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„Und Äktschn!“ von Gerhard Polt: Keiner will Adolf spielen

Keine Freunde: Günther (Robert Meyer, l.) und Pospiech (Gerhard Polt).

Keine Freunde: Günther (Robert Meyer, l.) und Pospiech (Gerhard Polt).

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majestic

Diesen Pospiech muss man einfach gern haben. „Ohne Film gäb’s gar keine Realität“, sagt er, „weil die wird nur im Film bewiesen!“ Das ist so schlau und so saublöd, dass es nur von Gerhard Polt stammen kann. Das bayerische Universalgenie spielt den abgebrannten Amateurfilmer Hans A. Pospiech, und er tut das mit einer pospiechschen Naivität und poltschen Hinterlist, dass es einem immer wieder die Schuhe auszieht. Dieses Doppelsinnige ist ja die ganze Krux seines Kabaretts und auch seiner Filme, doch diesmal kreisen die krausen Gedanken tatsächlich um nichts als Film. Wenn man etwas so erzähle, dass es wahrscheinlich ist, geht es weiter, sei „die Wirklichkeit eh nur noch ein Fragezeichen“. Verstanden? Pospiech, dieser Schelm im Narrengewand, versteht wahrscheinlich gar nichts vom Film, aber er weiß besser als jeder andere, worum es geht.

Im Berchtesgadener Land, wo der Film spielt, ist er damit gar nicht so allein. Ein selbst ernannter Filmexperte hat ihn auf dem Kieker, und selbst der Mann von der Sparkasse geriert sich als großer Freund des Films. Der „Risikokunde“ Pospiech darf einen Bank-Imagefilm drehen, scheitert, geht erneut in sein Heimstudio, scheitert wieder. Nichts taugt hier zur großen Geschichte. Aber wie Polt hier die Provinz einfängt, in ihrer neuerdings ganz aufgeklärten Kleinbürgerlichkeit, hat erneut große Klasse.

Alles wäre gut, käme der Schlaumeier Pospiech nicht irgendwann auf diese Idee mit dem Hitlerfilm.„Adolf Hitler privat“ soll ihn in die Schlagzeilen bringen. Man weiß nicht, wie er darauf kommt. Nicht einmal der Hitler-Darsteller will Hitler darstellen: „Ein Arsch war er, kein Massenmörder, einfach nur ein Arsch!“ Aber es hilft nichts, er muss mit Eva Braun (Rolle in der Rolle: Gisela Schneeberger) Zwetschgendatschi essen und sich von Pospiech dabei filmen lassen. Es wird turbulent. Aber man wird den Eindruck nicht los, dass Pospiech respektive Polt – beides lässt sich fürchterlich schwer trennen – sich hier verrennen. Für eine Hitlerfilm-Satire kommt der Film gefühlte zehn Jahre zu spät. Die Rezeptionszyklen habe ihre eigene Dynamik, mittlerweile etwa wäre ja eine Hitlersatire-Satire schon eher zeitgemäß. Polt findet kaum Anknüpfungspunkte an die Wirklichkeit, noch nicht mal die wahrscheinliche, aber auch nicht ans selbstgezeichnete Milieu.

Doch Polts Wirklichkeit ist nun mal eine eigene und er selbst natürlich unzeitgemäß. „Und Äktschn!“ ist, unter der Regie des Austro-Briten Frederick Baker, auch eine wunderbare Reise in eine frühere, herrlich entschleunigte Art des Filmemachens. Im flachen Voralpenland radelt ein einsamer „Kinosaurier“ durch die Nacht, das Kamera-Equipment hinter sich herziehend, die Berge wirken nah und doch so fern. Es steckt viel Liebe in diesem Film, und noch mehr Sehnsucht. Ohne den Peter Ustinov, sagt Pospiech, wüssten wir gar nicht mehr, wer Rom angezündet hat. Und ohne Leute wie ihn wüsste man bald nicht mehr, was man am Kino hat.

Und Äktschn! Deutschland/Österreich 2014. Regie: Frederick Baker, Drehbuch: Frederick Baker, Gerhard Polt, Kamera: Wolfgang Thaler, Darsteller: Gerhard Polt, Maximilian Brückner, Gisela Schneeberger u. a.; 99 Minuten, Farbe. FSK 6.