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Berliner Zeitung | DSDS: Dieter, verschone uns
12. February 2012
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DSDS: Dieter, verschone uns

Nicht mal mehr richtig fies: Der ehemalige Aufreger Dieter Bohlen.

Nicht mal mehr richtig fies: Der ehemalige Aufreger Dieter Bohlen.

Foto:

dapd

Was ist bloß aus DSDS geworden? Die Show ist so beliebig, so unbedeutend und auf eine fast lieblose Art und Weise zahm geworden - nicht einmal Dieter Bohlen taugt noch zur Hass-Figur.

Da sitzt er nun: in einem seiner abscheulichen C&A-T-Shirts, an einem traumhaften Strand der Malediven hinter einem DSDS-Tresen und muss Realschülerinnen dabei zuschauen, wie sie mit ihren halbwüchsigen Hintern wackeln. „Heute will ich Dieter zeigen, dass ich 18 sein kann und nicht zwölf!“ Ach Dieter, das ist doch würdelos, für alle Beteiligten.

Entsetzlich lauwarm

Dieter Bohlen kann eine Sonnenbrille aufsetzen, wegschauen kann er nicht. Es hilft nichts: DSDS ist nunmal immer noch da. Und es schauen sogar noch Leute zu. Fünf Millionen, das ist für die Mutter der Casting-Shows natürlich ein Witz, aber es sind doch mehr als ein paar Verirrte, die beim Einpennen vor der Glotze versehentlich auf dem RTL-Schalter gelandet sind.

Und wo ist eigentlich das Problem: DSDS, diese pietätlose Mischung aus mehr oder weniger peinlichen Auftritten und der natürlichen Spannung des Hopp oder Topp. Der Zuschauer schämt sich ein bisschen, und deshalb schaltet er nach der Werbung wieder ein.

Nur irgendwie ist hier, im Recall auf den Malediven, alles so entsetzlich lauwarm. Die Kandidaten sind lauter minderjährige Prolls von höchstens durchschnittlicher Intelligenz. Wo bleibt denn da die Abwechslung? Bohlen-hörige Mädchen und Jungen, die alles krass und schlimm finden. Krass: Daniele springt abends in den Pool statt schlafen zu gehen! Schlimm: Robin kann kurz vor seinem Auftritt den Text noch nicht!

Zwei Stunden lang passiert nichts

Kein Wunder, dass sich die Spannung in dieser Klassenfahrt-Gesellschaft in Grenzen hält. Zwei Stunden lang passiert im Wesentlichen nichts, und dann immer dasselbe: Eine Truppe nach der andern darf vorsingen. Davor und dahinter reimt sich die Show dramatische Höhepunkte zurecht. Brutale Kritik für Vanessa! Zwischen Daniele und Dardana eskaliert der Streit (er eskaliert!). Natürlich ist die aufgeblasene Dramatik vollkommen lächerlich.

Wie belebend wirkt da zwischendurch einer wie Christian Schöne, bei dem man sich zumindest einbilden kann, er würde das alles nicht so schrecklich ernst nehmen. Er tänzelt im Borat-Tanga am Strand entlang. Und pinkelt dann feierlich ins türkisblaue Meer. Wenn schon geschmacklos, dann wenigstens aus voller Seele.

Oder auch mal Bruce Darnell. „Mach doch nich immer die gleische -“ Er zappelt mit dem rechten Arm in der Luft, er macht Denis nach. Denis glotzt. Bruce steht auf und stakst auf den Strand. Macht noch immer die dämliche Handbewegung von Denis nach. „Kannst du nisch mal irgen-etwas anders machen! Mach doch mal irgen-etwas anders! Isch bitte disch!“
Dieter Bohlen ist müde. Und ein bisschen altersmilde. „Eigentlich singst du so wie deine Hose aussieht. Eben so normal!“ Fieser wird er am Samstagabend nicht.

Neben ihm sitzt Natalie Horler, die jedes Mal sagt, dass es ihr „echt gut gefallen“ hat. Wenn die Sendung doch wenigstens nicht so lang wäre!