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Film „Taffe Mädels“: Immer voll auf die Nüsse

Taffe Führungskräfte: Detective Mullins (Melissa McCarthy) und FBI-Agentin Ashburn (Sandra Bullock).

Taffe Führungskräfte: Detective Mullins (Melissa McCarthy) und FBI-Agentin Ashburn (Sandra Bullock).

Foto:

Twentieth Century Fox

Oft hört man von männlichen Vorgesetzten, die ihre weiblichen Angestellten zur Schnecke machen. Der umgekehrte Fall ist selten. Und doch er wird sofort plausibel, wenn man Melissa McCarthy durch das Bostoner Polizeirevier stapfen sieht – sexistische Beleidigungen und derbe Gewaltdrohungen sind hier grausamer Alltag. Alle haben Angst vor Detective Shannon Mullins, ducken sich weg. Ihr Chef sagt, vor Gram sei er vorzeitig ergraut. Was tut man in solchen Fällen? Man holt die Bundespolizei: Die pedantische FBI-Agentin Sarah Ashburn wird dem schlagkräftigen Schandmaul zur Seite gestellt, um die russische Mafia aufzumischen. Im Grunde suchen beide Seiten einen Ausweg, ihre jeweils besten Kräfte für eine Weile – oder vielleicht auch für immer – los zu sein. So übel ist die Lage. Natürlich hassen sich die beiden Frauen auf Anhieb. Denn in sogenannte Männerdomänen vorzudringen ist das eine, miteinander arbeiten das andere.

Dass Hollywood die Buddy-Komödie mit ihren bekannten Mustern endlich der gesellschaftlichen Entwicklung anpasst, wurde längst Zeit. Doch Schauspielerinnen wie Melissa McCarthy fallen auch nicht vom Himmel. Die neue Komödien-Allzweckwaffe muss ja nicht nur irgendeine Polizistin spielen. Das hat ihr Gegenpart Sandra Bullock auch schon getan, die hier ihren Part aus „Miss Undercover“ pflichtschuldigst wiederholt. Nein, als schwergewichtige Rocker-Lady tritt McCarthy in die Fußstapfen von Mel Gibson. Er war der böse Cop der stilprägenden „Lethal-Weapon“-Filme, die Regisseur Paul Feig – er und McCarthy feierten mit „Brautalarm“ ihren bisher größten Erfolg – hier recht geschickt adaptiert. Gibsons Figur war suizidal veranlagt, stand mit dem Gesetz auf Kriegsfuß und brachte den Kollegen und guten Cop (Danny Glover) zur Weißglut. McCarthy, die ihre Waffen im Kühlschrank aufbewahrt und eine halbkriminelle Familie ihr eigen nennt, macht mit Bullock dasselbe.

Doch lassen wir die Vergleiche. Schließlich ist „Taffe Mädels“ einer der statistisch betrachtet sehr wenigen Filme, in denen Frauen hin und wieder miteinander kommunizieren, ohne dass es um einen Mann geht – es sei denn, er ist kriminell. Dann allerdings wird nicht mehr lange geredet. Den Damen mag letztlich die Kraft fehlen, einen Verdächtigen vom Balkon baumeln zu lassen – armer Kerl. Doch allgemein erledigen sie ihre Action-Aufgaben so gut, dass ein Einwand erlaubt sei: Das von Katie Dippold verfasste Drehbuch hätte etwas mehr Härte und weniger Comedy durchaus vertragen. Wenn Frauen es auch können sollen, warum geht der Film nur den halben Weg? Ein paar Kollateralschäden, die im Komödienkontext irritierend wirken, machen noch keinen Thriller.

Anders als „Bridesmaids“ ist dies auch kein Film, der sein Genre transzendiert und damit in eine neue Richtung weist. Stattdessen lebt er von der überragenden Performance von Melissa McCarthy und macht innerhalb seiner Grenzen alles richtig. Probleme mit falsch sitzenden Spangen und Strumpfbändern, stellt sich heraus, sind auch nicht lächerlicher als die Testosteron-Kaspereien der männlichen Kollegen und werden von Detective Mullins zupackend gelöst. Das kann schmerzen – wie auch die Erkenntnis, dass Frauen letztlich doch am besten zusammenarbeiten. Hat irgendwer was anderes behauptet? Der bekommt ordentlich was auf die Nüsse.

Taffe Mädels (The Heat) USA 2013. Regie: Paul Feig, Drehbuch: Katie Dippold, Kamera: Robert Yeoman, Darsteller: Sandra Bullock, Melissa McCarthy, Demián Bichir u. a.; 118 Minuten, Farbe. FSK ab 12.