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DSDS-Finale: Luca Hänni neuer "Superstar"

Der neue "Superstar": Luca Hänni.

Der neue "Superstar": Luca Hänni.

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dpa

Am Ende zeigte sich das Prinzip von „Deutschland sucht den Superstar“ in aller Schonungslosigkeit: Eben noch hatten sich Daniele Negroni und Luca Hänni wie zwei im Wald verirrte Brüder aneinander festgehalten, um die quälend in die Länge gezogene Bekanntgabe des Ergebnisses zu ertragen, dann endlich hatte Moderator Marco Schreyl doch den Gewinner ausgerufen. Mit 52,8 Prozent der Votings wurde der Schweizer Teenieschwarm Luca Hänni zum „Superstar 2012“.

Nun stand also der eine im Licht und der andere im Abseits: Verabredungsgemäß muss der DSDS-Sieger jetzt noch einmal „seinen“ Song vortragen. Luca tat, was man von ihm wollte, entdeckte dann am dunklen Bühnenrand Daniele und zog ihn hoch auf die Bühne ins Licht. Eine versöhnliche, großzügige, freundliche und sicher gut gemeinte Geste war das. Aber der sonst so tanzfreudige Daniele stand da, als stünde er zum ersten Mal in seinem Leben im Rampenlicht. Das von Dieter Bohlen komponierte „Don’t think about me“, das er eben noch in einer rockigeren und damit interessanteren Version selbst gesungen hatte, war von einer Sekunde auf die andere nun nicht mehr sein Lied. Luca gelang es wiederum auch nicht, aus der eingeübten Choreographie auszubrechen und sich tatsächlich dem armen Daniele zuzuwenden. Wie ein begossener Pudel schlich der zurück dorthin, wo er ab jetzt hingehört: in den Hintergrund. Als die Kamera den Verlierer wieder erfasste, hatte der große Marco Schreyl den kleinen Daniele Negroni in den Arm genommen. Tränen flossen reichlich, und die Kamera zeigte das entsprechend begierig.

Nach dem Sieg läuft die Zeit ab

„Alles, was ihr gemacht habt, habt ihr für diesen Moment gemacht“, hatte Marco Schreyl den beiden Teenies zuvor zugerufen. Ehrlicher müsste es natürlich heißen: „Alles, was wir mit euch gemacht haben, haben wir für diesen Moment gemacht.“ Auch wenn Luca nun 500.000 Euro gewonnen hat, die seine Eltern für den 17-Jährigen hoffentlich mündelsicher auf einer Schweizer Bank anlegen werden, auch wenn ihm nun ein Plattenvertrag sicher ist und eine Blitzkarriere winkt – ab jetzt läuft die Zeit ab. Ein Jahr lang darf sich Luca „Superstar 2012“ nennen und diesen Titel versilbern, dann wird ein anderer süßer Bravo-Boy die Bühne betreten und von RTL zum DSDS-Star moduliert werden. Wer genau das ist, ist eigentlich komplett egal. So wie es auch für das Finale nicht (mehr) wichtig war, wer besser gesungen, schöner performed, die Bühne mehr für sich genutzt, das Publikum intensiver gerockt hatte. Bei allen Auftritten der Finalisten schallte nur großes Lob von der Jurybank. „Stil-Ikone“ Bruce Darnell kiekste ein ums andere Mal „Uberraschunkkk!“, fand dann aber beide Kandidaten wenig überraschend gleichermaßen „perfekt“. Die zuvor vom Onlinepublikum kritisierte Natalie Horler duckte sich den ganzen Abend über komplett, aber auch Juryfallbeil Dieter Bohlen fand nun einfach alles großartig. Lucas Softinterpretation von „The A Team“ kommentiert er mit den Worten: „Wenn du das auf der Titanic gesungen hättest, wären die Eisberge geschmolzen“.

In einem der zahllosen Einspieler, die zwischen den je drei Songs und einem Duett („Almost Lover“ von A Fine Frenzy) gezeigt wurden, hatte der kantige Daniele auf die Qualitäten seines Konkurrenten hingewiesen: „Luca kann 5-Millionen Säle füllen. Aber es sitzen nur Mädchen drin!“ Pech für Daniele, dass kleine Mädchen mit Flatrate-Handys die Hauptzielgruppe von DSDS sind.

Zwei Tage vor dem „echten“ Finale hatte RTL aufgrund einer technischen Panne den Underdog Daniele bereits zum Sieger ausgerufen. Der 16-Jährige vermutete vor der Live-Show deshalb, dass ihm diese „Ente“ am Entscheidungsabend wichtige Punkte bei der Mobilisierung seiner Fanbase kosten könnte. Wahrscheinlicher ist aber, das seine DSDS-Story zwar gut, aber einfach nicht so angesagt bei den Mädchen ist wie Lucas „Und es war Sommer“-Charme. Dabei muss man Daniele zugute halten, dass er sich mit seiner uniquen Reibeisenstimme von ganz unten bis in die Spitze des Wettbewerbs hoch geboxt hatte und damit von Beginn an eigentlich der spannendste Kandidat war. Nur Dieter Bohlen hatte beim Casting das stimmliche Talent erkannt und gab ihm ein Ticket für den „Recall“. Als „Bad-Boy“ hatte RTL ihn dann mit auf die Reise genommen. Als fairer, aber ehrgeiziger Kämpfer musste er DSDS nun kurz vor der Erfüllung seines Lebenstraum verlassen. „Ich habe hier gelernt, ein Ziel vor Augen zu haben“, sagte Daniele. Das ist natürlich mehr wert als ein Plattenvertrag. Aber wenn sich dieses Ziel dann doch nicht erreichen lässt, ist das auch jede Träne, die er an diesem Abend vergossen hat.