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Berliner Zeitung | „Tarzan“: Ich Ken, du Barbie?
20. February 2014
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„Tarzan“: Ich Ken, du Barbie?

Er bewegt sich ziemlich realistisch, guckt aber wächsern: Tarzan.

Er bewegt sich ziemlich realistisch, guckt aber wächsern: Tarzan.

Foto:

Constantin

Ein Meteorit fliegt durch das All, taucht in die Atmosphäre ein und vernichtet alles Dinosaurierleben auf der Erde. Ratlosigkeit befällt uns angesichts des Leinwandgeschehens, denn wir wähnten uns in der Pressevorführung von „Tarzan“, dem neuen 3D-Animationsspektakel aus deutscher Produktion. Wie sich herausstellt, ist der Meteroiteneinschlag aber nur einer der zahlreichen bizarren Einfälle des Regisseurs und Drehbuchautors Reinhard Klooss, um sich der populären Figur von Rice Edgar Burroughs zu nähern. Kurze Zeit später sehen wir einen vielleicht siebenjährigen Tarzan, der den Tod seiner Eltern miterlebt, als sein Forschervater Greystoke in Afrika endlich den lang gesuchten Meteoriten findet. Eine unerschöpfliche, aber tödliche Energiequelle.

Das Waisenkind wird alsdann von einer Affenmutter aufgezogen, spielt mit seinen Gorillafreunden im Urwald, behauptet sich, wovon es ordentlich Muskeln bekommt und staunt Bauklötze, als plötzlich Jane durch den Urwald stolpert. Vermutlich ist Jane das erste menschliche Wesen überhaupt, dessen Tarzan angesichtig wird, denn Afrika wird sonst augenscheinlich nicht von Menschen bewohnt. Das ist insofern erstaunlich, als Klooss sich explizit stärker auf die literarische Vorlage zu stützen behauptet, als die Mehrheit der bisherigen fast einhundert Tarzan-Verfilmungen. Im Roman wimmelt es im Unterholz aber geradezu vor lauter kannibalischen, sinnlos grausamen und hässlichen „Negern“. Rassismus, Sexismus und Gewaltexzess also meidend, wird die Rolle des Bösen dem kapitalistische System der weißen Männer übergeholfen. Hier in Form eines ruchlosen modernen US-Managers, der mit seiner luftgestützten Privatarmee anrückt, um den sich den Meteoriten zu sichern.

So wichtig, richtig und in seiner Intention sympathisch es ist, immer wieder auf die rücksichtslose Ausbeutung von Rohstoffen sowie die teils mörderische Landnahme und die damit verbundene erhebliche Umweltzerstörung durch westliche und zunehmend chinesische (staatlich abgesicherte) multinationale Konzerne hinzuweisen, in diesem Animationsfilm ist die Botschaft verschenkt. Denn das junge Publikum hat angesichts der wirr mäandernden Geschichte längst abgeschaltet. Da hilft auch das wirklich alles erklären wollende Voice-Over nicht mehr weiter. Allein auf die Bilder wollte man sich offenbar nicht verlassen.

Dabei gilt gerade ihnen der ganze Stolz der Macher. Denn im aufwendigen Motion-Capture-Verfahren sind die Menschen und die Gorillas entstanden, also die Bewegungen realer Schauspieler mit zahlreichen Kameras aufgenommen und dann auf die animierten Charaktere übertragen worden. Das ermöglicht großen Realismus, den man auch für die Gestaltung des Urwaldes gewählt hat. Wirklich überzeugend ist das nicht. Zwar springt und schwingt Tarzan recht anmutig durch die wilde Natur, die Mimik und die Oberfläche überhaupt wirken aber wächsern. Wahres Interesse für die weitgehend humorlos auf den ausländischen Filmmarkt schielenden (Spielzeug-)Figuren stellt sich nicht ein.

Tarzan Dtl. 2013. Regie: Reinhard Klooss; Performer: Kellan Lutz, Spencer Locke u. v. a.; Sprecher: Alexander Fehling, Lena Meyer-Landrut, Wigald Boning u. v. a.; 94 Minuten, FSK ab 6.