blz_logo12,9

Erklärungsversuch: Was der Hipster wirklich will

Ein Hipster weiß, wie er sich für ein Foto in Szene setzen muss.

Ein Hipster weiß, wie er sich für ein Foto in Szene setzen muss.

Foto:

BLZ/Markus Wächter

Die Soulband Tower of Power beantwortete die Frage, was denn „hip“ sei, in ihrem Stück „What Is Hip“ im Jahr 1973: „Hipness is - what it is! And sometimes hipness is / What it ain't!“, auf deutsch: „Hipness ist, was es ist! Und manchmal ist Hipness, was es nicht ist!“

Hipster hat sich von der Bezeichnung für einen Angehörigen einer bestimmten US-amerikanischen Subkultur zum Schimpfwort entwickelt. Die Vorläufer der heutigen Hipster sind Dandys, Stutzer, Fatzkes und Popper, auch diese Wörter wurden anstatt als Definitionen bald im despektierlichen Sinn verwendet.

Nach dem Amerikanisten Mark Greif tauchten die gegenwärtigen Hipster zuerst 1999 wieder mit positiver Bedeutung auf, nachdem der Begriff bereits lange eine Beleidigung war. Gemein mit vielen Schimpfwörtern hat Hipster, dass zwar andere so bezeichnet werden, aber niemand auf die Idee kommt, er selber könnte zu dieser Menschengruppe gehören. Hipster ist keine freundliche Umschreibung mehr. Derzeit werden besonders vollbärtige Männer zwischen 20 und 30 mit Sonnenbrillen so bezeichnet. Den Hipster erkennt man an Piercings, Tätowierungen, Holzfällerhemden, übergroßen Hornbrillen, Schlauchschals und an den Füßen tragen sie Vans oder Converse.

Auch die Frisuren sind Anzeichen von Hipstertum, ist das Haar über dem Ohr in gerader Linie um den gesamten Kopf herum abrasiert, so dass nur das lange Deckhaar stehenbliebt, handelt es sich um den Sidecut. Beim Undercut ist die Rasur dagegen asymmetrisch und ragt ins Deckhaar hinein.

Vorgeworfen werden Hipstern ihre Oberflächlichkeit, ihr Desinteresse an Politik und ihr Widerspruch, sich einerseits von der Masse absetzen zu wollen und doch andererseits längst eine so große Gruppe zu bilden, dass darin jede Individualität weit verbreitet auch wieder zum Massenphänomen wird.

Das Wort Hipster stammt aus den USA, eingeführt wurde es von Harry Gibson, genannt „The Hipster“, in den 40er Jahren. Gibson bildete es aus den Wörtern „hep“ und „hip“, womit Freunde des Jazz gelungene Stücke auszeichneten.

Der Ur-Hipster rauche Marihuana

Hipster waren bis Anfang der 60er Jahre Bohemiens aus Manhattan, ihr zentraler Begriff „cool“ ist heute noch allgegenwärtig. Ihnen verdanken wir das Schimpfwort „Hippie“ für Möchtegern-Hipster, das nach dem positiven Bedeutungswandel einer noch größeren Jugendbewegung ihren Namen gab. Der Ur-Hipster trug schwarz, Sonnenbrille, Baskenmütze, Unterlippenbart und rauchte Marihuana.

Sagt man heute Hipster, so ordnet man nicht den Stil und Geschmack einer Gruppe zu, sondern mokiert sich über modische Verirrungen, so wie Uli Hannemann in seinem Roman „Hipster wird's nicht“. Besonders lächerlich erscheint das Hipstertum bei über 40-jährigen, so bei seinem Ich-Erzähler, der nach einer Beschimpfung als Hipster würdelos davonstakst, weil er sich beim Rasieren der Hoden eine Fleischwunde zugezogen hat.

Der zeitgenössische Hipster hat einen üblen Ruf und wird verspottet, so gibt es den Comic „Hipster Hitler“, in dem die Laufbahn des modischen Politikers nacherzählt wird oder das „Hipsterquartett“, in dem die Hipster mit der Zahl ihrer Jutebeutel, ihrer Projekte oder ihrem Matekonsum trumpfen können. Besonders trifft man mit der Beschimpfung Hipster diejenigen, die sich für Alternative halten. Denn sie interessieren sich für moderne Kunst und Musik, für Independentfilm und Literatur, sind politisch engagiert und fortschrittlich. Dass man sie nur wegen äußerlicher Gemeinsamkeiten mit oberflächlichen Hipstern gleichsetzt, verletzt sie.

In den USA, immerhin Vorreiter der Hipster, gibt es seit 2010 auf youtube den Song „Fuck You Hipsters“, der viele Vorwürfe zusammenfasst: „Ist es nicht verwirrend, so sehr darauf zu achten, dass man aussieht, als ob man überhaupt nicht darauf achtet? Ist es nicht ironisch, so besessen von Ironie zu sein, dass Ihr mit Eurer Liebe zur Ironie längst selber ironisch seid?“

Die Musik der Hipster klinge, als würden Delfine vergewaltigt und ihre Jeans seien so eng, dass man ihre Geschlechtsteile sehe. Aber da sich niemand mehr selber als Hipster sieht, trifft die Beschreibung der Chemnitzer Band Kraftklub zu: „Ich bin ein Hipster und mache einen Song gegen Hipster.“



Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?