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Berliner Schlosspark Theater: Rassismus mit Hallervorden?

Auch der Schauspieler und Theaterleiter Dieter Hallervorden steht in der Kritik: Auf der Facebook-Seite des Berliner Schlosspark Theaters werfen Internetnutzer ihm vor, dass der weiße Schauspieler Bliese in der Inszenierung "Ich bin nicht Rappaport" als Schwarzer geschminkt ist. Hallervorden wies die Rassismus-Vorwürfe am Dienstag zurück. "In meiner Gedankenwelt ist absolut kein Platz für Rassismus", heißt es in einer persönlichen Erklärung. An keiner Stelle und zu keinem Zeitpunkt machte sich jemand in dem Stück über schwarze Mitbürger lustig.

Auch der Schauspieler und Theaterleiter Dieter Hallervorden steht in der Kritik: Auf der Facebook-Seite des Berliner Schlosspark Theaters werfen Internetnutzer ihm vor, dass der weiße Schauspieler Bliese in der Inszenierung "Ich bin nicht Rappaport" als Schwarzer geschminkt ist. Hallervorden wies die Rassismus-Vorwürfe am Dienstag zurück. "In meiner Gedankenwelt ist absolut kein Platz für Rassismus", heißt es in einer persönlichen Erklärung. An keiner Stelle und zu keinem Zeitpunkt machte sich jemand in dem Stück über schwarze Mitbürger lustig.

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dpa

Berlin -

Zwei Männer sitzen auf einer Parkbank und sprechen über das Leben. In seiner philanthropen Behaglichkeit passt Herb Gardners Boulevard-Klassiker „Ich bin nicht Rappaport“ wie kaum ein anderes Stück ins Schlosspark-Theater in Berlin-Steglitz. Dort wurde es auch schon einmal sehr erfolgreich Mitte der achtziger Jahre aufgeführt, mit Bernhard Minetti und Joachim Bliese. Letzterer ist gut 25 Jahre später erneut mit von der Partie, am Samstag hatte das Stück Premiere. An der Seite des Theater-Hausherren Didi Hallervorden spielt Bliese die Rolle des Midge, die Ossie Davis neben dem legendären Walther Matthau in der Verfilmung von 1996 gegeben hatte. Ossie Davis ist schwarzer Hautfarbe, Joachim Bliese nicht.

Das hat nun über den Weg der sozialen Netzwerke des Internets einen beachtlichen Proteststurm hergerufen. Bereits am 3. Januar, also einige Tage vor der Premiere, erreichten E-Mails das Theater, in denen dessen Leitung sowie das Regieteam als dumm und rassistisch bezeichnet wurden. Es wurde der Vorwurf erhoben, in der Inszenierung an die amerikanische Tradition der Minstrel Shows des 19. Jahrhunderts anzuknüpfen, über die heute nicht ohne Verweis auf deren rassistische Konnotationen gesprochen werden kann.

Rassismus mit Hallervorden? Dieser weist die Vorwürfe zurück. „In meiner Gedankenwelt ist absolut kein Platz für Rassismus“, so Hallervorden in einer Stellungnahme. „An keiner Stelle, zu keinem Zeitpunkt machen sich weder der Autor, noch der Regisseur und schon gar nicht Joachim Bliese über schwarze Mitbürger lustig.“ Sheila Mysorekar von der Initiative Schwarze Deutsche (ISD) sieht jedoch eine völlige Ignoranz betreffs rassistischer Traditionen und ihres historischen Kontextes. Die gilt dann wohl für die gesamte deutsche Theaterlandschaft. Das Stück ist in der Vergangenheit an 40 Theatern aufgeführt worden, nur zweimal spielten dabei Schwarze die Rolle des Midge. Die Theaterkritik hat daran keinen Anstoß genommen. Das Thema erreichte sie erst über die neuen Mobilisierungsressourcen der sozialen Netzwerke.

In der Branche diskutiert man indes schon länger über ethnisch nicht gerade ausgewogen zusammengesetzte Ensembles. Das Deutsche Theater musste zuletzt die Premiere des Stücks Clybourne Park absetzen, weil eine Rolle nicht mit einer afro-deutschen Schauspielerin besetzt werden konnte. Die Initiative dazu verlief allerdings nicht über den Empörungsfuror des Internets. Bruce Norris, der Autor des Stück, hatte kurzerhand die Aufführungsrechte wieder entzogen. Ein Rassismus-Skandal wurde daraus jedoch nicht.