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Film „Ich – Einfach unverbesserlich 2“: Vater, Mann, Geheimagent

Wie man sieht, grübelt Gru hier, assistiert von den Minions.

Wie man sieht, grübelt Gru hier, assistiert von den Minions.

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Universal

Vom weltenbedrohenden Superschurken bis zur lächerlich trashigen Feenprinzessin ist es oft nur ein winzig kleiner Schritt. Davon kann man sich derzeit auf die herrlichste Weise in dem Animationsspektakel „Ich – Einfach unverbesserlich 2“ überzeugen. Eben noch war er der von allen gefürchtete Mondklauer Gru. Nun hat sich der blasse, hyperintelligente Großkriminelle mit dem heftigen osteuropäischen Akzent offensichtlich gut in seinem geläuterten Leben mit den drei Adoptivtöchtern Margo, Agnes und Edith eingerichtet.

Mehr noch: Er hat sein Dasein vollkommen auf das Wohlergehen der drei ehemaligen Waisen ausgerichtet. Statt Massenvernichtungswaffen entwickelt er im Kellerlabor mit Hilfe seiner zahllosen Minion-Gehilfen neuerdings Marmelade. Und wenn die bestellte Fee zum Kindergeburtstag nun mal nicht auftaucht, schlüpft der nicht gerade schlanke Gru eben selbst in das rosafarbeneRüschenkostüm mit der blonden Perücke und wird so zu Grusinkabell. Die Leidensfähigkeit des Mannes ist anbetungswürdig, nicht von ungefähr belagern ihn die unverheirateten Nachbarinnen. Wahrscheinlich würde das mit der totalen Selbstaufgabe irgendwann schief gehen, aber da stöckelt auch schon die patente Agentin Lucy Wilde in seinen Vorgarten. Die AVL (Antiverbrechensliga) braucht den Experten fürs Böse dringend in einem alarmierenden Fall von Laborklau. Ein Unbekannter hat ein Serum erbeutet, mit dem man jedes noch so friedliche Wesen in eine reißende Bestie verwandeln kann und droht damit – ganz genau, denn darauf läuft es ja eigentlich immer hinaus –, die Welt unter seine Herrschaft zu zwingen.

Dieser Plot klingt nun freilich ziemlich abgedroschen. Tatsächlich ist er es auch, denn romantische Alleinerziehender-Vater-Agenten-Superhelden-Coming-of-Age-Geschichten haben ja eine lange Tradition. Aber wie es möglich ist, dem scheinbar allzu Vertrauten ein gehöriges Maß an Witz abzutrotzen, zeigen die Macher des Sequels zu dem überraschenden Mega-Erfolg „Ich – Einfach unverbesserlich“ auf lehrreiche Weise. Dabei bedienen sie sich auch des verabscheuungswürdigsten Unterhaltungsmittels: des Niedlichkeitsterrors. Nicht nur die kleine Agnes sorgt in ihrer ganzen vertrauensvollen Unschuld und mit ihren Rehaugen für ergebene Seufzer, dieses Mal haben auch die kleinen Minions ihren ganz großen Auftritt. Der tollpatschig wirkende, weitsichtige Brillenblick, die Münder mit den Zähnen, die an Kleinkinder erinnern, sind im Grunde ganz schön fies.

Konterkariert durch flotten „Sprach“-Witz, jede Menge anarchischen Humor und feinsten Slapstick wird daraus aber eine wunderbar knallbunte, liebevoll ausgestattete Nummernrevue. Mimisch und gestisch sind die Figuren jederzeit auf den Punkt gebracht. Wie schon im Vorgängerfilm finden sich auch hier verschwenderisch eingestreute Randgags, und die Freude an Kostümierung und Camp ist ansteckend. Emotional nicht zuletzt durch den eingängigen Soundtrack von Pharrell Williams und Heito Pereira manipuliert, verlässt man das Kino nach dem Abspann in heiterer Zuversicht. Menschen mit einem weniger korrumpierbaren Charakter als die Autorin mögen bemängeln, dass hier doch nur wieder die Kleinfamilie gerettet wird.

Ich – Einfach unverbesserlich 2 (3D) (Despicable Me) USA 2013. Regie: Pierre Coffin, Chris Renaud, Drehbuch: Ken Daurio, Cinco Paul. 98 Minuten, Farbe. FSK o. A.