image001
Nachrichten aus Berlin und der ganzen Welt

Batman und Superman liefern Knall-Bonbons statt Ur-Knall

Superman Aug in Aug mit der Fledermaus.

Superman Aug in Aug mit der Fledermaus.

Foto:

Warner Bros.

Wenn man heute an Superhelden im Kino denkt, dann fallen einem die Figuren des Marvel-Comic-Verlags ein. Alle paar Monate kommt ein Marvel-Held, ob von der Konzern-Mutter Disney oder dem Lizenznehmer Fox, auf die Leinwand. Selbst aus zweit- oder drittklassigen Comic-Figuren wie „Ant-Man“ oder „Deadpool“ werden derzeit Kino-Hits. Doch das war nicht immer so. Lange Zeit lag der Marvel-Konkurrent Detective Comics (DC) bei der Kinoauswertung weit vorn. Als älterer Comic-Verlag mit strahlkräftigen Superhelden-Ikonen – darunter Superman, Batman, Wonder Woman, Green Lantern und dem Flash – und Teil großer Medien-Konzerne (seit 1989 Time-Warner) konnte DC enorme Erfolge feiern. Richard Donners „Superman“ (1978) schob die erste Superhelden-Film-Welle an. „Batman“ von Tim Burton war 1989 ein gewaltiger Kassenschlager.


Superhelden für alle

Doch in der jüngeren Vergangenheit wurde es schwer für den ehemaligen Klassenbesten DC. Christopher Nolans „Dark Knight“-Trilogie (2005-2012) war zwar ein künstlerischer und kommerzieller Erfolg, aber zu ambitioniert und vertrackt, um als Grundstein für ein auch kinder- und vermarktungsfreundliches Superhelden-Imperium zu dienen. Alle anderen DC-Kinoadaptionen andere floppten: Bryan Singers „Superman Returns“ (2006) war eine langweilige Huldigung vergangener Tage und „Green Lantern“ (2011) ein grellbunter, unfreiwillig komischer Reinfall.

Dann aber war der Regisseur Zack Snyder dran. Der hyperaktive 50-Jährige hatte bereits durchaus erfolgreich DC-Comics verfilmt, beispielsweise „300“ (2006) und „Watchmen“ (2009); sein „Man of Steel“ sollte 2013 den angestaubten Superman modernisieren. Das Ergebnis war ein keineswegs reizloser, aber seltsam formelhafter Film. Zum Finale wird hier eine Großstadt in einem pixeligen Duell verwüstet; der eher blasse Protagonist (Henry Cavill) endet melancholisch und beladen. Das kam nur bedingt an bei der Kritik und dem Publikum. Das weltweite Kino-Einspielergebnis von etwa 670 Millionen US-Dollar wirkt bei Kosten um 300 Millionen Dollar eher schmal.

Dennoch blieb Zack Snyder als Regisseur die erste Wahl von DC und Warner, um eine Superhelden-Reihe wie Marvels „Avengers“-Filme loszutreten. Vielleicht verdankte sich das dem Zeitdruck, vielleicht handelt es sich auch um eine verzweifelte Entscheidung: Denn niemand weiß, wie lange der Superhelden-Boom noch anhalten wird, und schließlich soll Marvel nun im Eilverfahren eingeholt werden. Bis einschließlich 2020 sollen jedes Jahr zwei DC-Filme ins Kino kommen. So wurde aus Zack Snyders ursprünglich avisierter „Man of Steel“-Fortsetzung zunächst auch ein Batman-Film mit Ben Affleck als neuem Fledermaus-Darsteller. Dann wurden noch mehr Anspielungen und Gastauftritte anderer DC-Helden eingebaut. Nach unbestätigten Meldungen könnte Zack Snyders „Batman v Superman: Dawn of Justice“ mit 400 Millionen US-Dollar eine der teuersten Produktionen aller Zeiten sein.

Aber viel hilft leider nicht immer viel. Der Film „Batman v Superman: Dawn of Justice“ wirkt unglaublich gewollt. Das Drehbuch ächzt unter der Vielzahl auch widersprüchlicher narrativer Anforderungen – und außerdem ist Zack Snyder leider kein guter Erzähler. So entfaltet sich sein Film als Bilderbogen voller Behauptungen und Misstöne. Die Probleme fangen mit dem angeblichen Schlüssel-Konflikt an: Auch wenn es Afflecks grimmiger Batman oft wiederholt, kann man kaum glauben, dass er Superman ans Leben will, um Rache für die „Man of Steel“-Verwüstungen und -Todesopfer zu nehmen. Es wird viel gegrübelt in diesem Film; die beiden Helden werden von Erinnerungen und Albträumen geplagt. Einzig Lex Luthor, mit nervigem Duktus und fahriger Gestik als anstrengendes Wunderkind von Jesse Eisenberg gespielt, scheint hier irgendeine, wenn auch perverse Freude zu haben.

Viel hilft nicht viel

Überhaupt geht Snyders Drang, alles irgendwie düsterer und „modern“ zu zeichnen, daneben. Erschreckend humorlos streut er religiöse wie politische Schlagworte und Symbole ein, ohne irgendetwas zu Ende zu denken oder auszuformulieren. Und auch visuell kann Snyder hier kaum punkten: Nach „Mad Max“, „Star Wars“ und „Deadpool“ wirkt seine digitale Bild- und Action-Gestaltung überholt und fast wie aus der Zeit gefallen. Der geplante Ur-Knall ist nur ein Knall-Bonbon geworden. Und die Marvel-Entscheider werden über „Batman v Superman: Dawn of Justice“ eher kichern als Schlaf verlieren.