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Artemis Quartett: Veredelung des Klangs

Neubesetzung im Streichquartett.

Neubesetzung im Streichquartett.

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dpa

Es ist nicht der erste Wechsel in der Besetzung des Artemis Quartetts, aber doch der, der die Identität dieses Streichquartetts zum ersten Mal wirklich in Frage stellte. Von den Musikern, die sich Ende der Neunzigerjahre innerhalb kürzester Zeit in der Weltspitze etablierten, ist inzwischen nur noch der Cellist Eckart Runge dabei. 2007 waren der Geiger Gregor Sigl und der Bratschist Friedemann Weigle neu dazugekommen. Und im Sommer 2012 verließ Natalia Prischepenko das Quartett, die meistens, aber nicht ausschließlich die erste Geige spielte. Ihr Pult besetzt jetzt die aus Lettland stammende und zuletzt in Antwerpen als Konzertmeisterin tätige Vineta Sareika.

Mit Spannung wurde das erste Konzert dieser neuen Besetzung im gut besuchten Kammermusiksaal erwartet, und in die Erleichterung über den offensichtlich gelungenen Wechsel mischte sich auch Überraschung. Denn offensichtlich geht es den Musikern auch um eine programmatische Neuorientierung des Quartettklangs wie des Interpretationstiles. Das Artemis Quartett zeichnete immer ein wesentlich spröderer, aufgebrochener Klang aus, als der, der im Allgemeinen beim Quartettspiel als schlichtweg schön empfunden wird. Welch großen Anteil daran das quecksilbrige, feinnervige Spiel der alten Primaria hatte, wurde jetzt in der Verwandlung deutlich. Vineta Sareika, die durchgehend das erste Pult besetzt, kultiviert einen unglaublich schönen, warmen Ton. Und dies setzt offenbar jenes Potenzial frei, das sich in den Mittelstimmen schon vor einigen Jahren angedeutet hatte. Selbst das Cello tönte ungewöhnlich sanft an diesem Abend.

Mit der Klangveredelung ist aber auch das musikalisch Ruppige aus den Interpretationen des Quartetts verschwunden. Manches war in den letzten Jahren auch schon zum Manierismus geworden, überzogene Tempi, übertriebene Artikulation, bis zum Krachen ausgereizte Dynamik. Schuberts großes G-Dur-Quartett erklang vor einiger Zeit am selben Ort mit zwiespältiger Wirkung, jetzt erschien Stück in seiner Weltentrücktheit wie aus einem Guss. Wie Schubert mit seinen Tremoloflächen und gegeneinander geschobenen Akkordblöcken lebten auch die zwei anderen Stücke dieses Abends vom rauschhaften Sich-Verlieren im Klang. Großartig gelangen die emphatischen Aufschwünge in Mendelssohns f-Moll-Quartett, mitreißend die rhythmische Ekstase in Ginasteras 2.Streichquartett.