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Architekturbiennale in Venedig: Das gute Erzählen gewinnt

Südkorea hat den Goldenen Löwen der Architekturbiennale in Venedig bekommen. Der Kurator Min Suk-Cho freut sich über die Auszeichnung. Links im Bild Rem Koolhass, Direktor der Veranstaltung.

Südkorea hat den Goldenen Löwen der Architekturbiennale in Venedig bekommen. Der Kurator Min Suk-Cho freut sich über die Auszeichnung. Links im Bild Rem Koolhass, Direktor der Veranstaltung.

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dpa

Süd-Korea hat den Goldenen Löwen der Architekturbiennale in Venedig bekommen. Zu Recht. Hier wird mit allen Registern vom auch architektonisch ausgetragenen Konkurrenzkampf zweier Systeme nach dem Krieg erzählt. Gratulation auch nach Chile, das den Silbernen Löwen für die Installation der einst von der UdSSR Salvador Allende geschenkten Großplatte und die Rehabilitation des Fertigteilbaus bekam; an Frankreich, das die Geschichte des KZ-Durchgangslagers Drancy als Moderne-Musterwohnungsbauprojekt aufarbeitet, an Russland für seine poppige Billig-Architektur-Provinz-Messe, die viele Debatten und Heiterkeit erregt, sowie Kanada für die überaus poetische Präsentation der Architektur des Arktis-Landes Nunavut.

Alle diese Pavillons zeigen den dominanten ästhetischen Einfluss des Statistik-, Schrift- und Bildsüchtigen Rem Koolhaas, alle wollen etwas erzählen, in allen soll man lernen. Nicht allerdings im Deutschen Pavillon, der immer weniger überzeugt, je öfter man ihn besucht. Die Schweizer Architekten Alex Lehnerer und Savas Chiriacidis haben den Nachbau des Bonner Kanzlerbungalows von 1964 in den 1938 monumentalen Deutschen Pavillon montiert. Der zuerst interessante formale Kontrast Nazi-Pfeiler versus Demokratie-Glasscheibe ist schnell verstanden. Dann wünscht man sich die Geschichte hinter den Formen. Die aber bieten die Kuratoren nur sehr bedingt an.

Im Gegensatz etwa zum Pavillon Polens: Hier steht das nachgebaute Grabmal des zwischen 1918 und seinem Tod 1935 übermächtigen Marschall Josef Pilsudski in der unter Mussolini gebauten Halle. An den Wänden wird selbstkritisch erklärt, wie die Bronze zu diesem Monument aus österreichischen Kanonen, dem Bismarck-Denkmal in Posen und der Russisch-Orthodoxen Kathedrale von Warschau gewonnen wurde, was das symbolisierte bis hin zur miserablen Minderheitenpolitik der 1. Republik und warum antike Säulen modern sein können.

Vom Deutschen Pavillon 2014 werden vor allem der Dienst-Mercedes von Helmut Kohl, das Geheimhaltungs-Künstler-Bla-Bla der Architekten und das vorzügliche Sonderheft der Zeitschrift Arch+ in Erinnerung bleiben. Aber vielleicht haben wir alles falsch verstanden? Soll diese Inszenierung etwa ein ironischer Kommentar sein zur kulturpessimistischen bundesdeutschen Nachbaumode: Nach Schlössern und Bauhaus-Meisterhäusern jetzt auch Kanzlerbungalows der 1960er?

Sei’s drum. Auch dann wäre der ungebrochene Zukunftsoptimismus in den afrikanischen oder südamerikanischen Pavillons interessanter.