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Engagement für Flüchtlinge: Elisabeth Ehninger zur „Bürgerin des Jahres“ ausgezeichnet

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dpa

„Arsch huh, Zäng ussenander!“, singt Wolfang Niedecken und lässt seinen Daumen über die Saiten seiner Gitarre streichen. Auf Hochdeutsch heißt das: Arsch hoch, Zähne auseinander. Ein Song aus dem Jahr 1992, der aber heute wieder Brisanz und Aktualität besitzt. Es war das Jahr, als Neonazis in Rostock-Lichtenhagen ein Asylbewerberheim in Brand steckten.

Damals stand dieser Satz als Motto für eine Kölner Kampagne gegen rechte Gewalt. 100.000 Menschen kamen am 9. November auf dem Chlodwigplatz zu einem Konzert der Kölner Musikszene zusammen, um sich gemeinsam gegen Rassismus stark zu machen.

Niedecken sang dieses Lied damals als Titelsong – am Donnerstag sang er ihn wieder – dieses Mal, um Elisabeth Ehninger und ihren Mitstreitern des Vereins „Dresden a place to be“ zu danken.

Ehninger ist durch ihr Engagement für Flüchtlinge  im Dresdner Verein  zu  „Deutschlands Bürgerin des Jahres“ ausgezeichnet worden.  Der mit 20.000 Euro dotierte Bürgerpreis der Zeitungen wurde zum sechsten Mal vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) übergeben.

Ehninger hatte den Verein mit Freuden gegründet, um sich um Menschen zu kümmern, die fremd in Dresden waren. Das war lange bevor Pegida auf der Oberfläche erschien. Seitdem ist der Verein stetig gewachsen und längst über Landesgrenzen hinweg als Bündnis bekannt, das für Weltoffenheit und Toleranz steht – auch als Gegenentwurf zur flüchtlingsfeindlichen Pegida-Bewegung.

Am 26. Januar 2015 organisierte der Verein auf dem Theaterplatz ein Konzert mit Herbert Grönemeyer – ganz so wie damals in Köln. „Wir überlegen nicht, wir machen“, sagte Ehninger, als sie den Preis entgegennahm, auch wenn sich der Verein oft mit Anfeindungen und Drohungen konfrontiert sehe.

De Maizière: Dresdens Ruf geschädigt

„Ehninger kämpft für ihre Vision eines bunten und offenen Dresdens. Daran kann man sehen, wie nachhaltig humanitäres Engagement aussehen kann“, sagte Helmut Heinen, Präsident des BDZV. „Ich hielte es für fatal, wenn wir durch Grenzkontrollen unsere Freizügigkeit im Schengenraum aufgeben würde“, sagte er. Dafür erhielt Heinen von den Vertretern aus Politik und Medien viel Applaus.

Und er appellierte  gleichzeitig an die Medien: Sie sollen die wirklichen Dimensionen von Flüchtlingszuwanderung benennen und auch die demografischen Entwicklungen ohne ideologische Scheuklappen darstellen, um auch nur den Anschein der Verbreitung von Halbwahrheiten entgegen zu wirken.

Innenminister Thomas De Maizière sagte, um Dresdens Ruf sei es durch die „Gesellschaftsspalter“ und „Scharfmacher“, die ein fremdenfeindliches Bild zeichneten, nicht gut bestellt. Doch dies sei keineswegs nur ein Dresdner Problem, sondern ginge weit über die Stadtgrenzen hinaus. „Ich will mich nicht damit abfinden, dass unsere Demokratie das abfängt. Wir müssen schon etwas tun“, sagte De Maiziére, der selbst auch mit seiner Familie in Dresden lebt.

Wie man jetzt mit der AfD umgehe, da müsse erst  noch ein Weg gefunden werden, totschweigen bringe nichts. Die AfD habe keine Lösungskompetenz, sondern sei nur eine Protestpartei. Politik und Medien müssten  versuchen, die Reichweite zu erhöhen, um Menschen wieder zu erreichen. „Ich erkenne keine Entpolitisierung“, sagte der CDU-Politiker. Der Verein „Dresden a place to be“ zeige dies. „Das ist Politik vom Feinsten. Politische Auseinandersetzung  geht weit über Politik heraus.“