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Actionthriller „Lucy“: Scarlett Johansson als Kampfmaschine

Mit den Waffen einer Frau: Lucy (Scarlett Johansson).

Mit den Waffen einer Frau: Lucy (Scarlett Johansson).

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Universal

Der Mensch nutzt sein Gehirn nur zu einem Bruchteil – wer auch immer „der Mensch“ sein mag und wie auch immer man das berechnen will. Die frühe Hirnforschung schätzte den Anteil der benutzten Hirnmasse auf ein Fünftel, heute beziffert man sie meist auf ein Drittel. Luc Besson billigt uns in seinem neuen Film „Lucy“ gerade mal ein Zehntel zu. Nicht weil er von sich auf andere schlösse, sondern weil das dramaturgisch viel Spielraum lässt. Denn die Frage, was denn da für ein Homo supersapiens herauskäme, würde man die Birne vollständig zum Glühen bringen, ist natürlich interessanter, wenn auf unsere durchaus respektablen Geistesgaben neun Teile aufgeschlagen werden können statt nur zwei.

Luc Besson lässt seiner Fantasie diesbezüglich freien Lauf. Ihre einzige Beschränkung ist ein straffer Action-Plot, ohne den der französische Thriller-Berserker keinen Film dreht. Besson hat das amerikanische Action-Kino in Frankreich heimisch gemacht und schreibt, inszeniert und produziert zusammen mit Hollywood am laufenden Band Genrefilme wie „Transporter“, „Colombiana“ oder auch „96 Hours“, die Hollywood allein so schlackenlos kaum noch hinbekommt.

Mit der Folge allerdings, dass die Action-Passagen von „Lucy“ wesentlich überzeugender sind als jene, in denen Besson fantastisch sein will. „Lucy“ beginnt grandios: Scarlett Johansson in der Titelrolle wird von einer Männerbekanntschaft bequatscht, einen Koffer in einem Hotel abzugeben, angeblich nur Papierkram. Natürlich findet sie das seltsam – erst recht, als der Typ den Koffer unversehens mit Handschellen an ihrem Handgelenk befestigt. Zornig betritt sie die Rezeption, wird gegen die Absprache aufs Zimmer bestellt und kurz darauf ruppig von ein paar Asiaten abgeholt, während ihre Bekanntschaft auf der Straße abgeknallt wird. Blutig geht es weiter, bis wir endlich einen Blick in den Koffer werfen dürfen, der vier Tüten mit blauen Kristallen enthält. Eingenäht in ihre Bauchhöhle soll Lucy das Zeug schmuggeln mit drei anderen armen Würstchen. Aber als ihr jemand in den Bauch tritt, platzt der Beutel; der Stoff dringt in ihren Kreislauf ein und erweitert nun fortlaufend ihre Hirnkapazität.

Knallig, verspielt und original inszeniert

Bis hierhin ist „Lucy“ so knallig, verspielt und originell inszeniert, so brutal und in den Übertreibungen auch so grotesk komisch, wie man es bislang nur asiatischen Spezialisten wie Johnnie To oder Takashi Miike zutraute. Lucys Angst und Ratlosigkeit werden mit Bildern der afrikanischen Steppe gegengeschnitten, wo ein Leopard eine Gazelle jagt. Gewiss: Lucy ist die Gazelle – aber zugleich trägt sie eine Jacke mit Leopardenfellmuster.

Die Gejagte wird zur Jägerin, und aus dem ersten Primatenweibchen Lucy wird nun der Überprimat Lucy – die Namensgleichheit ist beabsichtigt. Und wenn man bedenkt, dass die Primatin Lucy nach dem Beatles-Song „Lucy in the Sky with Diamonds“ benannt wurde und der wiederum immer wieder mit der Droge LSD in Verbindung gebracht wird, ergibt sich ein nettes Beziehungsgeflecht zwischen der Geschichte der Menschen und den Wirkungen psychotroper Substanzen.

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