Die Fledermausfrau: Zola Jesus (hier im Berghain) sang Lieder von Verzweiflung und Liebe und bot mit Flattergesang und fluffiger Flügelbluse die tollste Gesamterscheinung. Foto: Votos - Roland Owsnitzki
Die Fledermausfrau: Zola Jesus (hier im Berghain) sang Lieder von Verzweiflung und Liebe und bot mit Flattergesang und fluffiger Flügelbluse die tollste Gesamterscheinung. Foto: Votos - Roland Owsnitzki
Berlin –
Das beste Konzert, das schlechteste Konzert, das lauteste Konzert:Die schönsten, sonderbarsten und denkwürdigsten Momente im Konzertjahr 2011.
Das beste Konzert des Jahres:James Blake im Berghain. „Wer nicht drin war, hat Grund zur Verzweiflung“, hieß es in der Rezension in der Berliner Zeitung: „Es war das größte und tollste Konzert, das seit langem in Berlin auf irgendeiner Bühne zu sehen war; atemberaubend in seiner Verbindung von ergreifenden Songs und filigran zusammengefieselten Beats, von zartestem Balladenschmelz und gewaltigsten Bässen.“ Dem ist an dieser Stelle nichts hinzuzufügen.
Das lauteste Konzert des Jahres:Justin Bieber in der Mehrzweckhalle am Ostbahnhof. Gegen 15.000 pubertierende Mädchen, die gleichzeitig im 10.000-Hertz-Bereich zu kreischen beginnen, klingen selbst SunnO))) wie die Flötenschlümpfe.
Die Krähenfrau: PJ Harvey (hier im Admiralspalast) hat mit 42 Jahren ihre bislang beste Platte aufgenommen, weswegen manch älterer Popfreund das Altern gar nicht mehr so schlimm findet wie früher.
Foto: Votos - Roland Owsnitzki
Die zarteste Stimme, die tiefsten Bässe: Die mutigste und zukunftsweisendste Musik des Jahres stammte von James Blake. Gleich drei Mal spielte er in Berlin - im Berghain, auf dem Berlin Festival im Flughafen Tempelhof und dann noch einmal im Admiralspalast -, bis auch der letzte Zweifler bekehrt war.
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Die Schmerzensfrau: Adele (hier bei ihrem Konzert im Huxley’s) verkaufte 2011 so viele Schallplatten wie niemand sonst – über zehn Millionen sind es am Ende geworden, und das, obwohl sie bei keiner Major Firma unter Vertrag stand, sondern beim Indie-Label XL Recordings.
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Animal Collective, eine der besten Live-Bands des Planeten (hier bei ihrem Auftritt im Astra), hielten es 2011 nicht für nötig, überhaupt ein Album herauszubringen; immerhin Sänger Panda Bear (links) verzauberte auf seiner Soloplatte „Tomboy“ mit psychedelischen Chören.
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Der kleine Astronaut: Justin Bieber trug beim Konzert in der Mehrzweckhalle am Ostbahnhof einen silberweißen Astronautenanzug und hatte sich in die linke Gesäßtasche ein lang herausragendes Tuch gesteckt, was nach den internationalen Konventionen der Schwulenszene bedeutet, dass er beim Sex lieber die aktive Rolle übernimmt.
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Shakespeare trifft Roots Manuva, Gil Scott-Heron trifft die Gebrüder Grimm: Die Rapperin mit den tollsten Texten und dem lässigsten Flow war Kate Tempest vom Trio Sound of Rum; im Comet Club gaben sie ihr erstes Berlin-Konzert.
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Sexy. Theoriestark. Mysteriös. Die tollste Disco-Platte des Jahres hieß „Cabaret Cixous“ und stammte von Maria Minerva, einer jungen Poststrukturalistin aus Estland – hier bei ihrem ersten Berlin-Konzert im Chez Jacki.
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Die tollsten und rasendsten Soli des Jahres kraulte Marissa Paternoster aus ihrer elektrisch verstärkten Gitarre; mit ihrer fabelhaften Band Screaming Females war sie im Westgermany zu sehen.
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Meistgeliebt, meistgehasst: Das Album „XOXO“ des Deutsch-Rappers Casper wurde durchweg kontrovers diskutiert; sein Auftritt beim Berlin Festival im Flughafen Tempelhof war jedenfalls großartig.
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Den größten, geilsten, erregenden Krach des Jahres gab es bei der Not-Equal-Nacht im Berghain zu hören: Emptyset heißen die Techno-Materialisten aus Bristol, die hier erstmals in Berlin zu erleben waren. Tanzen konnte man zu ihrer Musik übrigens auch.
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Halleluja, Jesus lebt! Das schönste und spirituellste Akkordeonkonzert des Jahres bot die wunderbare Michaela Meise im Hau-2-Theater dar.
Die Fledermausfrau: Zola Jesus (hier im Berghain) sang Lieder von Verzweiflung und Liebe und bot mit Flattergesang und fluffiger Flügelbluse die tollste Gesamterscheinung.
Weitere sehr gute und zum Teil auch sehr laute Konzerte: Bob Dylan in der Mehrzweckhalle am Ostbahnhof. Bon Iver in der Columbiahalle. Joan As Police Woman im Bassy. Darkstar im Berghain. PJ Harvey im Admiralspalast. Feist im Tempodrom. Ben Frost im Berghain. Yuck im Comet Club. Skeletons im Westgermany. Gang Gang Dance im Hau und später noch einmal im Berghain. Animal Collective im Astra. Anika im Festsaal Kreuzberg. Mount Kimbie im Icon. Melvins in der Volksbühne. Elvis Costello im Tempodrom. Maria Minerva im Chez Jacki. Zola Jesus im Berghain. Emptyset und Demdike Stare im Berghain. Screaming Females im Westgermany. Rustie im Horst Krzbrg. Sound of Rum im Comet Club. Caribou im Astra. Paul Heaton im Quasimodo. X-Japan in der Columbiahalle. Planningtorock im Astra. How To Dress Well in der Berghain Kantine. Morrissey in der Zitadelle Spandau. Guido Möbius im Chez Jacki. Casper bei der Berlin Music Week im Flughafen Tempelhof. Michaela Meise im Hau. Holy Ghost! und Jamie Woon in der Berghain Kantine. Vindicatrix im Berghain. Hype Williams beim Club Transmediale. John Maus im Foyer des Hau 2 und später noch einmal im Berghain. Hans Unstern und Jolly Goods in der Volksbühne. Steve Swallow und Carla Bley beim Jazzfest im Haus der Berliner Festspiele. Raphael Saadiq im Postbahnhof. Oneohtrix Point Never im Festsaal Kreuzberg. The Opiates in der Berghain Kantine. Cyndi Lauper im Admiralspalast. Lil B im Cassiopeia. Adele im Huxley’s. Erykah Badu im Tempodrom. Shabazz Palaces im Festsaal. David Crosby und Graham Nash im Admiralspalast. Chris Corsano und Clayton Thomas im Festsaal Kreuzberg. Anna Calvi im Privatclub. George Clinton im Astra. Jamie Woon in der Berghain Kantine. Destroyer im Magnet Club.
Das schlechteste Konzert des Jahres:Mark Knopfler in der Mehrzweckhalle. Unausstehlich in seiner Mischung aus biederer Gelacktheit und angeberischer Virtuosität. Hier war alles falsch, was an Popmusik überhaupt nur falsch sein kann.
Weitere sehr schlechte Konzerte: Coldplay in der Mehrzweckhalle. Till Brönner im Tempodrom. Ricardo Villalobos und Max Loderbauer remixen Klassiker des ECM-Labels im Berghain. Usher in der Mehrzweckhalle. Laurie Anderson in der Volksbühne. Bob Geldof im Asphalt Club. Bryan Ferry im Admiralspalast. Neil Diamond in der Mehrzweckhalle. Lykke Li im Astra. George Michael in der Mehrzweckhalle. Primal Scream bei der Berlin Music Week im Flughafen Tempelhof. Zomby im Gretchen Club. Rammstein in der Mehrzweckhalle. Janet Jackson im Tempodrom.
Eine Schweigeminute für: Gil Scott-Heron. Bert Jansch. Conrad Schnitzler. Jackie Leven. Mick Karn. Franz-Josef Degenhardt. Gerard Smith. Cesária Évora. Sylvia Robinson. Amy Winehouse. Friedrich Kittler. Rest in Peace.
Das war die letzte Popseite 2011. Ihnen, liebe Leser, wünsche ich einen guten Rutsch und eine gefahrlose Reise durch das nächste Jahr.
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