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Cornelius Gurlitt: Der Anwalt des Phantoms

Hannes Hartung, Rechtsanwalt des Bildererben Cornelius Gurlitt

Hannes Hartung, Rechtsanwalt des Bildererben Cornelius Gurlitt

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dpa

Themis ist die griechische Göttin der Gerechtigkeit, sie stammt aus dem Geschlecht der Titanen. Kein schlechter Name, hat sich der Münchener Jurist Hannes Hartung gedacht, als er seine Anwaltskooperative gründete. Es ist ein besonderer Juristenverbund. Die Themis-Anwälte in Berlin, Hamburg und München, in Wien und Zürich haben sich der Kunst verschrieben. Zu ihrem Klientel – normalerweise Sammler, Künstler, Galerien, Auktionshäuser und Museen – zählt nun ein Mann, der seit dem vergangenen Herbst Schlagzeilen macht: Cornelius Gurlitt, der Herr des Schwabinger Bilderschatzes.

Fahnder haben in der Wohnung des völlig zurückgezogen lebenden Mannes 1400 Gemälde der klassischen Moderne entdeckt und als mögliche NS-Raubkunst beschlagnahmt. Schließlich war Gurlitts Vater einer von Hitlers Kunsthändlern und Sammler von Kunstwerken, die die Nazis als entartet diffamierten.

Das Vorgehen der staatlichen Stellen empört Hannes Hartung, Gurlitts Anwalt in Kunstfragen, hörbar. Plötzlich kommt der süddeutsche Akzent des 1973 in Ulm geborenen und in München tätigen Juristen stärker durch. An seinem Mandanten werde ein Exempel statuiert – dabei habe es der deutsche Staat jahrzehntelang versäumt, Regelungen für Kunstwerke mit zweifelhafter Herkunftsgeschichte voranzutreiben. Zahlreiche Museen und öffentliche Sammlungen schmückten sich mit solchen Werken und weigerten sich, sie an die beispielsweise jüdischen Vorbesitzer herauszugeben.

Raub- und Beutekunst ist Hartungs Spezialgebiet; schon als Jura-Student in Tübingen interessierte er sich für Kunst und besuchte regelmäßig die Kunsthalle. Als dann in Russland im Zweiten Weltkrieg in Deutschland geraubte Kunst auftauchte, eine Diskussion über Beutekunst begann und die Washingtoner Erklärung unterzeichnet wurde, verband Hartung das private Kunst-Interesse mit seiner Profession. So kam es, dass er seine Doktorarbeit über Beutekunst schrieb und heute Museen und Privatleute in Restitutionsfragen vertritt.

Am Fall Gurlitt empört ihn, dass sein Mandant ins „gleißende Licht der Öffentlichkeit“ gezerrt und diffamiert wurde, dass der Raubkunst-Verdacht nur pauschal begründet wird. Man hätte ihm bislang erst zu maximal zehn Kunstwerken aus Gurlitts Sammlung Unterlagen präsentiert, die die Anschuldigung untermauern sollen. Dennoch sei sein Mandant bereit, so Hartung, in Fällen echter Raubkunst mit den Eigentümern eine „faire und gerechte“ Lösung zu suchen. Das klingt nach einem Sinneswandel Gurlitts, hatte er doch in seinem einzigen Interview gesagt, kein Bild freiwillig herausgeben zu wollen. Und mit der vom Staat eingesetzten Spezialistentruppe wollte der 81-Jährige, der im Dezember auf Anraten seiner Ärzte einen Betreuer zur Seite gestellt bekam, angeblich nichts zu tun haben.

Mit Hannes Hartung, der übrigens selbst Kunstsammler ist und als Bariton regelmäßig bei Konzerten auftritt, hat der öffentlichkeitsscheue Gurlitt nun einen sachkundigen Fürsprecher. Und die Task Force endlich einen Ansprechpartner.