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Digitale Landkarte Mundraub: Umsonst und draußen

Zum Pflücken gern. Äpfel gibt's auch in der Großstadt.

Zum Pflücken gern. Äpfel gibt's auch in der Großstadt.

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imago/blickwinkel

Berlin -

Mundraub ist eine digitale Landkarte, auf der Obstbäume, Nussbäume oder Kräuter im öffentlichen Raum verzeichnet sind, oder auch in Privatgärten, wenn die Eigentümer das wollen. Jeder kann Einträge machen. Mundraub will verhindern, dass jedes Jahr Tonnen von Früchten ungenutzt verderben. Konstantin Schroth ist seit 2012 für Konzeption und Projektentwicklung bei Mundraub zuständig. Weitere Informationen unter www.mundraub.org

Wenn ich irgendwo einen tollen Obstbaum entdecken würde, würde ich das vielleicht für mich behalten.

Gibt wahrscheinlich viele, die genau aus dem Grund diesen Baum nicht auf der Karte eintragen. Aber je mehr sich die Karte füllt, desto mehr wird deutlich, wie viel es gibt. Ein gesunder Apfelbaum kann bis 300 Kilo Früchte tragen. Und wenn man Apfelmus kochen oder einen Kuchen backen will, reicht schon eine Kiste.

Wie kann ich denn aufgrund der Eintragung auf der Mundraub-Webseite sicher sein, dass ich nicht klaue?

Klar, auch wenn Bäume nicht eingezäunt sind, heißt das nicht unbedingt, dass man sich da einfach bedienen darf. Dafür gibt es die Mundräuber-Regeln. Dort heißt es, dass man sicher sein muss, keine Eigentumsrechte zu verletzen, bevor man etwas in die Karte einträgt oder erntet. Wer ganz sicher sein will, muss sich bei den zuständigen Behörden erkundigen. Das bedarf meist nur eines kurzen Telefonats. Aber man entwickelt mit der Zeit auch ein Gespür dafür.

Worum geht es Ihnen bei Mundraub?

Wir wollen, dass Leute dazu inspiriert werden, rauszugehen, Zeit in der Natur zu verbringen, ihren Kiez und die ungenutzten Ressourcen dort zu entdecken. Damit geht viel einher, eine gesunde Ernährung zum Beispiel, aber auch ein Erschmecken von biologischer Vielfalt. Man tut damit auch etwas gegen Lebensmittelverschwendung. Daraus erwächst oft eine Wertschätzung. Einige engagieren sich dann bei der Pflege von Obstbäumen im öffentlichen Raum.

Gibt es Mundraub-Gelegenheiten nicht vor allem auf dem Land, aber nicht in einer Stadt wie Berlin?

Die Berlin-Karte ist reich bestückt, es gibt mindestens tausend Einträge. Das liegt auch daran, dass kaum jemand einen eigenen Garten hat. Viele Bäume, von denen man ernten kann, sind als Zierhölzer angepflanzt worden, etwa die Kornelkirsche oder die Mispel. Die blühen schön, haben aber auch interessante, leckere Früchte. Dann gibt es Sanddornbüsche und türkische Baumhaseln als Straßenbaum. Für die ist jetzt gerade Erntezeit. Und am Mauerradweg stehen viele Apfelbäume.

Wenn ich auf meine Ecke in Neukölln klicke, dann gibt es Äpfel auf dem Spielplatz in der Rütlistraße, aber auch Kirschen am Landwehrkanal, obwohl die Kirschsaison längst vorbei ist. Aktualisieren Sie die Seite nicht?

Nein, das ist uns auch ganz wichtig. Die Leute sollen sich bewusstwerden, wann etwas reif ist. Wenn wir die Bäume nur drauf hätten, wenn es also etwas zu holen gibt, dann würde der Bildungsaspekt verloren gehen. Die Idee ist, dass man sich den Kirschbaum auch im Januar oder im Mai mal angucken soll, dass man zum Beispiel auch die Blüte erlebt.

Gibt es Projekte neben der Webseite?

Wir veranstalten jetzt im Herbst Erntecamps, da beernten wir mit dem Einverständnis der Eigentümer Streuobstwiesen oder Plantagen. Im Havelland beernten wir derzeit eine Apfelallee. Da hängen Tonnen von Äpfeln, die wir zu Saft verarbeiten lassen. Der ist für die Bundesgartenschau 2015, die in der Region stattfindet. Der soll dort ausgeschenkt werden, und nicht Saft aus einem Konzentrat, das vielleicht aus China importiert worden ist.

Gibt es das?

Das ist heute gar nicht so selten. Viele Apfelsäfte im Supermarkt sind aus importierten Konzentraten. Das ist Wahnsinn und hat mit Rentabilität zu tun. Deshalb werden viele Obstwiesen heute nicht mehr bewirtschaftet. Es ist billiger, Apfelsaftkonzentrat im Ausland zu kaufen. Dabei sind Obstbäume Teil der Kulturlandschaft des Havellandes. Man denke nur an den Herrn von Ribbeck.

Camps, das klingt nach Übernachten.

Genau. Wir machen das von Sonnabend auf Sonntag. Da kann man sich bei uns anmelden. Im Oktober gibt es auch Aktionen.


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