blz_logo12,9

„Planet der Affen: Revolution“-Darsteller Andy Serkis: „Meine Frau erkennt mich auch im Affen“

Der Chef hat heute sehr schlechte Laune: Affenanführer Caesar (Andy Serkis) macht böse Miene zu bösem Spiel.

Der Chef hat heute sehr schlechte Laune: Affenanführer Caesar (Andy Serkis) macht böse Miene zu bösem Spiel.

Foto:

dpa

Im Grunde ist Andy Serkis ein Schauspieler, wie jeder andere. Doch die Karriere des heute 50-Jährigen nahm eine radikale Wendung, als Peter Jackson ihm die Rolle des Gollum in der „Herr der Ringe“-Trilogie gab und gemeinsam mit ihm das Motion-Capture-Verfahren für sich entdeckte. Seither ist Andy Serkis immer zur Stelle, wenn es Figuren darzustellen gilt, die später auf der Leinwand mit ihm selbst keinerlei Ähnlichkeit mehr haben. Seine Paraderolle ist der Affen-Anführer Caesar, den er nun in „Planet der Affen – Revolution“ zum zweiten Mal verkörpert.

Mr. Serkis, was genau passiert beim Motion-Capture-Verfahren? Ist Ihre Arbeit vergleichbar mit der eines Synchronsprechers?

Nein. Ich leihe einer Figur ja nicht nur meine Stimme, sondern stehe immer selbst vor der Kamera. Ich trage einen Ganzkörperanzug, der – genau wie mein Gesicht – mit ganz vielen Sensoren versehen ist. Jede Bewegung, jede Mimik, die man später im Kino an der Figur sieht, stammt von mir.

Unglaublich eigentlich, wie weit die Technik mittlerweile ist...

Absolut. Und sie verändert sich ständig weiter. Beim ersten „Herr der Ringe“-Film konnten wir noch nicht annähernd so differenziert arbeiten wie heute. Aber noch viel spannender ist an dieser Technik eigentlich ihr Potential, gesellschaftliche Grenzen zu sprengen.

Wie meinen Sie das?

Es geht dabei einfach nur um das schauspielerische Können, alles andere ist egal. Mit Motion Capture lösen sich Gender-, Rassen- oder auch Altersbarrieren vollkommen auf. Solange er es körperlich glaubwürdig hinbekommt, könnte ein zarter schwarzer Teenager auf diese Weise einen in die Jahre gekommenen asiatischen Bodybuilder spielen. In „Planet der Affen“ stand meine Kollegin Karin Konoval als männlicher Orang-Utan Maurice vor der Kamera.

Und die Eitelkeit des Schauspielers leidet darunter nicht?

Ich wurde sowieso nicht meiner Eitelkeit wegen Schauspieler. Ich bin eigentlich ein ziemlich schüchterner Kerl. Schon in den Anfangstagen meiner Karriere fühlte ich mich immer dann auf der Bühne am wohlsten, wenn ich ordentlich Make-up im Gesicht hatte. Irgendwie hatte ich immer das Gefühl, dass ich eine Figur umso wahrhaftiger verkörpern kann je weiter sie von mir als Person entfernt ist.

Kommen Sie sich in diesem hautengen Anzug nicht manchmal albern vor?

Nein, gar nicht. Aber der Anzug ist auch nicht unbequem oder so. Im Gegenteil. Man kann sich darin super bewegen.

Erkennen Sie sich in all diesen Motion-Capture-Figuren eigentlich wieder?

Natürlich, in jedem einzelnen Gesichtsausdruck. Die Technik ist ja enorm präzise, da wird wirklich jede noch so kleine Nuance meiner Mimik auf das Gesicht der Filmfigur übertragen. Was man auf der Leinwand sieht, ist eins zu eins meine Performance. Meine Frau und andere, die mich gut kennen, werden mich immer erkennen. Auch im Affen.

Und Ihre Kinder finden das nicht seltsam, ihren Papa als Affen zu sehen?

Zum einen waren meine Kinder immer wieder mit am Set, egal in wen ich mich verwandelt habe. Und zum anderen gehören sie einer Generation an, für die das alles nicht halb so schwer verständlich ist wie für andere. All diese Computersachen sind für sie Normalität. Die sehen dort drüben Papa vor der Kamera, aber einen Affen auf dem Bildschirm – das ist für sie nichts anderes, als wenn sie Nintendo Wii spielen, wo man bowlen kann ohne eine Kugel in der Hand zu haben.

Es gibt immer wieder Diskussionen darüber, ob Motion-Capture-Performances eigentlich auch um den Oscar konkurrieren sollten.

Im Moment geht es immer noch darum, die Leute erst einmal über das Verfahren aufzuklären. Vor allem die Schauspielgemeinschaft muss erst einmal begreifen, worum es bei dieser Art der Arbeit eigentlich geht. Die darstellerische Leistung kommt schließlich nicht von irgendwelchen Technikern, die am Computer sitzen. Verantwortlich dafür ist ein Schauspieler. Nur die Optik stammt von den Spezialeffekt-Experten. Solange meine Kollegen das nicht verinnerlicht haben, wird das mit den Oscars noch dauern.

Das Interview führte Patrick Heidmann.