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Berlinale 2015: Politikdebatten ja, aber nur im Bus

Blitzlichtgewitter am roten Teppich der Berlinale.

Blitzlichtgewitter am roten Teppich der Berlinale.

Foto:

REUTERS

Berlin -

Für die Kunst- und Meinungsfreiheit treten derzeit fast alle Kreativen ein, zumindest in der westlichen Hemisphäre und besonders entschieden nach dem Attentat auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris. Auch die Organisatoren der Internationalen Filmfestspiele Berlin sind selbstredend für Kunst- und Meinungsfreiheit. Dennoch ist keine spezielle Solidaritätsbekundung während der Festivaltage vom 5. bis zum 15. Februar geplant. Das Programm selbst sei diese Bekundung, betonte der Berlinale-Chef Dieter Kosslick am Dienstag bei der Pressekonferenz: Die Berliner Filmfestspiele stünden seit ihrem Beginn für Toleranz und Völkerverständigung.

Mit Berufs- und Reiseverbot belegt

Dass sich die Berlinale stark als politisches Festival versteht, wurde Kosslick in der Vergangenheit öfter zum Vorwurf gemacht von Beobachtern, denen ästhetische Kriterien der Filmkunst zu kurz kamen. Nun wird es zwar keine besondere Solidaritätsbekundung geben, dafür aber erstmals einen sogenannten Social Bus am Potsdamer Platz – als Ort, in dem über Kunst- und Meinungsfreiheit informiert und diskutiert werden kann. Der im Berlinale-Kontext bekannteste Fall von Reglementierung betrifft den Regisseur Jafar Panahi, der in seiner iranischen Heimat mit Berufs- und Reiseverbot belegt ist und dessen Film „Taxi“ bei der Berlinale außer Konkurrenz läuft. „Ich lade Panahi so lange ein, bis er kommen kann“, so Kosslick.

Da die Programmpressekonferenz am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz stattfand, ging es auch um die Aufarbeitung des Holocaust. Eine Berlinale-Kamera wird an den Regisseur Marcel Ophüls gehen, dessen Dokumentation „The Memory of Justice“ (1976) über Kriegsverbrecher und Wurzeln des Totalitarismus aufgeführt wird. Kaum bekannt ist, dass manche KZ-Insassen insgeheim Kochbücher schrieben als Überlebensfantasien – „Festins Imaginaires“ von Anne Cohen befasst sich damit in der Reihe Kulinarisches Kino. Mit einer weiteren Berlinale-Kamera wird Naum Kleiman, einst verdienter Direktor des Moskauer Filmmuseums, geehrt.

Natürlich wurden am Dienstag auch Themenschwerpunkte der 65. Berlinale vorgestellt. Erstmals zeigt das Festival im großen Stil TV-Serien, darunter die US-Produktion „Better call Saul“, ein Spin-off der Erfolgsserie „Breaking Bad“.

Außerdem wird es viel um „starke Frauen in extremen Situationen“ gehen, so Kosslick. 441 Filme werden gezeigt, davon stammen 116 von Frauen. Mit Isabel Coixet eröffnet erst die zweite Regisseurin in der Berlinale-Geschichte das Festival. Coixets „Nobody Wants the Night“ erzählt von Frauen in der arktischen Abgeschiedenheit Grönlands; die Katalanin war bereits mehrfach beim Hauptstadtfestival vertreten. Die erste Regisseurin, die je eine Berlinale eröffnet hat, war Margarethe von Trotta. Ihr neuer Film „Die abhandene Welt“ wird nun als Special gezeigt.

So schließen sich Kreise. Auch was die Berlinale Talents angeht, das Nachwuchslabor des Berliner Festivals. 86 ehemalige Talente kehren nun zur Berlinale zurück – mit 63 Filmen im offiziellen Programm.