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Nachruf auf Alan Rickman: Der Bösewicht mit der Bassstimme

Alan Rickman ist im Alter von 69 Jahren gestorben.

Alan Rickman ist im Alter von 69 Jahren gestorben.

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AP

„Karl, schieß dem Fenster“, zischt Hans Gruber seinem Handlanger zu. Da ist den Drehbuchautoren von „Stirb langsam“ ein kleiner grammatikalischer Fehler unterlaufen. Doch wer hätte es schon gewagt, das verschlagene Verbrechergenie aus Deutschland zu korrigieren?

Für den britischen Theaterstar Alan Rickman markierte die Rolle als Bruce Willis’charismatischer Gegenspieler im Jahr 1988 den Beginn einer langen Hollywood-Karriere. Er konnte, scheinbar ohne die Lippen zu bewegen, seine Bassstimme von einem verführerischen Schnurren in ein bedrohliches Grollen kippen lassen.

Oder umgekehrt. Die Zuschauer konnten sich bei Rickman nie ganz sicher sein. Und der Shakespeare-erprobte Schauspieler nutzte die ganze Spannbreite seiner Beschwörungskunst: Als schürzenjagender Valmont in der Theaterbearbeitung von Choderlos de Laclos’ „Gefährliche Liebschaften“ reizte er sein Publikum derart, dass seine Bühnenpartnerin stöhnte, jeder wolle nach der Vorstellung Sex haben – am liebsten mit Alan Rickman.

Die Rolle des Sheriffs von Nottingham im Kevin Costner-Vehikel „Robin Hood – König der Diebe“ lehnte Rickman gleich zweimal ab, ließ sich erst überreden, als ihm die Produzenten völlige Freiheit bei seiner Interpretation zusagten. Woraufhin Rickman einen derart vergnüglich-überdrehten Schurken ablieferte (der, einmal in Rage, allzu gnädige Enthauptungen und sogar Weihnachten verbietet), dass Costners Edelheld neben ihm als Mauerblümchen in Strumpfhosen verblasste.

Knapp zehn Jahre später hatten sich Rickmans Bösewichte derart ins öffentliche Bewusstsein eingeprägt, dass er sich in „Galaxy Quest“ selbst parodieren durfte, als verbitterten Shakespeare-Mimen, der sein Leben als Autogramm-Geber auf Fan-Kongressen fristen muss, weil er einmal in einer alten Science-Fiction-Serie einen Mr.Spock-artigen Charakter gespielt hat.

In seinem wirklichen Berufsleben musste sich Rickman indes keine allzu großen Sorgen darüber machen, auf einen bestimmten Typ festgelegt zu werden. Im gleichen Jahr, in dem er als fieser Sheriff über die Leinwand wütete, rührte er in Anthony Minghellas „Wie verrückt und aus tiefstem Herzen“ als toter Cellist, der als charmanter Geist zu seiner Frau zurückkehrt, um deren allzu verklärtes Bild von ihm zurechtzurücken.

Und in Ang Lees Jane-Austen-Verfilmung „Sinn und Sinnlichkeit“ konnte Rickman endlich auch einmal seine natürliche Liebenswürdigkeit in eine Rolle einbringen, schwärmte Co-Star Emma Thompson.

Der private Alan Rickman blieb sein Leben lang mit seiner erster Freundin, Rima Horton, liiert, das Paar heiratete schließlich im Jahr 2012. Treu blieb er auch der Labour Party und zahlreichen Wohltätigkeitsorganisationen.

Doch jüngere Generationen werden sich weder an den romantischen Cellisten, noch an den magnetischen Bühnenstar, ja noch nicht mal an den genüsslichen Bösewicht erinnern. Für sie ist Rickman auf immer mit der Rolle des Severus Snape in den „Harry Potter“-Verfilmungen verbunden. Selbstredend war Rickman die Idealbesetzung für den furchteinflößend zischelnden Hogwarts-Lehrer, dessen romantisches Herz sich erst in seinen letzten Lebenszügen offenbarte.

Da konnte er den jungen Zauberschüler noch so quälen, die heimlichen Sympathien der jungen Zuschauer waren ihm sicher. Alan Rickman ist im Alter von 69 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung in London gestorben.