E_Paper_BZ
Nachrichten aus Berlin und der ganzen Welt

After Earth mit Will Smith: Science-Fiction und Scientology

Ist das vielleicht von L. Ron Hubbard inspiriert? Jaden Smith, der Sohn von Will, beim Kniefall.

Ist das vielleicht von L. Ron Hubbard inspiriert? Jaden Smith, der Sohn von Will, beim Kniefall.

Foto:

AP/dpa

In dem Film „After Earth“ ist es tausend Jahre her, dass die Menschen die verseuchte Erde verlassen mussten. Wenige von ihnen siedelten in einem neuen Sonnensystem. Wir erfahren nicht viel über dieses neue Leben, denn schon bald wird ein prominent besetztes Raumschiff unplanmäßig auf dem alten blauen Planeten abstürzen. Der Kontrast zwischen den Lebensräumen ist dabei deutlich inszeniert vom Regisseur M. Night Shyamalan: Hier die zivilisierte Welt, deren Bewohner in großzügigen, wabenartigen und mit weißen Sonnensegeln ausgestatteten Hochhäusern leben; dort die mehr oder weniger ungezähmte Wildnis. Kultur und Natur werden so in Frontstellung gebracht. Wobei sich die Kultur vor allem durch eine streng hierarchische Ordnung und unbedingte Disziplin der Menschen auszuzeichnen scheint; die den klassischen Geschlechterverhältnissen verbundene Gesellschaft ist militärisch strukturiert.

Will Smith hat das Science-Fiction-Abenteuer „After Earth“ auf den Weg gebracht. Ein Vater (Will Smith), der General ist, und sein unsicherer Sohn (Jaden Smith) müssen darin als einzige Überlebende des Raumschiff-Crashs auf dem ehemaligen, nun kontaminierten Heimatplaneten bis zu ihrer Rettung durchhalten. Mehr noch, schwer verletzt kann der Vater den Sohn nicht bei Suche nach einem rettenden Sender begleiten; ihm bleibt das Dirigieren über Monitor und Funkverbindung. Derart auf sich gestellt, muss das Kind allein den Gefahren trotzen – und die sind zahlreich. Verfolgt von diversen wilden Tieren, unter Sauerstoffmangel leidend und bedroht von nächtlicher Eiseskälte kann zudem hinter jedem Baum die schlimmste Heimsuchung lauern: ein Ursa. Das sind von feindlichen Aliens gezüchtete, nahezu unbesiegbare Kampfmonster, eines von ihnen konnte unglücklicher Weise von Bord des zerstörten Raumschiffs entkommen. Einzig zu dem Zweck erschaffen, die Menschheit zu vernichten, orientiert sich das blinde Ungetüm unfehlbar an der menschlichen Angst, genauer an dem im Angstschweiß befindlichen Pheromonen.

Das hat in den USA in den Medien nun hohe Wellen geschlagen, denn als gewissermaßen anrüchigen Überlebensratgeber haben die Gestrandeten offenbar L. Ron Hubbards Scientologen-Bibel „Dianetics“ im Survival-Kit. So wenigstens hat es jüngst das ehemalige Sektenmitglied Marc Headley als Gastkommentator im US-amerikanischen Branchenblatt The Hollywood Reporter nachvollziehbar dargelegt. Eine Katastrophe für die Filmverantwortlichen, denn „After Earth“ ist in den US-Kinos miserabel gestartet, und jede beweisbare Nähe zu Scientology könnte pures Kassengift sein auf dem für Will-Smith-Filme bisher ausgesprochen gewinnträchtigen europäischen Markt.

Will Smith selbst hat sich stets nebulös über sein Verhältnis zur Sekte geäußert; er ist indes ein enger Freund des bekennenden Scientologen Tom Cruise und hat auch immer wieder Geld für sektennahe Projekte gespendet. Mehr noch haben er und seine Frau Jada Pinkett-Smith 2008 in Südkalifornien die New Village Leadership Academy gegründet, an der nicht nur zahlreiche Scientologen unterrichten, sondern via „Study Technology“ auch explizit mit scientologischen Methoden gearbeitet wird. Und nicht nur das prominente Paar lässt seine beiden Kinder Willow (12) und eben Jaden (14) dort unterrichten, auch Tom Cruise hatte seine Tochter Suri (7) dort untergebracht.

Hoffen wir für den Nachwuchs, dass es an der Lehranstalt ein wenig liebevoller zugeht als im Film. Denn in „After Earth“ erfährt der Sohn die Zuneigung seines Vaters erst, nachdem er – natürlich überlebensnotwendig! – seine Gefühle, vor allem seine Angst überwunden hat. Die Beherrschung von Angst ist eines der erklärten Ziele von Scientologen. Diesen wahnhaften Überwindungswillen der menschlichen Natur, das unbedingte Gebot der Gefolgschaft und gnadenloser Disziplin hat der US-Regisseur Paul Thomas Anderson in seinem Spielfilm „The Master“ (2012) meisterhaft vorgeführt. So gesehen, lässt sich „After Earth“ sicher als ein scientologisch geprägtes Werk deuten. Am Augenfälligsten ist dabei der Kniefall des Sohns vor einem Vulkan, der tatsächlich genauso aussieht, wie das Vulkan-Titelbild von L. Ron Hubbards „Dianetics“.

„After Earth“ ist jedoch aus anderen Gründen kein gelungener Film. Da wäre zunächst die unentschiedene Ausstattung. So können die Menschen hier etwa mittlerweile lässig durchs All fliegen, doch patriotische Kriegsveteranen müssen mit Rollstühlen auskommen, die schwer an die vorletzte Jahrhundertwende erinnern. Überhaupt wird der sichtbare Wille zur Eleganz stets durch den Verdacht konterkariert, hier wären bei der Innenausstattung haufenweise alte Joghurtbecher zum Einsatz gekommen. Auch fragt man sich, warum die üppige Vegetation und die zahlreichen Tiere so gut mit der angeblich tödlichen nächtlichen Kälte klarkommen. Vor allem aber liegt eine Verkrampftheit über dem Spielgeschehen. Sei es, weil der ehemalige „Fresh Prince“ Will Smith bislang seine altersangemessene Rolle noch nicht gefunden hat oder er als überambitionierter Vater seinen unbekümmerten Charme verloren hat. Sei es, weil er mit „After Earth“ tatsächlich Scientology-Botschaften verbreiten wollte. Scientology, so viel ist festzustellen, bekommt Will Smith offensichtlich überhaupt nicht.

After EarthUSA 2013. Regie: M. Night Shyamalan, Drehbuch: Gary Whitta, M. Night Shyamalan, Will Smith, Kamera: Peter Suschitzky, Darsteller: Will Smith, Jaden Smith u. a.; 100 Min., Farbe. FSK ab 12. Ab Donnerstag im Kino.