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„R.E.D. 2“: Kämpfen bis ins hohe Alter

So alt sehen sie noch gar nicht aus: Frank (Bruce Willis) und Sarah (Mary-Louise Parker).

So alt sehen sie noch gar nicht aus: Frank (Bruce Willis) und Sarah (Mary-Louise Parker).

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Concorde

So macht Action Spaß: mit dem familienfreundlichsten Prügelfilm der Saison, mit „R.E.D. 2“. Und das hat seine Gründe. Zum einen liegt ihm das flott geschriebene, vor allem pointenreiche und humorvolle Drehbuch von Jon und Erich Hoeber zugrunde, das wiederum den pointen- und humorbegabten Regisseur Dean Parisot zu einem wahren Reigen wunderbarer, über die ganze Welt verteilter Schauplätze sowie mit allen Mitteln ausgestatteter Schlägereien inspirierte. Ein Augenschmaus. Zum anderen standen bei dieser exquisiten Ich-hau-dir-auf-die-Omme-oder-sprenge-dich-in-die-Luft-Produktion so hervorragende Schauspieler wie John Malkovich, Helen Mirren, Anthony Hopkins, Catherine Zeta-Jones oder Mary-Louise Parker zur Verfügung. Die wissen halt, wie’s geht.

Und dabei war noch gar nicht von Bruce Willis und Byung Hun Lee die Rede! Konnten wir die beiden Mimen kürzlich noch in dem zwar mündungsfeuergesättigten, aber witzlosen und sinnfreien Ich-habe-die-größere-Wumme-Schmonzette „G. I. Joe – Die Abrechnung“ sehen, so prügeln und kalauern sie endlich wieder auf höchstem Niveau. Bruce Willis spielt den Ruheständler Frank Moses, dessen überaus bewegte Vergangenheit als CIA-Agent ihn immer wieder einholt – und zwar in Gestalt verflossener Liebschaften und rachedurstiger Finsterlinge. Byung Hun Lee hingegen gibt den fernöstlichen Kampfkünstler, der seinem Gegenüber mit einem kunstvoll gefalteten Stück Papier schon mal die Halsschlagader perforiert – gewissermaßen ein kultivierter Origami-Killer.

Das alles hat Stil und Würde. Doch was „R.E.D. 2“ über die Action-Dutzendware erhebt, ist eine Komplikation in der Handlung. Frank Moses ist nämlich mittlerweile mit Sarah Ross (Mary-Louise Parker) liiert, mit der entzückenden Rentensachbearbeiterin also, die wir bereits aus dem ersten, 2010 in die Kinos gekommenen Teil „R.E.D.“ kennen. Damals konnte Frank sie vor einem fiesen Killerkommando retten, und zwar per Kidnapping; man kam sich näher und wurde ein Paar. Das wiederum heißt, dass Frank gegenüber Sarah seine weiche, also emotionale und feminine Seite zeigen muss, wie ihm auch sein Freund Marvin (John Malkovich) unaufhörlich einflüstert. Wie aber soll ein „emotionaler und femininer“ Frank noch der harte Kerl sein, der die ganze Welt rettet?

Aus der Beantwortung dieser Frage bezieht der Film seinen ganzen Witz. Eigentlich haben wir es mit einer luftig-leicht geschlagenen Beziehungskomödie zu tun, wenn man so will, mit einem Beziehungsproblembesprechungsfilm für Männer. Frank und Sarah gehen also gemeinsamen auf Weltrettungstour. Dabei lernt Frank von seiner Frau, dass eine fachgerecht geschwungene Faust zwar viel kaputt machen kann, aber nur selten zielführend ist. Und die bis dahin mausgraue, verhuschte Sarah begreift, dass ein selbstbewussteres, gern auch mal handfeuerwaffenverstärktes Auftreten die meisten Männer zuverlässig in Schach hält.

Zugegeben, diese Erkenntnis ist nicht ganz neu, aber ein Familienactionfilm soll ja auch keine revolutionären Geschlechterrollenneuentwürfe bieten. Und doch, ein wenig hat „R.E.D. 2“ davon schon. Denn Helen Mirren gibt in unnachahmlicher Weise die abgebrühte und ebenso warmherzige Auftragskillerin im Dienste Ihrer Majestät, die ihre durchweg männlichen Opfer zuerst bezirzt und nach letaler Nahkampfbehandlung dann auch schon mal in einer mit Säure gefüllten Badewanne zischend und brodeln verschwinden lässt – während sie vollkommen ungerührt mit einem alten Freund am Telefon plaudert. Charmant wie immer. Die Frau ist halt Profi und weiß, was sie will. Und verfügt damit auch über jene Charakterstärke, um dem einzig wirklich gefährlichen, da Massenvernichtungswaffen besitzenden Schurken des Films, Anthony Hopkins als verrückter Physiker Edward Bailey, die Stirn zu bieten.

Kurzum, die Truppe extrem gefährlicher Ruheständler – R.E.D. steht für „Retired Extremely Dangerous“ – bietet vor allem Kurzweil. Der Film lebt von der Klasse seiner zumeist älteren Darsteller. Es macht einfach Spaß, ihnen bei ihrer Arbeit zuzuschauen. Wer den Krawall nicht fürchtet, sollte sich „R.E.D. 2“ unbedingt anschauen.

R.E.D. 2 USA 2013, Regie: Dean Parisot, Drehbuch: Jon und Erich Hoeber, Kamera: Enrique Chediak, Darsteller: Bruce Willis, John Malkovich, Helen Mirren, Mary-Louise Parker, Anthony Hopkins, Catherine Zeta-Jones, Byung Hun Lee u. a.; 116 Minuten, Farbe. FSK ab 16.