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DHM: So weiß, weißer geht’s nicht

Blick vom Berliner Dom auf das Deutsche Historische Museum im Zeughaus.

Blick vom Berliner Dom auf das Deutsche Historische Museum im Zeughaus.

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Berliner Zeitung

Im Deutschen Historischen Museum tut sich was. Nein, nicht die viel kritisierte, trotz Materialreichtum oft ziellose Dauerausstellung wurde überarbeitet. Das muss warten. Erst einmal hat der seit zwei Jahren amtierende neue Direktor Alexander Koch ein neues Logo entwickeln lassen. Seit Ende vergangener Woche wird es benutzt, als, wie es in der Pressemitteilung heißt, Ausweis eines Museums, „das auch unabhängig von der Architektur wirkt“, eine „besucherorientierte Marke“ ist, „attraktiv“ und von „hoher wissenschaftlicher Qualität“.

Ob das DHM, eines der beliebtesten Museen Berlins, an mangelnder Attraktivität und Wissenschaftlichkeit leidet und warum es seine von Andreas Schlüter und Ieoh Ming Pei entworfene Architektur nicht mehr als Pluspunkt bewertet, sei dahingestellt. Dass das DHM ein neues Erkennungszeichen gut gebrauchen könnte, war schon länger deutlich. Das alte mit der dreisäuligen Tempelfassade war recht nebulös in seiner Botschaft: Mal prangte es schwarz-weiß-rot in den Farben der kaiserzeitlichen Nationalflagge, dann wieder schwarz-rot-gold in denen der Republik, aber auch schwarz-weiß oder beige.

Vorwurf gegen Museumsdirektor Alexander Koch

Das neue Logo zeigt ein klares weißes „D“ mit Beischrift „Deutsches Historisches Museum“. Die Fläche des „D“ wurde von den Grafikern der Berliner Agentur thoma+schekorr mit fein weiß in weiß abgestuften Diagonalflächen ausgefüllt. Auf grauen Untergründen ist es kaum zu erkennen; in der schwarz-weißen Kopie sieht es aus wie ein Nagel-Bindfaden-Bild aus den 1970ern.

Entwickelt worden sei das Logo, so die Pressemitteilung, „unter der aktiven Einbindung vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“. Der Halbsatz wendet sich gegen den inzwischen weithin hörbaren Vorwurf, dass Alexander Koch zu selbstherrlich agiere, zu wenig kreativ und wissenschaftlich sei.

Die abgesagte Ausstellung über Karl den Großen ist viel zu spät in die Planung gegangen, um gute Stücke einwerben zu können. Das Projekt zum Ersten Weltkrieg hat bei seiner ersten Vorstellung vor allem menschelnde Züge gezeigt. Der Ausstellungskalender orientiert sich zu sehr an historischen Daten statt an Thesen und Themen. Es hat manche Verstimmung gegeben. Das Bundeskanzleramt musste zwischen Koch und seinen Mitarbeitern vermitteln. Doch Koch hat erst zwei Jahre Zeit gehabt; er muss ein schwieriges Haus leiten.

DHM „neu positioniert“

Tatsächlich signalisiere das neue Logo, so die Pressemitteilung, dass sich das DHM „neu positioniert“ habe. Wohin? Das alte Logo stand mit seiner Tempelsymbolik – Deutschland plus Geschichte plus Antike – dafür, deutsche Geschichte systematisch als Teil der europäischen zu sehen. Zum neuen weißen „D“ werden nun allerlei Marketingbegriffe aufgelistet. Das dabei entstehende Bilderrätsel muss man aber selber auflösen: „Themenvielfalt“ (die sich überschneidenden Diagonalfelder?); „Multiperspektivität“ (dito?); „Facettenreichtum“ (noch mal dito?); „Strahlkraft“ (sicher das Weiß); „Selbstbewusstsein“ (?); „Transparenz“ (die Gitterstruktur?); „Transnationalität“ (das Weiß?); „Vernetzung“ (die Überschneidungen?), „Qualität“ (Weiß ist schön?).

Hier nun eine hoffentlich ungerechte und bösartige Gegenlesung: das Weiß als Versuch, die deutsche Geschichte weiß zu waschen. Das Nur-D als Versuch, die unselige These vom Sonderweg Deutschlands zwischen Ost und West zu reanimieren. Die Enge des Buchstabens als Zeichen für den Weg vom einst europäisch ausgerichteten DHM hin zu einem kleindeutschen Nationalinstitut. Herr Koch, wir brauchen Aufklärung.


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