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Drehbuchautor Ralf Husmann: Der Mann hinter Stromberg

Drehbuchautor Ralf Husmann

Drehbuchautor Ralf Husmann

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Berliner Zeitung

Als der Film schon vorbei ist, taucht ein Mann auf der Leinwand auf, um die 50, hohe Stirn, große Ohren, leicht schiefer, spöttisch wirkender Mund. Bernd Stromberg sei so typisch deutsch, sagt der Mann, bei dem es sich laut Einblendung um Hans Schmelzer von der Versicherung Capitol handelt, so einer wie Stromberg wäre woanders gar nicht denkbar. In England zum Beispiel. Man muss ein bisschen mehr wissen, um die Hintergründigkeit dieses Satzes zu verstehen. Zum einen, dass dieser Ralf Schmelzer in Wirklichkeit Ralf Husmann ist, Drehbuchautor der Serie „Stromberg“ und des gleichnamigen Films, der an diesem Donnerstag anläuft.

Zum anderen, dass aus England Protest kam, als ProSieben vor zehn Jahren die erste Staffel der Serie um eine Versicherungsabteilung und ihren charakterlich auffälligen Chef namens Bernd Stromberg ausstrahlte. Zu groß waren die Ähnlichkeiten mit der BBC-Serie „The Office“. Ab der zweiten Staffel stand dann im Abspann, dass die deutsche Serie von „The Office“ inspiriert sei, Geld soll auch geflossen sein – Problem gelöst. Oder, wie Bernd Stromberg sagen würde: „Probleme sind für mich wie Brüste. Wenn Du die anpackst, macht’s am meisten Spaß.“

Aber anscheinend war Husmann der kleine Seitenhieb auf zähe Plagiatsvorwürfe ein Bedürfnis. Dabei muss jedem, der auch nur hin und wieder eine „Stromberg“-Folge gesehen hat, klar sein, dass Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler etwas ganz und gar Eigenständiges geschaffen haben. Weil man Qualität nicht abkupfern kann. Alles Handwerk, antwortet Ralf Husmann gern, gefragt nach der Gag-Produktion am Fließband, die er leisten muss. Was dazukommt: Ein Kopf, in dem die Assoziationen querschießen und sich aufs Abenteuerlichste zu den schon legendären Aphorismen verdichten, in die Bernd Stromberg seinen Sexismus, seinen Opportunismus und seine Selbstüberschätzung packt.

In der Kürze liegt die Würze

Mit möglichst wenig Worten möglichst große Wirkung zu erzielen, hat Husmann jahrelang trainiert, als Witzeschreiber für Thomas Koschwitz, Anke Engelke und Harald Schmidt. Das Privatfernsehen, das in den 90er-Jahren mit Late-Night- und Comedy-Formaten experimentierte, war ein Glücksfall für ihn: Er konnte ausprobieren, wo sein Talent lag und davon leben. Dass er schreiben wollte, wusste Ralf Husmann, seit er sich mit acht Jahren in der kleinen Wohnung in Dortmund beibrachte, auf einer Schreibmaschine zu tippen. Der Vater Arbeiter, die Mutter Hausfrau, es war kein naheliegender Berufswunsch.

Bevor er zum Fernsehen wechselte, zog er zehn Jahre als Kabarettist durchs Land, wobei es ihm großen Spaß machte, die Texte zu schreiben, weniger, damit aufzutreten. Er sei nun mal keine Rampensau, sagt Husmann. Mit „Dr. Psycho“ und „Der kleine Mann“ hat er noch zwei andere Serien mit jenem eigenwilligen Witz geschaffen, der im deutschen Fernsehen so selten ist. Er ist jetzt, mit 49, so etwas wie die Humor-Instanz in der Fernsehserien-Welt. Wie sagt Stromberg? „Die besten Jahre kommen nach 45. War bei Deutschland auch so.“