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„Chappie“ von Neill Blomkamp: Transformer trifft Wolverine

Spiele niemals Gott: Dev Patel als gestresster Roboterkonstrukteur Deon.

Spiele niemals Gott: Dev Patel als gestresster Roboterkonstrukteur Deon.

Foto:

ap/Stephanie Blomkamp

Berlin -

Deon ist der etwas streberhafte Chefingenieur einer Firma, die der überforderten Polizei von Johannesburg eine Armee hocheffektiver Robotern zur Seite stellt. Einen elektronischen Hausangestellten hat er sich schon gebastelt – der fragt Deon nach dem Befinden und wienert das Apartment. Das Meisterstück des Ingenieurgenies aber soll ein künstliches Bewusstsein werden. Doch es verhält sich wie beim Atom: Spiele niemals Gott!



Auch wenn die kriminalistisch geschulten Titan-Skelette futuristisch wirken, siedelt Neill Blomkamp seinen Film „Chappie“ im Jahr 2016 an. Einerseits ist alles viel schlimmer als heute. Andererseits: Eine solche Ansammlung von Freaks, wie sie der Regisseur von „District 9“ und „Elysium“ hier versammelt, ließe sich möglicherweise auch im aktuellen Johannesburg antreffen. Zumal Yo-Landi Visser und Ninja zum Ensemble zählen, die Stars der südafrikanischen Band Die Antwoord, die ihren wüsten Rap-Rave in „Chappie“ mit anderen Mitteln fortsetzen.

Hoffnung auf die Prominenz der Darsteller

So zieren ihre „Fok-Off“-Grußbotschaften die Wände jener Fabrikruine, in die sie Ingenieur Deon verschleppen, um die Kontrolle über die Scouts genannten Blechpolizisten zu erlangen. Doch es kommt zu einer Familiengründung anderer Art: Scout Nummer 22, ausgestattet mit Deons künstlicher Intelligenz, befindet sich erst einmal wie ein Mensch im Stadium der Infantilität. Er nennt Yo-Landi und Ninja Mami und Vati und wird im Gegenzug „Chappie“ getauft.

Allerdings vertraut Blomkamp etwas selbstgefällig darauf, dass der Kult um Die Antwoord auf den Film abfärbt – und auch die Prominenz der übrigen Darsteller hilft. Dev Patel („Slumdog Millionaire“) ist als Erfinder Deon zu sehen und könnte mit Krawatte und Brille mal wieder jedes Quiz gewinnen. Hugh Jackman ist sein Gegenspieler Vincent, der vor allem durch eine bizarre Frisur auffällt. Wie „Chappie“ überhaupt eine einzige Parade seltsamer Haartrachten und komischer Kopfformen ist, von den rasierten Schädeln der Antwoord-Stars bis hin zu Chappies Hasenohren, die er rot leuchtend spitzt. Blomkamp hat viel Gedanken auf das Design seines Films verwendet. Bei den Set-Dekorateuren Jules Cook und Daniel Bird sitzt jeder Farbtupfer, bis hin zu den quietschgelben oder rosaroten Maschinengewehren.

Kinderseele in einer bösen Welt

Bei einem Film, der die Vision der künstlichen Intelligenz ins Spiel bringt, würde man mehr erwarten als ein paar Transaktionen auf dem Computer. Was aber das gesellschaftskritische Potenzial seiner Geschichte angeht, überschreitet Blomkamp den Horizont seines Titelhelden Chappie nicht. Die Welt, in die der Roboter mit der Kinderseele geworfen wird, ist böse, gewalttätig und ungerecht.

Am deutlichsten wird das Übel durch Vincent, der voller Hass seine eigenen Kampfmaschinen auf die Menschheit loslässt. In diesem Endkampf sieht „Chappie“ aus wie eine Neuauflage der „Transformers“, die auf einen durchgedrehten Wolverine treffen. Blomberg zitiert, klaut, entfaltet im schmeichelhaftesten Fall einen amüsanten Spieltrieb wie Chappie, sorgte aber in den meisten Szenen nur für Klamauk. Dass dieser nicht lustig ist, liegt vor allem daran, dass keine seiner Figuren sympathisch ist und es schlicht an Identifikationsangeboten fehlt.

Ein solches soll Chappie bieten: Der Roboter als der bessere Mensch. Tatsächlich vermag der Moment der Beseelung zu berühren, wenn sich die von Sharlto Copley gespielte und dann digital aufgerüstete Mensch-Maschine verängstigt verkriecht. Dann aber lässt sich Chappie mit den falschen Leute ein, so dass sein Getue als „Yo Yo“ deklamierender Rapper am Ende richtig Nerven kostet. Wer so verliebt in seine eigenen Einfälle, selbige weiter und weiter aufeinander türmt, darf sich nicht wundern, wenn sie irgendwann wie Holzklötze durcheinanderpurzeln.

Chappie USA, Regie: Neill Blomkamp, Darsteller: Hugh Jackman, Dev Patel, Sharlto Copley, 120 Min., FSK: ab 12 Jahre.


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