30.01.2012

Computer: Hacken – ist es gut, böse zu sein?

Von Peter Glaser
Hacken war schon immer ein Generationskonflikt
Hacken war schon immer ein Generationskonflikt
Foto: dpa

Einerseits übertreffen sich Hackergruppen mit fragwürdigen Mutproben. Auf der anderen Seite decken sie technische Fehler auf, die Ausgangspunkte großartiger Entwicklungen sein können.

Rebellion ist die Pflicht der Jugend. Manchmal, auch Erwachsene wissen das, kann Pflichterfüllung ziemlich anstrengend sein. Gelegentlich stellt sie einen vor Fragen wie: Was finde ich gut und was bescheuert? Oder: Finde ich es gut, böse zu sein? Oder: Wie weit kann ich eine Mutprobe treiben, um zu zeigen, dass ich nicht nur, wenn ich in der Badewanne untertauche, länger die Luft anhalten kann, sondern dass ich von meinem Laptop aus ganze Regierungsbehörden in Bewegung setzen und also ein immens cooler, mit modernster Macht erfüllter Hacker sein kann?

Die Hackertruppe, die bis vor kurzem unter dem Markennamen LulzSec tätig war, hatte es vorgemacht und tausende E-Mails, Namen und Passworte von Nutzern einer Porno-Website ins Netz gestellt, um die Leute bloßzustellen. Eine Gruppe namens A-Team zog nach und veröffentlichte Namen, Adressen, Telefonnummern und Details aus dem persönlichen Umfeld – nicht von Firmen oder Xxxperten, sondern von anderen Hackern. Man könnte vermuten, dass es sich dabei um junge Männer handelt, die mit Hightech herumgockeln und die man auch gern mal fragen würde, was sie nach der Pubertät noch so alles vorhaben.

Bekriegen als neue Kunstform

Sie versuchen sich nun gegenseitig zur Schnecke zu machen. Für Gabriella Coleman, Professorin an der New York University, die an einem Buch über die Hackercombo Anonymous arbeitet, hat das ganze den Charakter eines Spiels: „Sich zu bekriegen, ist eine eigene Kunstform geworden. Jemand sagt: Mich findet keiner! Wenn einer ihn dann doch findet, gibt das natürlich eine fette Trophäe.“

Das ganze ist nicht neu. Es folgt einer geradezu altehrwürdigen Tradition. Seit den frühen achtziger Jahren bin ich im Chaos Computer Club, wir haben das früher auch schon gemacht. „Das“ heißt: Spielräume in der neuen digitalen Welt zu suchen. Jugend forscht. Als wir anfingen, waren wir für die damaligen alten Hasen, die sich ihre Sporen an klimatisierten Großrechenanlagen verdient haben, lästige kleine Nervensägen. In einem Essay über das Programmieren beschrieb Ed Post 1983 den Unterschied zwischen „Echten Programmierern“, die noch mit Lochkarten umgehen und Atombombensimulationen schreiben können, und den „Müslifressern“ mit ihren komischen Personal Computern (die heute die Weltherrschaft angetreten haben).

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