23.12.2011

Champagner: Die Einsame kam ganz in Weiß

Von Barbara Wrede

Champagner in durchsichtigen Plastikbechern. Arbeit verkauft. Wir stießen an. Während Herr F. in einem Bilderstapel blätterte, zeigte ich Frau S. Bücher mit Zeichnungen von Hunden unter Fernsehern. Herr F. schenkte nach.

Durch die geöffnete Hoftür schien der Mond. Anstatt mich über den Verkauf zu freuen, setzte Lähmung ein. Nie wieder würde ich einen Stift anfassen können. Was sollte nun werden? Sollte ich den Deal nicht lieber rückgängig machen?

Was, wenn die Auswahl zu Hause nicht mehr gefiel? Ob die Werke dann umgetauscht werden würden? Oder Geld zurück? Wie sollte ich mit bereits privat benutzter Arbeit verfahren? Ob die auf immer und ewig die Ungeliebte sein würde? Wäre das einem möglichen nächsten Käufer egal? Wanderkunst? Zigarette. Meine Hände zitterten. Bloß nichts anmerken lassen. Luftpolsterfolie. Bilder einpacken. Allerletzter Blick. Sie sind ja ganz betrunken, sagte Herr F. und nahm mir die Klebebandrolle aus der Hand, um selbst die Verpackung der Werke abzuschließen. Verlegenes Kichern. Plötzlich stand sie da. In der Mitte des Türrahmens. Ganz in Weiß.

Für eine mit der Rollkofferseuche hier in den Kiez Eingeschwemmte sah sie zu ursprünglich aus. Die Dame ruckte sich die Tasche über ihrer Schulter zurecht. Stand da und guckte. In einer Hand trug sie eine Plastiktüte. Ich dachte an den Regentag, an dem ich Howard Carpendale an einer Kreuzung am Gendarmenmarkt traf. Er war ganz in Weiß gekleidet, wartete mit mir und zwei Mädchen, die er beschimpfte, weil sie ihm den Regen mit den dargebotenen Schirmen nicht vom Leib hielten, an einer Ampel. Weißer Meckerpunkt an einem grauen Tag.

Guten Abend, sie sei eine echte Rothaarige, sagte die Dame und strich sich durch die lilatonige Pracht. Ich nickte und gab ihr einen Becher. Für mich?, fragte sie ungläubig. Ich nickte wieder. Wir prosteten Frau S. zu. Herr F. hatte sich in die hinterste Atelierecke verkrümelt, hockte vor einem Fach mit Stiften, die er zählte, und er tat so, als wäre er gar nicht da. Die Dame fragte, was wir hier machen würden. Und wie so oft, wenn Besucher meiner Werkstatt das wissen wollen, fiel mir keine Antwort ein.

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