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Exception culturelle: Kulturelle Besonderheiten in Frankreich

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picture-alliance/ dpa/dpaweb

Paris -

Entsprechend selbstbewusst zeigte sich denn auch Außenhandelsministerin Nicole Bricq, als sie mit dem Ansinnen konfrontiert wurde, Frankreichs Kulturleben und dessen Besonderheit umfassender staatlicher Förderung bei den europäisch-amerikanischen Freihandelsverhandlungen zur Disposition zu stellen.

Kultur sei keine Ware, stellte die Ministerin klar. Musik, Kino oder auch Fernsehen seien von den transatlantischen Freihandelsgesprächen deshalb auszuklammern. In dem Wissen, dass Paris hiervon niemals abrücken würde, erklärten die EU-Partner in den TTIP-Verhandlungen die französische Position zur europäischen.

Und so erfreuen sich Frankreichs Film- und Musikschaffende in Zeiten der Globalisierung weiterhin umfassenden Schutzes und großzügiger Förderung. Private wie öffentliche Rundfunkanstalten haben darauf zu achten, dass mindestens 40 Prozent des gesendeten Liedguts französischsprachig ist. Fürs Fernsehen gilt Entsprechendes: 40 Prozent der ausgestrahlten Filme müssen französische Produktionen sein.

Bewahrung der kulturellen Vielfalt

Auch sind Fernseh-Anstalten verpflichtet, mindestens 2,5 Prozent ihres Umsatzes in französische Filme zu investieren, sei es, dass sie Senderechte erwerben oder sich als Produzenten versuchen. Angefangen von obligaten Sendeplätzen für experimentelle oder künstlerische Werke bis hin zum Kinobesuch fördernden Verbot, im Fernsehen sonnabends Spielfilme zu zeigen: Ein seit Jahrzehnten wucherndes Vorschriftendickicht schützt Frankreichs Kultur vor den rauen Winden des Weltmarkts.

Was nicht heißt, dass sich das Land kulturell abschotten würde. Während etwa ausländisches Kino in den USA kaum zum Zuge kommt, sind in Frankreich zahllose Filme aus aller Welt zu sehen, die sich kommerziell nicht durchsetzen konnten, künstlerisch aber beeindrucken. Auch subventioniert der französische Staat die Übersetzung ausländischer Literatur, erfreut Architekten aus aller Welt mit öffentlichen Aufträgen.

Eines freilich beginnt sich zu ändern. Anstatt auf kulturelle Besonderheit zu pochen, was als nationaler Hochmut ausgelegt werden könnte, sprechen französische Kulturpolitiker inzwischen diplomatischer von der Notwendigkeit, die kulturelle Vielfalt zu bewahren. Der ungeteilte Beifall ihrer Landsleute ist ihnen auch so sicher.