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9. Pornfilmfestival Berlin : Fetisch, Sexarbeit und Schamhaartoupets

Szene aus dem Eröffnungsfilm "R100" aus Japan.

Szene aus dem Eröffnungsfilm "R100" aus Japan.

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pornfilmfestivalberlin

Das Moviemento-Kino in Kreuzberg verwandelt sich einmal im Jahr zum Treffpunkt von Freunden des alternativen Pornofilms. Auch in diesem Jahr gibt das mittlerweile neunte Pornfilmfestival erneut eine Antwort auf veraltete Klischees und schlechte Pornografie. An fünf Festivaltagen werden dort noch bis Sonntag mehr als 100 Filme aus 20 Ländern gezeigt, darunter Spielfilme, Kurzfilme, Dokumentationen und Retrospektiven.

Das Spektrum umfasst Filme aller sexuellen Orientierungen, ob schwul, lesbisch, bisexuell, transgender, asexuell oder queer - alles ist erlaubt, was von den üblichen "Mainstream-Pornos" à la Gina Wild und Dolly Buster abweicht und den Horizont erweitert.

"In diesem Jahr haben wir zwar keinen thematischen Schwerpunkt gesetzt, aber wir haben viele Filme von Frauen im Programm. Sie machen gut die Hälfte aus", sagt Kuratorin und Mitorganisatorin Paula Alamillo. Und das sei auch der Unterschied zu anderen Porno-Festivals, bei denen meist die sexuellen Fantasien der Männer im Vordergrund stünden.

Das Berliner Festival soll dagegen einen Raum bieten, sich scham- und vorurteilsfrei mit allen Darstellungen von Sexualität, von Fetisch bis Sexarbeit, von Homo- bis Heterosexualität zu beschäftigen. "Wir wollen Berührungsängste abbauen. Das passiert unter anderem auch in unseren Workshops."

Workshops zu Bondage und Sexarbeit

Die Workshops finden in kleinen Gruppen mit maximal 30 Teilnehmern statt und befassen sich mit Themen wie Bondage, Sexy Dance und Sexarbeit. Bei letzterem gibt eine Sexarbeiterin Einblicke in ihren Alltag und lässt die Besucher hinter die Kulissen eines Berufsbildes schauen, das in der Öffentlichkeit allzu oft tabuisiert wird.

Neben vielen Filmen aus Deutschland und den USA wird es Beiträge aus Russland, Chile, Spanien, Italien, Belgien und Australien zu sehen geben. Aus Japan stammt der schräge Eröffnungsfilm "R100" von Matsumoto Hitoshi, der sich mit der Welt des BDSM beschäftigt - ein Begriff, der sich aus den Bezeichnungen „Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism“ zusammensetzt.

Queer Porn aus Berlin gibt es unter anderem von der dänischen Filmemacherin Goodyn Green zu sehen, deren Film "Shutter" beim 9. Pornfilmfestival seine Weltpremiere feiert.

Mit der Regisseurin Erika Lust aus Schweden und ihrem neuen Werk "XConfessions" haben die Veranstalter des Festivals eine Vorreiterin des feministischen Pornos ins Programm geholt. In ihrer fortlaufenden Serie lädt die Filmemacherin alle ein, anonym geheime Fantasien zu beichten, um sie dann als Pornofilm umgesetzt zu sehen.

Der Experimentalfilm "Death Drive" der Porno-Produktionsfirma Dark Alley Media erkundet die selbstzerstörerische Seite schwuler Sexualität mit Stilmitteln von Tanz, Porno und typischen Independent-Film-Elementen.

++ Lesen Sie auf der nächsten Seite: Auf der Suche nach der richtigen Penisgröße und wo das Festivalpublikum feiert ++

Weitaus humorvoller geht es in dem Dokumentarfilm "Unhung Hero" zu, der sich mit der Frage beschäftigt: Kommt es wirklich auf die Größe an? Protagonist Patrick hat einen kleinen Penis und wurde darum von seiner Freundin verlassen. Nun begibt er sich auf eine witzige, aber auch schmerzvolle Reise nach der richtigen Penisgröße. Der Größenwahn mancher Männer kommt hierbei alles andere als gut weg.

Mit einem Tabu-Thema beschäftigt sich der australische Film "52 Tuesdays", in dem die 16-jährige Billie von ihrer Mutter mit deren Geschlechtsanpassung zum Mann konfrontiert wird. Die pubertierende Billie erlebt aber auch das Erwachen ihrer eigenen Sexualität. Mit zwei Klassenkameraden filmt sie sich gegenseitig bei ersten sexuellen Annäherungen.

"52 Tuesdays" feierte auf der Berlinale 2014 Premiere. Der Trailer:



"Ich persönlich freue mich besonders auf den Abschlussfilm 'The Foxy Merkins' - eine lesbische Komödie aus den Staaten", erzählt Kuratorin Alamillo. Übersetzt heißt der Titel "Die sexy Schamhaartoupets" und verspricht eine absurde Story voller Komik. Am Sonntag kürt die Festival-Jury die Gewinner in den Kategorien Kurzfilm, Spielfilm und Dokumentarfilm. Die Sieger können sich über jeweils 500 Euro freuen.

Im vergangenen Jahr kamen rund 7000 Zuschauer, und auch dieses Jahr wird das Moviemento wieder aus allen Nähten platzen, denn das Festival wächst jährlich und gewinnt an Fans. Das Publikum ist dabei bunt gemischt, wie die Organisatorin erklärt, von Jung bis Alt. Es gibt Stammgäste, die jedes Jahr kommen, viele Berliner aus der lesbisch-schwulen Szene, aber auch Neulinge, die zum ersten Mal einen Porno im Kino schauen wollen.

"Viele erfahren erst durch das Festival, dass es auch noch andere Pornofilme gibt", erklärt Alamillo. Ein großer Unterschied zu gängigen heterosexuellen Pornos sei beispielsweise auch, dass es in den alternativen Pornos oft eine Handlung gebe.

Während der neunten Ausgabe des Pornfilmfestivals Berlin soll auch gefeiert werden: Von Mittwoch bis Freitag steigt die Festival-Lounge täglich ab 22 Uhr im Ficken 3000 (Urbanstraße 70). Am Samstag folgt die große Festivalparty in der Loftus Hall am Maybachufer 48 ab 22 Uhr und seinen Abschluss feiert das Festival am Sonntag, 26. Oktober, ab 22 Uhr im Südblock (Admiralstraße 1-2) in Kreuzberg.

Der Trailer zum Pornfilmfestival 2013 gibt einen Einblick in das bunte Treiben im Moviemento:



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