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Crowdfunding: Adolf braucht dein Geld!

Der Komiker Oliver Kalkofe hofft auf Spenden.

Der Komiker Oliver Kalkofe hofft auf Spenden.

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dpa

Die erste Etappe seines waghalsigen Manövers hat Joscha Sauer tatsächlich hinter sich gebracht. 100.000 Euro, berichtete sein Spendenzähler Ende der vergangenen Woche, stellen die Fans seiner „Nichtlustig“-Comics bereit. Nach zwölf Jahren kann Sauer seinen Figuren jetzt also zumindest schon mal für eine Episode Leben einhauchen. Sein depressiver Sensenmann und sein „Pudel des Todes“ lernen laufen – vor allem, weil es auch seine Fans so wollen.

„Es ist viel einfacher, mit einem ersten Produkt in der Hand auf größere Geldgeber zuzugehen“, sagt Sauer. Er will unter anderem mit Sendern und Portalbetreibern darüber reden, seine makabren „Nichtlustig“-Späße in eine ganze Serie zu verwandeln.

150.000 Euro hatte er selbst in die Hand genommen, um für die ersten zehn Filmminuten professionelle Grafiker, Techniker und Sprecher zu bezahlen. Der Anreißer gefiel seinen Fans. Jetzt ist genug Geld da, um die erste Folge vorzulegen und – mit Tausenden zahlenden Fans im Rücken – auf Verkaufstour zu gehen. „Das Projekt würde bereits ein Stammpublikum mitbringen“, sagt Sauer. „Das senkt das Risiko für Finanziers.“

Joscha Sauer ist nicht der einzige, der in der deutschen TV- und Filmszene auf das Prinzip Crowdfunding setzt, bei dem die Masse in vielen kleinen Häppchen zur Finanzierung eines Projekts beiträgt. Gerade hat auch der TV-Satiriker Oliver Kalkofe damit begonnen, im Netz die Hand aufzuhalten: Die Zuschauer seiner Reihe „Kalkofes Mattscheibe“ sollen Geldgeber werden.

Spitze des deutschen Kabaretts

Kalkofe spricht von einer „One-One-Win-Win-Wow-Wow-Whoo-hoo-Situation. Wer zwischen 19,99 und 99,99 Euro spendet, dürfe zwar als Co-Produzent nicht mitreden. Er werde aber im Abspann erwähnt und trage vor allem seinen Beitrag zum Qualitätsfernsehen jenseits der gebührenfinanzierten Sender bei. Das Motto der Aktion: „Gemeinsam gegen den Wahnsinn kämpfen“.

Die Comics um die von Walter Moers erfundene Figur „Adolf, die Nazisau“ sollen es wiederum mit Hilfe der Fans sogar ins Kino schaffen. Für „Adolf – der Film“ lief dazu bereits im November eine internationale Crowdfunding-Kampagne an. Eine Million Fans sollen dazu bewegt werden, den Film vorzubestellen, für den zunächst nur eine erste Drehbuch-Fassung vorliegt. Das satirische Motto dieser Kampagne: „Adolf braucht Dein Geld!“ Die Begeisterung hält sich bisher allerdings arg in Grenzen: Die Projektseite listet noch keine tausend Fans.

Und auch die Spitze des deutschen Kabaretts setzt auf die hoffentlich recht locker sitzenden Portemonnaies ihres Publikums. Der Altmeister Dieter Hildebrandt will von März an gemeinsam mit dem Karikaturisten Dieter Hanitzsch das Internet-TV-Portal stoersender.tv bereichern, das wiederum Hanitzschs Sohn aufbaut.

„Ich weiß noch nicht, wie das ausgeht – aber ich freue mich“, sagt Dieter Hildebrandt. Er wolle im Netz ausprobieren, ob Kabarett „auch ohne diese Störelemente der großen Anstalten“ funktioniere, und dafür brauche das neue Portal „die Anteilnahme, ja die Anteile“ der Nutzer. Wer mitmache, der werde nicht Mitglied eines Rettungs- sondern eines Gründungsfonds. 125.000 Euro sollen so mindestens zusammenkommen. Knapp 600 Fans sind bereits beisammen. Für sechzig Euro beispielsweise können sie die ersten zwanzig Folgen lösen.

Club-Gefühl für Fans

Auf Gegenleistungen und auf ein Club-Gefühl für Fans setzt auch Oliver Kalkofe. Wer ihm Zuwendungen zukommen lässt, dem schickt er unter anderem eine Fördermedaille – die gibt es von Bronze über Silber bis Gold. Einige künftige Ergebnisse seiner Produktion sollen zudem nur seine Kleinfinanziers zu Gesicht bekommen. Hier gibt es also Exklusivität gegen Bares.

Auch der Comiczeichner Joscha Sauer hat besondere Köder ausgeworfen. Seine aktuell mehr als 5000 Unterstützer erhalten – je nach Zuschuss zur Produktionskasse – eine signierte Dankeskarte, eine DVD der dann ersten Folge samt Bonusmaterial, limitierte T-Shirts, persönliche Comiczeichnungen oder auch eine Einladung zur Premierenfeier.

„Das mit den Spenden funktioniert natürlich nur, weil ich schon zwölf Jahre „Nichtlustig“-Cartoons zeichne und mir damit nach und nach eine eigene Fangemeinde aufgebaut habe“, sagt Joscha Sauer. Crowdfunding sei also keine pauschale Lösung, aber immerhin eine Alternative zum konventionellen Weg: „Ich kann erst machen, dann verkaufen.“