuschreiben, was er über sein Land sagen darf und was nicht.

Palästinensische Flaggen am Kottbusser Damm

Und so manifestierte sich am Freitagabend auf dem Kottbusser Damm der Nahost-Konflikt. Vor dem Kino standen in palästinensische Flaggen eingehüllte Menschen und skandierten „Free, free Palestine“ und „Viva, viva Palästina“ oder „Besatzung ist kein Menschenrecht“. Auf der Straßenseite gegenüber wurde die israelische Flagge geschwenkt, „gegen Islamisten, Anti-Semiten und Homophobie“ hieß es auf einem großen Leintuch, ein Redner sprach von einem „cineastischen Brechreiz“, von der offen antisemitischen Hamas und davon, dass dank der Sperranlage die Zahl der Selbstmordattentate gegen Israelis zurückgegangen sei. Polizisten versuchten die aufgeregtesten Demonstranten zu beschwichtigen.

Die Premiere fand statt, ein Dialog nicht. Den wollte keine Seite führen. Mitten in Berlin konnte man einen Eindruck von der deprimierend verfahrenen Lage im Nahen Osten bekommen. Das Moviemento zeigt „Even though my land is burning“ nun noch drei Mal.