Neuer Inhalt

Berlinale in Berliner Kiezen: Diese sieben Kiez-Kinos zeigen Berlinale-Filme

Eine von sieben Berlinale-Spielstätten abseits der großen Paläste: Das Kino UNION in Friedrichshagen.

Eine von sieben Berlinale-Spielstätten abseits der großen Paläste: Das Kino UNION in Friedrichshagen.

Foto:

BLZ/Gerd Engelsmann

Zum mittlerweile siebten Mal geht die Berlinale auch in die Kieze. Die Idee, ebenfalls in kleineren Kinos zwar keine Premieren, wohl aber Wettbewerbsfilme zu zeigen, wurde erstmals 2010 umgesetzt, zum 60. Geburtstag der Filmfestspiele. Erfinder und Kurator Matthias Elwardt berichtet von einer „großen Resonanz“. Tatsächlich profitieren alle: Betreiber der Kiez-Kinos, das Publikum (die Hälfte der Karten wird vor Ort verkauft) und die Filmemacher.

+++

Weißensee

Kino Toni & Tonino: Das Traditionshaus wurde bereits 1919 als Lichtspieltheater für Stummfilme im Erdgeschoss eines Wohnhauses eröffnet. Zehn Jahre später lief dort mit „Atlantic“ der erste deutsche Tonfilm. Im Jahr 1979 ließ die Bauaufsicht des Bezirks das Haus schließen. Es folgte eine umfassende Rekonstruktion, nach der dort ab 1982 wieder Filme gezeigt wurden. Der Regisseur Michael Verhoeven kaufte das Kino 1992 von der Treuhand und baut es um. Inzwischen hat das Haus zwei Säle (257 und 102 im Tonino). Verhoeven will das Haus aus Altersgründen verkaufen und hinterlässt ein wieder gut gehendes Kino, in dem vor allem Arthouse-, DDR- und Kinderfilme laufen.

Programm: Am 14. Februar wird um 15.30 Uhr der Film „Rara“ (Generation KPlus) von Pepa San Martin gezeigt. Um 18.30 Uhr läuft „Mahana“ (Der Patriarch) von Lee Tamahori, Neuseeland/Australien gezeigt. Um 21.30 Uhr läuft „Inhebbek Hedi“

Gastgeber: Der Kinoinhaber Michael Verhoeven und seine Ehefrau, die Schauspielerin Senta Berger, führen durch den Abend.

Adresse: 13086 Berlin, Antonplatz 1, T. 92 79 12 00

+++

Wedding

City Kino Wedding: Eigentlich wurde das Fimtheater von den französischen Alliierten als eigener Veranstaltungsort gebaut, doch schon damals durfte dort auch die Nachbarschaft mit Filme gucken. 2007 wurde das Kino geschlossen und 2014 von zwei Betreiberinnen übernommen. Gezeigt werden Arthouse- und Dokumentarfilme sowie Streifen, die in den großen Kinos schnell wieder abgesetzt werden. Auch Sonderreihen finden statt. Es gibt auch Diskussionsrunden etwa zum Thema Psychologie und Kino oder Berlinfilmtage, wie Betreiberin Anne Lakeberg sagt. Zur Berlinale wurde man erstmalig eingeladen. Als einziges Kiezkino ist das Haus mit den 219 Plätzen in der Reihe Kulinarisches Kino dabei. Der Grund: Im Vorderhaus befindet sich das französische Restaurant Pastis, in dem nach dem Film ein Menü serviert wird.

Programm: Am 19. Februar gibt es um 15 Uhr „Die Ehe der Maria Braun“ von Rainer Wener Fassbinder, um 18.30 Uhr steht „Schwarzbunt Märchen“ von Detlev Buck mit anschließendem Menü von Vincent Garcia im Pastis auf dem Programm. „Meteorstraße“ von Aline Fischer, Deutschland, wird um 21.30 Uhr gezeigt.

Gäste: Der Regisseur Detlev Buck („Schwarzbunt Märchen“) und Kameramann Michael Ballhaus („Die Ehe der Maria Braun“) werden an diesem Abend erwartet.

Adresse: 13349 Berlin, Müllerstraße 74, T. 45 97 93 99

+++

Kreuzberg

Babylon Kreuzberg: Wie fast jedes Kiezkino hat auch das Babylon in der Dresdener Straße eine sehr wechselhafte Geschichte. 1955 wurde es als Helo eröffnet. In den 1970er-Jahren spielte es als Kent ausschließlich türkische Filme. 1986 wurde es von der Yorck Kinogruppe übernommen und etablierte sich mit nächtefüllenden Sonderprogrammen. Nach dem Umbau in ein Zwei-Saal-Haus zeigt man im Babylon mittlerweile seit mehr als 20 Jahren erfolgreich Originalversionen jenseits des Mainstreams. Schon im Jahr 2012 war das Kino Spielort für die Berlinale.

Programm: „Alone in Berlin“ (Jeder stirbt für sich allein) von Vincent Perez, Deutschland/Frankreich wird am 18. Februar um 18.30 Uhr gezeigt. Um 21.30 Uhr laufen fünf Kurzfilme aus der Reihe Berlinale Shorts.

Gast: Der Schauspieler Burak Yigit, bekannt unter anderem aus „Victoria“, ist an diesem Abend Pate des Kinos. Er wohnt gleich um die Ecke.

Adresse: 10999 Berlin, Dresdener Straße 126, T. 61 60 96 93

+++

Neukölln

IL Kino: Das kleine Kino wurde erst im November 2014 in einer ehemaligen Bäckerei eingerichtet. Das Geschäft stand damals seit 20 Jahren leer, jetzt kommen täglich Filmfreunde auf ihre Kosten. Bis zu sechs Vorstellungen laufen dort täglich, sagt Kinoleiterin Carla Molino. Die blauen Polstersessel hat sie über Ebay gekauft, mit 52 Plätzen ist es im Raum sehr gemütlich, die Besucher kommen vor allem aus der Nachbarschaft, aber auch aus Potsdam. Es laufen Arthouse- und- Dok-Filme hauptsächlich aus Europa, alles in Originalsprache mit Untertiteln.

Programm: „Jug-yeo-ju-neun Yeo-ja“ („The Bacchus Lady“) von E J-young aus Südkorea wird am 13. Februar um 18.30 Uhr gezeigt, „Lao Shi“ (Old Stone), von Jonny Ma, VR China/Kanada, um 21.30 Uhr .

Gast: Der Regisseur Sebastian Schipper („Victoria“) hat sich für diesen Abend zum Publikumsgespräch angekündigt. Das IL ist sein Lieblingskino.

Adresse: 12047 Berlin, Nansenstraße 22, T. 0157–76 81 15 35

+++

Friedrichshagen

Kino Union: Das Filmtheater ist schon zum dritten Mal zur Berlinale ausgewählt worden, es existiert seit 1923. Nach dem Mauerfall hatte das Kino mehrere Besitzer und stand auch schon über Jahre leer, bis es 2006 von dem Architekten Matthias Stütz bei einer Zwangsversteigerung erworben wurde. Seither werden Haus und Programm unermüdlich erweitert, neben Filmen gibt es auch Konzerte, Lesungen und Partys. Das Filmprogramm-Motto lautete bisher Friends&Family, das heißt, im einzigen Saal mit 163 Plätzen liefen vor allem familientaugliche Produktionen. Inzwischen wurden zwei neue Säle (87 und 62 Plätze) eingebaut, dort sollen künftig auch Hollywood-Blockbuster und Arthouse-Filme im Original laufen.

Programm: Am 17. Februar wird um 18.30 Uhr „Das Tagebuch der Anne Frank“ von Hans Steinbichler gezeigt, um 21.30 Uhr „Jonathan“ von Piotr J. Lewandowski.

Gast: Der Regisseur Dietrich Brüggemann wird der Pate des Abends. Zusammen mit seiner Schwester Anna erhielt er im Jahr 2014 den Silbernen Bären für das beste Drehbuch für den Film „Kreuzweg“.

Adresse: 12587 Berlin, Bölschestraße 69, T. 650 13 14 41

+++

Mitte

Acud: Wer hier Filme sehen wollte, musste anfangs noch bis in die 4. Etage steigen. Der Kunstverein Acud hatte das alte Wohnhaus 1991 übernommen und neben einer Galerie, einem Theater und Büros auch ein Kino eingerichtet. Seit 2004 laufen die Filme in der Remise auf dem Hof, die eigens dafür aus- und umgebaut wurde. Im Programmkino mit zwei Sälen (78 und 35 Plätze) sind vor allem Independent- und Arthous-Filme aus Europa zu sehen. 50 Prozent des Programms machen Dokumentarfilme aus, wie Kinoleiterin Dagmar Kaczor sagt. Sie ist stolz, dass ihr kleines Kino erstmalig für die Berlinale ausgewählt wurde, unter anderem für einen DDR-Film, der 1965 in der Gegend gedreht wurde, aber erst 1990 aufgeführt werden durfte.

Programm: Am 15. Februar um 18.30 Uhr zeigt das Acud „Berlin um die Ecke“ von Gerhard Klein, DDR 1965. „Boris without Beatrice“ von Denis Coté, Kanada, ist um 21.30 Uhr zu sehen.

Gast: Noch steht nicht fest, wer als Pate des Kinos durch den Abend führen wird.

Adresse: 10119 Berlin, Veteranenstraße 21, T. 44 35 94 98

+++

Kleinmachnow

Neue Kammerspiele: Seit mehr als 70 Jahren ist das Haus Dreh- und Angelpunkt für Kultur in der brandenburgischen Gemeinde. 1938 ursprünglich als reines Lichtspielhaus erbaut, wurde es nach dem Krieg auch Theaterbühne und während der DDR zur größten Kultureinrichtung mit Musik, Tanz und Diskussionen im Gemeindeverband Teltow-Kleinmachnow-Stahnsdorf. 2012 gründeten dort zwei Betreiber die erste Kulturgenossenschaft Brandenburgs. Mit ihren Anteilen sorgen sie für den Erhalt der Kultureinrichtung, Stuhl-Patenschaften finanzierten die Aufarbeitung der 298 denkmalgeschützten Kinosessel. Im Haus, in das auch Berliner, etwa aus Steglitz-Zehlendorf, Lichterfelde-Süd oder Wannsee kommen, gibt es auch Partys, Kindergeburtstage und andere Veranstaltungen.

Programm: Am 16. Februar um 18.30 Uhr steht „Cartas da guerra“ (Letters from War) von Ivo M. Ferreira aus Portugal auf dem Spielplan, um 21.30 Uhr ist es „24 Wochen“ von Anne Zohra Berrached, Deutschland.

Gast: Auch hier stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest, wer Pate wird.

Adresse: 14532 Kleinmachnow, Karl-Marx-Straße 18, T. 033 203/8 48 04