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Claus Peymann versus Tim Renner: Berliner Kultur-Kampf geht in die nächste Runde

Tim Renner (l.) und Claus Peymann haben in ihrem Streit Gesellschaft bekommen.

Tim Renner (l.) und Claus Peymann haben in ihrem Streit Gesellschaft bekommen.

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dpa

Die Keilerei zwischen Claus Peymann und Tim Renner geht weiter. Nachdem der Noch-Intendant des Berliner Ensembles (bis 2017) den Kulturstaatssekretär am 1. April in einem Brief an Berlins Regierenden Bürgermeister als „größte Fehlbesetzung des Jahrzehnts“ bezeichnet hatte, schlug Renner tags darauf zurück, und zwar unter die Gürtellinie. Er nannte Peymann einen alten Sack.

Nicht wirklich natürlich, Renner drückte sich vornehmer aus. „Er ist nicht mehr der jüngste“, sagt er im Interview mit dem Sender „radioeins“. Nun ist Peymann 77, aber fies ist das schon. Dabei hat Peymann dem erst 50 Jahre alten Renner sogar einen Job angeboten, als Regieassistent nämlich. „Dass er mal weiß was Theater ist, was Kunst ist.“ – „Mich würde eher moderneres Theater interessieren“, schoss Renner zurück. „Das Gorki-Theater oder Ostermeier an der Schaubühne.“

Älterer, trauriger Herr

Des weiteren gab sich Renner gelassen und souverän, etwa indem er staatstragend Verständnis heuchelte. „Er (Peymann) ist 16 Jahre an dem Haus gewesen, dass er da anfängt ein bisschen um sich zu schlagen und jeden in Frage zu stellen, den er mit dafür verantwortlich hält, dass sein Vertrag nicht verlängert wird, das finde ich menschlich nachvollziehbar.“ Er sei eben ein älterer, trauriger Herr. Auf den Peymann-Zug sprangen dann noch ein paar Oppositionspolitiker auf. Ganz unterhaltsam das alles, wenn man am Gründonnerstag sonst nichts weiter vorhatte.

Unmittelbarer Anlass für Peymanns Ausbruch waren übrigens Tim Renners Pläne für die Volksbühne, dabei ist Peymann nicht als Freund Castorfs bekannt. Aber nun teilen sie ein Schicksal: Castorf muss als Intendant der Volksbühne auch bald und gegen seinen Willen Schluss machen.

Was seine Nachfolge angeht, sprang dann inmitten des ganzen Gekeifes noch eine Information heraus: Nämlich dass der hoch gehandelte, ja von einigen schon als gesetzt verkündete Chris Dercon, Direktor der Londoner Tate Gallery, es vielleicht doch nicht wird.

„Ich kann Ihnen versprechen, dass die Leitung ein ganz starkes Theaterwissen haben wird, das ist eines unser wichtigsten Häuser“, sagte Tim Renner bei „radioeins“. Er kenne Dercon gut, dieser habe sogar Theaterwissenschaft studiert. „Aber wenn ich von profundem Theaterwissen spreche, dann gehe ich sogar von Regieerfahrung aus, und die hat Dercon nicht.“ Nach Adam Riese müsste der Museumsmann Dercon also raus sein. Oder es werden zwei Leute das Theater leiten, Dercon und jemand mit Bühnenerfahrung. In sechs Wochen wissen wir mehr.