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Dieter Hallervorden: Wozu Aufstieg, wenn’s doch Komödie gibt

Herrlich doof und witzig: Dieter Hallervorden (re.) und Dagmar Biener

Herrlich doof und witzig: Dieter Hallervorden (re.) und Dagmar Biener

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DERDEHMEL/Urbschat

Manchmal ist die Zeit gnädig zu den Menschen und lässt sie irgendwann weniger albern und anmaßend, eher unkonventionell und fast sympathisch erscheinen – zumindest, wenn sie nur auf dem Papier existieren. So könnte man sich heute auch mit Monsieur Jourdain arrangieren, den Molière zur grotesken Hauptfigur seiner 1670 uraufgeführten Ballettkomödie „Der Bürger als Edelmann“ machte (Musik: Jean-Baptiste Lully).

Jourdain hat zwar viel Geld, aber außerdem den unstillbaren Drang nach Höherem. Er möchte bei Hof mit berühmten Leuten verkehren, er möchte singen, tanzen, fechten können, er wäre gern gebildet, fein gekleidet, gut erzogen. Vor allem hätte er gern eine junge Geliebte. Und weil das alles mit dem Adelsstand verbunden wurde, wäre er eben auch gern adelig.

Hallervorden liebt Molière

Mögen derlei Aufstiegsphantasien im 17. Jahrhundert ein törichtes Modephänomen gewesen sein, wirken Jourdains unökonomische Selbstverbesserungsträume in unserer kapitalistischen Welt mit ihrem Konsumwahn und Statusdenken indes gar nicht mehr so lächerlich. Und genauso wenig dieser Jourdain – schon gar nicht, wenn er vom bald achtzigjährigen Dieter Hallervorden gespielt wird, wie nun im Schlossparktheater in der Regie von Folke Braband. Euphorisch trippelt der Bürger bei Hallervorden zwischen Schläue und Schwachsinn herum – ein launiger Einfaltspinsel, der vom Schneider bis zum Musiklehrer belogen und geschröpft wird.

Ob er sich nun extravagante Kleider bestellt, ob er Fremdwörter verwechselt, sich beim Reden verhaspelt, kein Latein kann und noch nie etwas von Physik gehört hat, er ist trotz seiner Reichtümer doch bloß ein armes Würstchen und in seiner naiven Egomanie in erster Linie rührend.

Hallervorden liebt Molière, das merkt man, und Molière liebt Hallervorden, das ist nicht zu übersehen. Folglich geriet „Der Bürger als Edelmann“ zu einer wahre Herzensangelegenheit im Schlossparktheater, für die nicht an Kosten noch Mühen gespart wurden: Die acht Darsteller, darunter Dagmar Biener als von all den Eskapaden entnervte Ehefrau Jourdain, sind bestens in Form und in Schwung, sieben Kandelaber hängen von der Decke und eine stolze Zahl an prächtigen, farbenfrohen Kostümen wurde nach historischen Vorbildern angefertigt (Bühne und Kostüme: Stephan Dietrich).

Und Molière liebt Hallervorden

Folke Braband hat das Stück gerafft, bearbeitet („Madame, wie ist das werte Befinden?“ – „Danke, auch schlecht.“) und – sehr wohltuend – nicht den Ehrgeiz, es neu zu erfinden. Deshalb wird putzmunter vom aufgefrischten Blatt gespielt und kaum eine Gelegenheit ausgelassen, einen kleinen, großen, peinlichen, herrlich doofen oder unerwartet geistreichen Witz zu reißen. Die zweistündige Aufführung ist so gediegen wie närrisch, so bodenständig wie unterhaltsam – und so ernsthaft, wie es eine gute Komödie verlangt.

Der Bürger als Edelmann Wieder am 27.10., 19.-23.11., 6.-14.12., Schlossparktheater, Schlossstr. 48, Steglitz, Tel. 789 56 67 100



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