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Bernd Eichinger-Ausstellung: Die volle Dosis Bernd

Immer in Turnschuhen, immer lässig: Bernd Eichinger (1949-2011).

Immer in Turnschuhen, immer lässig: Bernd Eichinger (1949-2011).

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Foto: Karin Rocholl/Deutsche Kinemathek – Sammlung Bernd Eichinger

Das lustigste und zugleich treffendste Exponat dieser Ausstellung ist eine Zeichnung im Stil der klassischen amerikanischen Comics. Sie zeigt Bernd Eichinger als Superhelden voller Lebensenergie, bereit zu außergewöhnlichen Taten. Und eine Art Superheld war der gebürtige Bayer tatsächlich: Wenn es denn im kleinen Deutschland je so etwas wie einen Filmmogul gegeben hat, dann Bernd Eichinger. Er war der wichtigste und einflussreichste deutsche Filmproduzent der vergangenen Jahrzehnte und dazu noch einer, dessen Horizont weit über die Landesgrenzen reichte – nämlich bis nach Hollywood. Mit Bernd Eichingers unerwartetem Tod am 24. Januar 2011 kam dem deutschen Film auch die große, mitunter großspurig wirkende Geste der Risikobereitschaft abhanden.

Wie sehr diese Geste der einheimischen Branche gegenwärtig fehlt, wird bei einem Rundgang durch die neue Sonderausstellung im Museum für Film und Fernsehen deutlich. „… alles Kino“ ist Bernd Eichinger gewidmet und greift auf jene Sammlung aus dem Nachlass zurück, die Eichingers kluge Witwe Katja der Deutschen Kinemathek im Dezember 2012 überließ. Nun kann sich der Besucher also „die volle Dosis Bernd“ (Katja Eichinger) geben. Warum er das tun sollte? Weil jeder in seinem Leben mindestens einen von Eichinger produzierten Film – und sei es „Die unendliche Geschichte“ – gesehen hat, auch wenn er den Namen dieses Mannes noch nie gehört zu haben meint. Außerdem ist „…alles Kino“ eine sehr schöne und kundige sowie ehrenhafte Würdigung des Toten.

Das Bild eines "komplexen Menschen"

Die von Peter Mänz und Kristina Jaspers kuratierte Ausstellung ist mit den vier Bereichen „Helden“, „Deutschland“, „Amerika“ und „Außenseiter“ an den Lebensthemen von Bernd Eichinger ausgerichtet. Filmproduzenten verantworten die wirtschaftlichen Abläufe beim Herstellen einer Kinoarbeit; Eichinger musste also das Geld für die jeweiligen Projekte heranschaffen. Sein Bewerbungsfilm für die Münchner Filmhochschule – er ist Teil der Schau – trug 1969 den typisch Kunst-prätentiösen Titel „Die Sonne schien, da sie keine Wahl hatte, auf nichts Neues“. Und tatsächlich fühlte sich Eichinger in der ersten Hälfte der 1970er-Jahre dem jungen deutschen Film stark verbunden. Damals brachte er Autorenkino von Wim Wenders, Edgar Reitz, Alexander Kluge oder auch Hans-Jürgen Syberberg mit auf den Weg, ging aber später ganz andere Wege, indem er den kommerziellen deutschen Film vorantrieb. Ans große Publikum hat Eichinger gedacht, auch im Fernsehen (u . a. „Das Mädchen Rosemarie“). „Geld ist eine Materie, mit der ich sehr gern umgehe“, hört man ihn an einer der Audiostationen der Ausstellung sagen.

Zu dieser wesentlichen Bekundung entfaltet „… alles Kino“ dann das Bild eines sehr interessanten und, wie Katja Eichinger sagt, „komplexen Menschen“. Das geschieht mit Hilfe von rund 350 Exponaten: Filme, Kostüme, Set-Bilder, Preisstatuen, private Fotos und immer wieder Terminkalender, die bis zur Unlesbarkeit vollgekritzelt sind. Bernd Eichinger liebte Romane von Karl May und amerikanische Comics; er las immer wieder in der Nibelungen-Sage, inszenierte Wagners „Parsifal“ an der Berliner Staatsoper und adaptierte Literatur fürs Kino (u. a. „Das Geisterhaus“, „Das Parfüm“). Sein Name verbindet sich mit Kino-Schenkelklopfern wie „Werner – Beinhart!“ und Michael „Bully“ Herbigs „Schuh des Manitu“, aber auch mit Versuchen deutscher Vergangenheitsbewältigung á la „Der Untergang“ oder „Baader Meinhof Komplex“. Und wer wusste schon, dass er das grüne Paillettenkleid selbst entworfen hatte, dass seine damalige Lebensgefährtin Katja Flint 1993 zur Premiere von „Das Geisterhaus“ trug?

Auf dem Schreibtisch läuft alles zusammen

Seine Frauen haben in der Ausstellung einen Namen; all das macht Eichinger nahbar. Gewiss eignet der Ausstellung ein leicht hagiographischer Zug. Und selbstredend ist sie auch eine kleine Firmengeschichte der Münchner Constantin, die wesentlich geprägt wurde von Eichinger. Immerhin bleibt das gespaltene Verhältnis zwischen dem Produzenten und der deutschen Filmkritik nicht ausgespart: Eichingers Filme wurden teils heftig attackiert wegen ihres Mainstream-Charakters.

Höhepunkt und Zentrum von „… alles Kino“ bildet dann eine Installation mit dem Schreibtisch aus Bernd Eichingers Münchener Wohnung und mehreren großflächigen Projektionen. Das Ganze verbindet die Bilderwelten, Risikobereitschaft, Energie und doch auch den Eigensinn einer Ausnahmepersönlichkeit – eben volle Dosis.

Bernd Eichinger – ... alles Kino .bis zum 6. Oktober 2013 im Filmmuseum am Potsdamer Platz ( Potsdamer Str. 2).
Geöffnet Di.-So. 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr, Eintritt 5 Euro (ermäßigt 4 Euro)