21.01.2012

Auma Obama: Von Kenia nach Deutschland und wieder zurück

Von Katja Lüthge
        

Da waren sie noch jung: Auma  Obama und ihr Halbbruder Barack.
Da waren sie noch jung: Auma Obama und ihr Halbbruder Barack.
Foto: ZDF
Berlin –  

„Die Geschichte der Auma Obama“: Ein biografisches Porträt der Regisseurin Branwen Okpako über die Schwester des US-Präsidenten feiert in den Hackeschen Höfen ihre Premiere. Eine Geschichte von der Zerrissenheit zwischen den Kulturen, die Großvater, Vater und Tochter in ihrem kolonialen Erbe letztlich eint.

Auma Obama ist eine charismatische und interessante Frau. 1960 als Rita Obama in Kenia geboren, erlebt sie dort eine wechselvolle Kindheit. 1980 geht sie mit einem Stipendium nach Deutschland, um Germanistik zu studieren, und promoviert zum Thema „Arbeitsauffassungen in Deutschland und ihre literarische Kritik in ausgewählten Texten der deutschen Gegenwartsliteratur zwischen 1953 und 1983: ein Beitrag zum Kulturvergleich Deutschland – Kenia“. Sie heiratet 1996 einen Engländer, mit dem sie eine Tochter bekommt und in einen Londoner Vorort zieht.

Im Jahr 2000 zieht sie zurück nach Nairobi, Kenia. Sie arbeitet als Journalistin und Dozentin, studiert, wieder in Deutschland, Regie an der DFFB. In Kenia wird sie schließlich Ostafrika-Koordinatorin der Hilfsorganisation Care und fördert etwa das Projekt „Sports for Social Change“, motiviert unterprivilegierte Jugendliche, ihren eigenen Weg zu finden. Außerdem ist Auma Obama die Halbschwester des derzeitigen Präsidenten der USA, von Barack Obama.

„Die Geschichte der Auma Obama“, ein biografisches Porträt der Regisseurin Branwen Okpako über Auma Obama, versucht, diese verwandtschaftliche Bande indes herunterzuspielen. Überwiegend in Kenia entstanden, konzentriert sich der Film auf die Emanzipationsgeschichte der inzwischen 51-Jährigen. Zentrale Figur ist der Vater, Barack Obama senior. Der begabte Sohn eines Hausangestellten britischer Kolonialherren wird im Zuge der Unabhängigkeitsbestrebungen Kenias zum Studieren in die USA geschickt.

Vieles notwendig vorweggenommen

Bereits in Kenia verheiratet, lernt er auf Hawaii seine zweite Ehefrau kennen und kehrt mit einer dritten aus den USA zurück. Bis zu seinem Tod 1982 zeugt er elf Kinder mit verschiedenen Frauen. Patchworkfamilie – das bezeichnet die Großfamilienverhältnisse der Obamas nur annähernd; entsprechend schwierig ist es bisweilen, den Überblick zu behalten. Mit Ausnahme von Barack junior, den Auma 1984 erstmals trifft, spielen die Geschwister keine Rolle im Film. Mit Hilfe von Fotos und alten Filmaufnahmen wird vielmehr eine Linie vom Großvater, einem strengen Autodidakten, über den Vater zur Enkelin Auma gezogen. Von Nairobi geht es ins ländliche Alego, wo die Großmutter väterlicherseits lebt, von dort nach Deutschland und England. Die Kamera folgt Auma durch Kenia und in Deutschland, befragt Verwandte, Wegbegleiter.

Bereits 2010 erschien Auma Obamas Autobiografie „Das Leben kommt immer dazwischen“: Vieles aus dem Film, der vorher gedreht wurde, ist hier notwendig vorweggenommen. Okpako bestätigt in ihrem Porträt wesentlich die dort aufgebrachte These von der Zerrissenheit zwischen den Kulturen, die Großvater, Vater und Tochter in ihrem kolonialen Erbe letztlich eint. Ihren Frust über den eurozentrischen Blick auf Afrika hat Auma Obama nicht zuletzt in deutschen Talkshows geäußert. Der Film verdeutlicht indes eine Andersheit, die Auma Obamas perfektes Deutsch bisweilen vergessen macht.

Berlin-Premiere in Anwesenheit von Auma Obama und des Filmteams im Filmtheater Hackesche Höfe am 22. 1., 17 Uhr. Weitere Termine: 29. 1. und 5. 2., jeweils 11 Uhr, Filmtheater Hackesche Höfe.

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